Waldorf-Grundschüler in Containern

Wo gehobelt wird, fallen Späne

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In diesen Containern wird vorübergehend unterrichtet.

Waldhof - Lernen unter erschwerten Bedingungen – das hat in Waldhof Tradition. Jahrzehnte verbrachten Lehrer und Schüler der Grundschul-Zweigstelle an der Ottersfuhrstraße in behelfsmäßigen, maroden Containern. Diese Ära ist vorbei, die alten Gebäude abgerissen. Von Henrik Saal und Veronika Szeherova

Doch das Provisorium geht weiter. Bis der Bau der neuen Grundschule nebenan abgeschlossen ist – voraussichtlich Ende nächsten Jahres – müssen es knapp 200 Schüler wieder in Baucontainern aushalten. „Die Klassenräume sind darin noch etwas kleiner“, sagt Schulleiter Klaus-Peter Ehlert. Doch das ist für ihn ein geringer Wermutstropfen. Insgesamt betrachtet er die Lernbedingungen als „nicht schlechter als zuvor, vielleicht sogar besser“.

Das sieht Franziska Krause anders, die unweit der Grundschule wohnt: „Den Baulärm hört man sogar noch einige Straßenzüge weiter in den Häusern. Er beginnt morgens vor acht Uhr und dauert den ganzen Tag.“ Die Gesteinsbrocken würden an Ort und Stelle zertrümmert, zerkleinert und abgefahren. „Hat man bei all den Planungen eigentlich an die Schüler und Lehrer gedacht, die nur wenige Meter entfernt in den Pavillons ausharren müssen und dabei arbeiten und etwas lernen sollen?“, fragt die Waldhoferin.

„Alles läuft planmäßig und regulär ab“

Schulleiter Ehlert lobt hingegen den bisherigen Verlauf der Arbeiten. „Alles läuft planmäßig und regulär ab, Für unseren Umzug war alles hervorragend vorbereitet.“ Die Abrissarbeiten seien zwar in den Sommerferien noch nicht abgeschlossen gewesen, sondern hätten sich einige Wochen ins neue Schuljahr gezogen. „Mit dem Abriss war der größte Lärm verbunden“, so Ehlert. „Doch mittlerweile ist es in Waldhof ruhiger als in unserer Hauptstelle in Bieber mit dem ganzen Fluglärm.“

Von Schülern, Eltern oder Lehrern habe er bisher auch nichts Negatives bezüglich Lärms von der Baustelle gehört. „Ich würde meine Kinder nicht dorthin schicken“, sagt indes Krause. Auch sieht sie in dem Komplettabriss eine Verschwendung von Steuergeldern. „Warum wurde das einzige Gebäude, das vor höchstens 25 Jahren zu den alten Holzpavillons hinzukam, auch abgerissen?“

„Bitte nicht da, wo Kinder sind!“

Schulleiter Ehlert verweist darauf, dass die Baumaßnahmen von der Stadt als Auftraggeber umgesetzt werden: „Der zweistöckige Trakt ließ sich in die Planungen für die neue Grundschule nicht integrieren. Außerdem war auch dieses Gebäude schon zu marode, um es weiter zu nutzen.“

Dass der Neubau wichtig ist, ist auch für Krause keine Frage: „Der Neubau muss sein. Und wo gehobelt wird, fallen Späne – aber bitte nicht da, wo Kinder sind!“ Sie kritisiert zudem, dass die Grundschüler in der Übergangszeit keinen richtigen Schulhof und keinen Spielplatz haben. Ehlert sieht nach den Jahren des Provisoriums das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels: „Obwohl wir noch etwas warten müssen, die Aussicht auf die neue Schule macht alle Unannehmlichkeiten wieder wett.“

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