Handy darf weiterhin mit ins Freibad

Nur das Knipsen ist tabu im Waldschwimmbad

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Handy im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe dabei haben: erlaubt. Mit der Smartphone-Kamera andere Menschen ablichten: verboten.

Offenbach - Seit Mai gilt in Offenbachs Waldschwimmbad ein Foto- und Videoverbot; am Eingang gibt’s kleine Sticker, die Objektive von Mobiltelefonen abdichten sollen. Von Melina Bosbach und Carolin Henneberg 

Die Hessenschau setzt aktuell noch einen drauf: Auf der Rosenhöhe gelte jetzt an gut besuchten heißen Tagen sogar ein generelles Handyverbot. Zu laut getrommelt. Matthias Wörner, Vorsitzender des badbetreibenden EOSC, stellt klar: „Medial aufgeblasen!“ Tatsächlich hat sich gegenüber der Ankündigung vom April nichts grundlegend verschärft. Fotos nein, normale Handynutzung weiterhin ja.

Badeleiter André Kühler schlendert am Schwimmerbecken entlang, hat ein Auge auf die Besucher: „Wie in vielen anderen Bädern in der Region, herrscht auch bei uns Foto- und Videoverbot, das stimmt.“ Das Telefon dürfe aber natürlich weiterhin mitgebracht und – entgegen der Meldung des Hessischen Rundfunks – auch ausgepackt werden. Zwar könne die Badeaufsicht an sehr vollen Tagen nicht immer alles überblicken, sorge dann dafür, dass das Handy nicht mit an den Beckenrand oder gar ins Wasser genommen wird. Von einem strikten Totalverbot könne aber nicht die Rede sein, betont der Oberbademeister in Diensten des Ersten Offenbacher Schwimmclubs, der das einzige verbliebene Schwimmbad in der Stadt betreibt.

Foto- und Videoverbot zum Schutz der Kinder

Wer sich schon Sorgen gemacht hat, dass ein Selfie auf der Liegewiese zwischen den Bäumen nun zum Rauswurf führt, kann also aufatmen. Auch um das freie W-Lan im Bad nutzen zu können, darf der treue Alltagsbegleiter raus aus der Badetasche.

Der Grund für das Foto- und Videoverbot, das die Bademeister aber etwa auch im Dietzenbacher Waldschwimmbad durchsetzen, ist das neu gebaute Kinderplanschbecken. „Es ging und geht speziell darum, die Kinder zu schützen“, sagt Kühler. Das bestätigt auf Anfrage auch EOSC-Vorsitzender Matthias Wörner. Der Offenbacher verstehe den Rummel, den das Fernsehen um das Verbot gemacht habe, nicht. Ihm sei es von Anfang an nur darum gegangen, dass keine Bilder von Kindern gemacht werden, die dann vielleicht an anderer Stelle wieder auftauchen. „Denn wer will schon sein Kind oder Enkel auf irgendeiner Seite im Internet finden?“ Man wolle mit dem Verbot, für das es allerdings keinen konkreten Anlass gegeben habe, die Privatsphäre schützen und die Familienfreundlichkeit des Waldschwimmbads unterstreichen.

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Ein Großteil der Gäste zeige Verständnis für die Anti-Fotografie-Haltung des Bades, sagt Wörner. Auch Badeleiter Kühler musste bis jetzt noch nicht eingreifen: „Die Besucher nehmen das Angebot der Klebesticker am Eingang durchaus an.“ Andrea Weis aus Offenbach kommt mit ihrer Tochter häufig ins Waldschwimmbad: „Es war schade, dass ich meine Tochter beim Freischwimmer nicht fotografieren konnte, aber ich finde das Fotoverbot in Ordnung.“ Es müsse schließlich auch mal ohne Handy gehen.

Ein Ehepaar aus Frankfurt sieht die neue Vorschrift da schon etwas kritischer: „Das Verbot ist albern. Entweder sie ziehen es knallhart durch oder lassen es eben gleich ganz.“ Die Hinweisschilder am Eingang finden beide lachhaft. „Da hält sich doch eh keiner dran.“ Der 80-jährige Offenbacher Paul Sorglos sieht das Ganze gelassen: „Wir brauchen hier natürlich keine Spanner, aber wer sein Kind fotografieren möchte, sollte das auch weiterhin tun dürfen.“ Und wenn sich jemand nicht dran hält und einfach drauflos knipst? „Wenn wir jemanden sehen, der wild fotografiert, schauen wir uns die Bilder schon mal an, löschen sie gegebenenfalls“, erklärt Kühler. Ignoriert ein Gast wiederholt die Bitte, folgt im schlimmsten Fall eben ein Hausverbot.

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