Waldzoo im Flammenkorsett

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Das ist alles, was von den Lagerbauten übrig ist. Der Schaden ist immens.

Offenbach - Würde so ein Hund Wert auf einen Namen legen, der seine Qualitäten würdigt, Wurm dürfte jetzt einen neuen verlangen. „Held“ vielleicht oder, mit etwas gebremstem Pathos, wenigstens „Volltreffer“. Von Marcus Reinsch 

Als der junge Labrador-Dogge-Mischling sein Frauchen Susanne Wollensak gestern morgen um kurz nach fünf unsanft weckte, merkte die Betreiberin des Offenbacher Waldzoos, dass auch sie selbst unbedingt mal vor die Tür muss - aus einem noch viel dringenderen Grund als Wurm: Feuer.

Susanne Wollensak wohnt zurzeit quasi im Zoo. Das hat zwar einen traurigen Grund; auch in ihrem eigentlichen Zuhause gab es vor einigen Monaten einen Brand. Aber gestern war die Exil-Lösung Kassenhäuschen ein Glücksfall. Die Zoo-Chefin rief die Feuerwehr um 5.19 Uhr und damit so rechtzeitig, dass die Flammen zwar großen Sachschaden anrichteten, es sind sicher mehrere zehntausend Euro - die Tiere aber unversehrt blieben.

„Als Wurm mich weckte, war es draußen so hell, dass ich mich wunderte, warum die Sonne so früh schon da ist. Aber diese Sonne flackerte seltsamerweise.“ Und das tat sie auch am Mittag noch.

Bilder vom Feuer und den Löscharbeiten

Brand im Waldzoo

Dichte Rauchschwaden standen über dem Wald; Feuerwehrleute und ein Radlader des Technischen Hilfswerks zerrten immer wieder aufflammendes Stroh auseinander, wo in der Nacht noch Lagerbauten und Überdachungen für Tierfutter und eine Garage mit einem Traktor, einer Holzkutsche, Arbeitsgeräten und ein Auto gestanden hatten. Das alles ist jetzt hinüber.

Den Fendt-Traktor, Baujahr ´65, hatte Wollensak gerade erst günstig erstanden. Mit ihm hätten sie und ihre Helfer im Sommer eine Wiese im Hainbachtal abmähen dürfen, um sich unabhängiger zu machen von Futterlieferanten. Diese Chance ist ebenso wie der Strohbestand, rund 60 Kubikmeter, in Flammen aufgegangen. Verbrannt sind außerdem die meisten Schaufeln und Harken, einige Säcke Beton und imprägnierte Holzlatten für den Gehegebau - und schätzungsweise 200 Kubikmeter Brennholz.

Denn gleich hinter dem Zoo beginnt das Gelände des Hessenforstes. Die Hitze beschädigte einen Aufenthaltsraum für Waldarbeiter schwer; ein großer Schuppen nebenan ist nur noch ein Holzkohlegerippe. Aber das erscheint als verschmerzbarer Verlust, wenn man bedenkt, dass auch das Treibstofflager des Forstbetriebs hätte explodieren können. Zum Glück wurde nur dessen Außenhülle in Mitleidenschaft gezogen. In der Zoo-Garage ging während der Löscharbeiten eine 11-Kilo-Propangasflasche hoch, niemand wurde verletzt.

Brandursache noch unklar

Für die 50 Retter und Schadensbegrenzer von Berufsfeuerwehr und ehrenamtlichen Wehren war es kein einfacher Einsatz. Um an genug Wasser zu kommen, musste nicht nur eine Schlauchkette von einem Hydranten an der Waldstraße gelegt werden. Auch der Hainbach wurde gestaut, um der Flammen Herr zu werden. Das Technische Hilfswerk bezog Position auf dem Nasses Dreieck genannten Parkplatz schräg gegenüber der Stadthalle; ein Betreuungszug des ASB verpflegte die Helfer.

Der Brand erregte Aufsehen. Mit Blick auf die dicke Rauchsäule über dem Hainbachtal und wegen der Vollsperrung der Waldstraße bis 9.30 Uhr. Wie um 5 Uhr am Morgen ausgerechnet ein Strohlager mitten im Wald in Brand geraten kann, wissen Polizei und Feuerwehr noch nicht. Sie wollen es aber herausfinden; Brandermittler haben die Arbeit aufgenommen. Denkbar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch alles. Auch die weggeworfene Kippe eines schlaflosen Waldwanderers oder absichtliche Brandstiftung.

Der Waldzoo bleibt geöffnet. Susanne Wollensak bittet darum, den üblichen Eingang zu benutzen, auch wenn der hintere Zaun des Geländes verbrannt ist.

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