Im Dunkel ein Licht

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Viele warme Fackeln trotzten bei der sechsten Waldweihnacht in Bieber dem kalten Nieselwetter.

Offenbach - In der kalten Jahreszeit braucht es Licht gegen Dunkelheit. Passend zur Wintersonnenwende haben die Bieberer die wieder länger werdenden Tage mit einer Fackelprozession begrüßt. Von der Kleingartenanlage Erlensteg zog die Lichterschlange durchs Feld. Von David Heisig 

Zum sechsten Mal gestalteten die Wanderabteilung des Sportverbands DJK, Familienkreis der Pfarrei St. Nikolaus und Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF) die Waldweihnacht. Mitgebracht hat Organisator Norbert Faller die Idee aus dem Allgäu. „Für Kinder wird zu wenig gemacht. Es kommen viele, die nichts mit Weihnachten anfangen können“, sagt Faller. Er meint nicht Einkaufsstress, Baumaufstellung oder Wohnungsputz, vielmehr die Bedeutung des Festes. Immerhin sei da der Retter der Welt, Jesus, geboren. Der Zulauf zeige, dass Bedarf bestehe.

Es ist windig, kühl und nieselig. Dennoch setzt sich ein langer Zug in Bewegung. Gespannt war Faller schon; sei eine Veranstaltung mit 250 Besuchern doch nicht leicht zu organisieren. Das Zielpublikum Familien ist erreicht. „Jede Menge Leute sind da“, staunt eine Besucherin. „Das sieht schön aus“, sagt die fünfjährige Maike mit Blick auf die Fackeln. Sie können erworben und am Gasbrenner entzündet werden. „Seit zwei Jahren dürfen wir nicht mehr in den Wald“, bedauern die Veranstalter. Das Forstamt habe das aus Sicherheitsgründen untersagt. Dass von Feuer Gefahren ausgehen, beweist eine Fackel, die in Flammen aufgeht, zu Boden fällt und dort schnell ausgetreten wird.

Ein gemütlicher Spaziergang sieht anders aus. Immerhin können die Besucher ein wenig die Not von Maria und Josef und ihrer Suche nach einer Bleibe in Bethlehem nachvollziehen. Den Stall würde man am ehesten im Feld vermuten. Und tatsächlich: Auf einer Wiese hinter der Obermühle ist eine kleine Szene aufgebaut. Bläser vom Musikverein Eintracht stimmen ein Weihnachtslied an. „Die Nacht hat den Tag überholt“, sagt Faller in seiner Begrüßung. Kernbotschaft sei, dass „Gott mit seinem Sohn das Licht in die Welt geschickt hat“.

Waldweihnacht in Bieber

Waldweihnacht in Bieber

Etwas verloren gehe die Tradition von Musizieren, Zusammensitzen und aufs Christkind warten, ist Faller sicher. Die Großfamilie, in der das gelebt worden sei, gebe es nicht mehr. Also wird vor allem gesungen. Dankbar sind die Veranstalter für viele Helfer. „Die Leute sind begeistert, die machen mit“, freut sich Faller. So half der Eigentümer den Platz vorzubereiten. Mit dem Traktor ebnete er das Gras ein. Andere steuerten Lieder und Texte bei. Auch wenn im feuchten Gras die Kälte hochzieht: Singen wärmt. Und bei „Stille Nacht“ kriechen wohlige Schauer über den Rücken. In Bieber jedenfalls kann Weihnachten kommen.

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