Waldschule Tempelsee

Waldschule: Den Charakter erhalten

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Die ästhetische Wirkung wurde gewahrt, die energetische Technik verbessert: Blick auf die luftig-leicht wirkende Fassade der Waldschule, die als typisches Beispiel für die deutsche Nachkriegs-Architektur gilt. Die Stadt investierte in Tempelsee 9,5 Millionen Euro.

Offenbach - Die agilen Damen nehmen es mit Humor: „1952 waren wir die ersten, die hier unterrichtet wurden. Heute sind wir die ersten, die gehen. . . “ Dem Quartett ist’s während der offiziellen Feierlichkeiten zu voll und zu heiß. Es ist zu verstehen. Von Martin Kuhn

Bei sommerlichen Temperaturen drängen gut 400 Kinder, Eltern, Lehrer und Offizielle in die Aula der sanierten Waldschule. Nach einer kurzweiligen Bau-Revue drängen viele mit rotem Kopf ins Freie.

Da sind die vier Damen längst gegangen. Im Vorbeigehen zeigen sie noch auf zwei Fenster im oberen Stock des Hauptgebäudes. „Da war unser Klassenzimmer. Schade, dass wir nicht reinschauen konnten.“ Na, vielleicht ergibt sich ja irgendwann eine Gelegenheit dazu... Derweil zeigen die Buben und Mädchen der Grundschule mit musikalischen Schwerpunkt in Spiel und Gesang, wie sie die annähernd 26 Monate dauernde Sanierung und Erneuerung erlebt haben.

Gute Miene zum hintergründigen Spiel

Die Schüler stimmen lautstark an, was viele in Offenbach sprachlos macht: „In unserer Stadt gibt’s eine dunkle Gefahr / und das ist das düstere Haushaltsloch. / Die Menschen im Rathaus, die fürchten sich sehr / vor dem bodenlosen Haushaltsloch. / Wenn der Sturm um die Häuser pfeift dann schrei’n sie laut: Oh je. / Denn durch die Dächer der Schulen da tropft es in einen grauen See.“

Gute Miene zum hintergründigen Spiel machen Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeister Peter Schneider und Stadtrat Felix Schwenke. Den hauptamtlichen Magistrat ergänzt an diesem Nachmittag Paul-Gerhard Weiß, unter dessen politischer Verantwortung der Baubeginn in Tempelsee erfolgte. Er nennt es im Rückblick ein „dankbares Projekt“; womit der Liberale sowohl Gebäude als auch Schulgemeinde einschließt.

Undankbarer erscheint die Aufgabe, die sein Nachfolger als Schuldezernent stemmen muss. Die Stadt hat das ehrgeizige Schulsanierungs- und -erweiterungskonzept, 2007 beschlossen, bekanntlich erst etwa zur Hälfte geschafft. Felix Schwenke zeigt sich „fest entschlossen“, auch die zweite Tranche umzusetzen. In diesem Jahr soll nach seinen Worten noch der erweiterte Vergabebeschluss für die Käthe-Kollwitz-Schule folgen.

280 Schüler an der dreizügigen Grundschule

Schutzschirm und Kommunalaufsicht machten es erforderlich, dass die Stadt alle möglichen Varianten abzuwägen hat. Das soll durch ein „gesteigertes Kostenbewusstsein“ Geld sparen, binde aber mehr Personal mit Planungsarbeiten. „Und das kostet unterm Strick viel, viel Zeit.“ Immerhin: Bei allen Investitionen in die Bildung habe das Regierungspräsidium in Darmstadt „Gesprächsbereitschaft“ signalisiert. Die Stadtverwaltung erarbeite  derzeit, welche Schulen als nächste an der Reihe sind. Den Schulleitern werde das in der zweiten Jahreshälfte mitgeteilt. Felix Schwenke: „Es wird sicher schwer, fair zu gewichten...“

„Wer will fleißige Handwerker sehn...“, der muss nicht länger in die Waldschule gehen. Parallel zum Schulfest wurde die grundlegende Sanierung offiziell beendet.

Von dieser Last sind Schulleiterin Hannelore Grebe und ihre 15 Kollegen in Tempelsee befreit. Sie unterrichten nach den Sommerferien etwa 280 Schüler an der dreizügigen Grundschule. Die Gebäude, konzipiert durch den ehemaligen Stadtbaurat Adolf Bayer, gelten als gelungenes Beispiel der Architektur der 1950er Jahre. Charakteristisch ist die plastische und filigrane Fassadenstruktur mit schlanken außenliegenden Stahlbetonelementen und feinen Stahlfensterprofilen. Das Schulhaus mit seinen Anbauten hat aber heutigen pädagogischen, brandschutztechnischen und energetischen Anforderungen nicht mehr entsprochen.

Im Neubau sind zwölf Räume für Gruppenarbeit, Unterrichtsvorbereitung und Hausaufgabenbetreuung entstanden. In der Cafeteria mit Küche und Speiseraum können bis zu 180 Essen zubereitet werden. Auch die weitgehende barrierefreie Erschließung der Schule ist durch den Einbau eines Aufzugs an der Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau erreicht. Ein Betreuungsverein organisiert täglich bis 15 Uhr Angebote für die Grundschule mit pädagogischer Mittagsbetreuung. Aktuell werden 90 Buben und Mädchen betreut. „Und auf einer Warteliste stehen weitere“, sagt Grebe.

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