Weitere Einschränkung

Waldschwimmbad wird im Winter zu Vereinsbad 

Zuschussfaktor Winterbetrieb: Unter der Traglufthalle des EOSC-Bades verirren sich nur wenige Badegäste. - Foto: Georg

Offenbach - Ein Schwimmbad ist ein Schwimmbad. Kein Erlebnis- oder Spaßbad. Schon gar nicht in einer finanzschwachen Stadt wie Offenbach. Nun folgt eine weitere Einschränkung. Im Winter ist das Waldschwimmbad künftig nur noch ein Vereinsbad. Von Martin Kuhn

Gerhard Grandke verordnete seiner Heimatstadt vor zwanzig Jahren einen radikalen Sparkurs. Seine „Liste der Grausamkeiten“ beinhaltete das Aus von drei der vier Schwimmbäder. Es geht sogar noch weniger. Das einzig verbliebene Schwimmbad, das der Verein EOSC für die Stadt betreibt, steht ab sofort in den Wintermonaten nur noch Vereinen und Schulen offen. Die neuerliche Einschränkung, der Abbau einer freiwilligen Leistung ist erneut der katastrophalen Offenbacher Finanzlage geschuldet.

Die Verantwortlichen von EOSC und Stadt sehen darin eigentlich nur Positives. Auf den ersten Blick verwundert das. Allerdings verbietet sich ein öffentlicher Aufschrei der Entrüstung. Während Oberbürgermeister Horst Schneider, der auf der Rosenhöhe seine Bahnen zieht, von einer „recht überschaubaren Winter-Community“ spricht, belegt  EOSC-Vorsitzender Matthias Wörner diesen subjektiven Eindruck mit Zahlen. In der vergangenen Wintersaison zählte der Verein etwa 3000 zahlende Gäste. Das ergibt bei einem Eintritt von vier Euro unterm Strich ganze 12.000 Euro. Dem stehen für die sechs Monate allein Personalkosten in Höhe von gut 50.000 Euro für Bademeister gegenüber, die beim öffentlichen Betrieb vorgeschrieben sind.

EOSC schaut auf jeden Euro

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Gut über Wasser gehalten

Diese entfallen bei einem Bad für reinen Vereins- und Schulsport. Das betrifft, wohl gemerkt, lediglich die Wintermonate. Das geht einher mit einer Reduzierung von ehemals elf auf neun Mitarbeiter, die im Waldschwimmbad ordentlich zu tun haben. Aktuell nehmen sie sich den Damen-Sanitärbereich vor: eine Ursachensuche hinter Rigipsplatten. „Zu 80 Prozent schaffen wir das in Eigenleistung; nur wenn’s ans Eingemachte geht, holen wir uns Fachfirmen.“ Das freut die Kommune: Der Zuschuss, der ursprünglich 250.000 Euro jährlich betragen hat, ist in den vergangenen Jahren auf 440. 000 Euro zuzüglich Verlustabdeckung angestiegen. „Im Jahr 2013 hätte der Zuschuss insbesondere aufgrund von höheren Personalkosten, haftungsrechtlich notwendige Einstellung von Fachangestellten für Bäderbetriebe, 660.000 Euro betragen“, heißt es seitens der Verwaltung.

Der EOSC schaut ohnehin auf jeden Euro – insbesondere bei den Energiekosten. Da macht sich die Thermoplane bezahlt,  die nachts übers 50-Meter-Becken gezogen wird. Der Verein kompensierte dadurch die Kostensteigerung auf dem Energiesektor und liegt auf dem Niveau von 2005. Vorteil der Plane: So kann auch die Heizleistung für die Traglufthalle entscheidend gedrosselt werden. Zudem, so verrät Wörner, werden das gut 10 000 Quadratmeter große Becken nicht geöffnet, wenn die Wassertemperatur unter 10 Grad liegt. „Erst recht nicht nur für zwei Personen...“

Verein schultert ein ordentliches Päckchen

Ein entscheidender Passus im neuen Vertragswerk ist für Bürgermeister Peter Schneider die Sicherheit, „damit der Verein nicht in unüberschaubare Schwierigkeiten gerät“. Bis zur Unterschriftsreife habe man 18 Monate lang gekämpft; „sportlich und fair“, wie Wörner betont. Wichtig: Auch der Verein schultert mit seinen Mitgliedern ein ordentliches Päckchen. So zahlt der EOSC für den vereinseigenen Sport- und Trainingsbetrieb künftig jährlich 12.200 Euro – bislang war lediglich die Hälfte fällig.

Und was macht künftig der gemeine Schwimmer? „Der wird am besten Mitglied im EOSC“, werben beide Schneiders. Und Sportdezernent Peter rechnet vor: „Es rechnet sich schon für denjenigen, der nur dreimal monatlich ins Sportbecken springt.“ Immerhin: Mit der schon lange angekündigten Winterschließung steigen die Mitgliederzahlen beim EOSC – aktuell sind es etwa 2600.

Ehrgeiziges Ziel aller Beteiligten: Sie wollen mit schmalem Geld die Attraktivität des Waldschwimmbad langsam steigern. Das nächste Projekt: eine Thermoplane fürs 25-Meter-Becken. Sicher ist aber, dass es auf der Rosenhöhe kein Luxusbad geben wird. Ein neuer (und teurer) Umkleide- und Sanitärtrakt, wie er von einigen Nutzern gern gesehen würde, gibt’s nicht: „Dem reinen Schwimm- und Sporterlebnis bringt das nichts“, sagt Wörner. Es bleibt wohl beim liebevoll als „sowjetische Lösung“ bezeichneten Ist-Zustand...

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