Walther Berdux: Von der Ruhrkohle zum Chianti

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Als Kaufmann hat der engagierte Bürger Walther Berdux schon längst vom Tankwagen auf die Flasche gewechselt.

Offenbach - Seinen 75. Geburtstag heute erlebt Walther Berdux als ein Gespaltener. In seiner Vaterstadt Offenbach zählt er zur lokalen Prominenz. Dort pflegt er Freundschaften, dort bestreitet er seinen Lebensunterhalt. Aber das geschieht gewissermaßen unter Protest. Von Lothar R. Braun

Eigentlich möchte er kein Offenbacher mehr sein. Deshalb nennt er als seinen Wohnsitz Glashütten im Taunus, deshalb entflieht er so oft in eine Finca auf Mallorca. Doch er wird diese Stadt nicht los. Sie kettet ihn an sich mit allem, was sein bisheriges Leben füllte. Die Schuld an diesem Liebesentzug des Walther Berdux tragen hauptsächlich die Radfahrer. Ein dicker Ordner hält Vermerke über Zwischenfälle mit Rad-Rambos auf den Bürgersteigen fest. Und auch den Schriftwechsel, der darüber mit dem Rathaus geführt wurde.

Nach mehrfach erlittenen körperlichen Verletzungen und verbalen Schmähungen drängte Berdux im Rathaus auf Gegenmaßnahmen. Allerdings, ohne Verständnis zu finden. Sein resigniertes Fazit: „Es ist nur noch schlimmer geworden auf den Bürgersteigen.“ Und überhaupt, findet er, liege in der Stadtverwaltung zu viel im Argen.

Natürlich stoßen die Klagen des Walther Berdux auch auf Zustimmung in der Bürgerschaft. Weitaus mehr Beifall konnte er jedoch als junger Sportler des Fechtclubs Offenbach sammeln. Als in den 50er Jahren erstmals bei einer Landesmeisterschaft in Frankfurt die elektrische Trefferanzeige bestaunt wurde, errang Berdux den ersten von insgesamt 16 Meistertiteln. Zum Fechten gebracht hatte ihn die mehrfache Deutsche Meisterin Hedwig Hass. Stolz verwahrt Berdux die Silbermedaille von 1938, die sie ihrem jungen Sportkameraden zum Ansporn schenkte.

Bei den Offenbacher Wirtschaftsjunioren gehörte Berdux zu den Gründern. 1978 wählten sie ihn zu ihrem Sprecher. Dass er auch mal Vorsitzender des Frankfurter Roll- und Eissport-Clubs war, ist Tochter Birgit zuzuschreiben. Sie galt dort als vielversprechendes Talent. In zweiter Ehe ist Walther Berdux seit 1990 mit der vom Volks- oder vom Fritz-Rémond-Theater bekannten Schauspielerin Ilona Wiedem verheiratet.

Wer dazu alt genug ist, der verbindet den Namen Berdux auch mit dem Offenbacher Karneval. Bis 1977 gab Vater Walther Berdux dort als „Walther von der Kohlenhalde“ den Hofmarschall, der im eleganten Frack eine eindrucksvolle Figur machte. Als junger Ruderer hatte er für den Ruderverein Hellas auf Platz zwei des Achters die Gewässer gepflügt.

1928 gründete er eine Kohlenhandlung, der in den mageren Nachkriegsjahren die Organisation der gesamten Brennstoffversorgung in Offenbach anvertraut war. Dem Sohn oblag später die Umstellung vom Kohlen- auf den Mineralölhandel. Dieser florierte, bis der Junior 1998 vom Tankwagen auf die Flasche wechselte. Er wurde Weinhändler mit Schwerpunkt auf italienischen Sorten.

Die Herkunft seiner Familie findet Walther Berdux in einer Hugenottensippe, die sich in Oberhessen niedergelassen hatte. Aber schon um 1790 zog es einen Berdux südwärts; er wählte Weiskirchen im Kreis Offenbach. Das ist Offenbach nur wenig näher als der neue Wohnsitz Glashütten.

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