Zeitung an grauen Wänden

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Die Initiatoren der Wandzeitung, Lutz Jahnke und Lea Meder, nehmen Fotografin Julia Jendrossek in die Mitte. Ab Freitag sollen an der grauen Wand an der Ludwigstraße bunte Zeitungsseiten hängen.

Offenbach - Es soll keine Zeitung für den Frühstückstisch oder für das gemütliche Sofa sein. Sie soll nur neun Seiten haben, dafür alle in Übergröße: die Offenbacher Wandzeitung. Von Daniel Schmitt

„Wir wollen eine Zeitung machen, die sich im Vorbeigehen schnell lesen lässt“, kündigt die 17-jährige Schülerin Lea Meder an, die als Initiatorin hinter dem Projekt steht. Wie der Name schon verrät, wird die Zeitung an einer Wand zu sehen sein. Am kommenden Freitag, 26. Oktober, zwischen 18 und 20 Uhr, hängen Meder und ihre Kollegen an der Ludwigstraße 131, am Treppenaufgang der Evangelischen Johannisgemeinde, ihr erstes Werk aus. „Wir wollen Kultur sichtbar machen und mit den Menschen auf der Straße kommunizieren“, erklärt Meder ihr Ziel.

Woche für Woche soll an verschiedenen Orten in Offenbach eine neue Wandzeitung präsentiert werden. So wurde schon über einen Aushang an einer Wand des Klingspormuseums nachgedacht. „Am Ende ist die Offenbacher Innenstadt unser Ziel“, sagt Lutz Jahnke, der mit der von ihm gegründeten Akademie für interdisziplinäre Prozesse (AFIP) an der Ludwigstraße das Projekt unterstützt. Die AFIP sieht sich selbst als „Ort des Austausches“, so Jahnke, an dem Kunst und Kultur für die Gesellschaft dargestellt werde.

Was sich nach einer langen Planung anhört, ist es ganz und gar nicht: Erst am vergangenen Donnerstag kam den beiden Initiatoren die Idee, umgesetzt haben sie die Wandzeitung sofort. Mögliche Inhalte erarbeitet, Termine erledigt, Texte geschrieben. „Wir haben uns sofort für die Idee begeistert“, meint Meder, die die Albert-Schweitzer-Schule besucht, im Moment aber Herbstferien hat. Doch auch während der Schulzeit will sie ihre Freizeit für neue Wandzeitungen opfern. „Mal sehen, wie das zeitlich alles klappt“, gibt sie ehrlich zu. Gerade im Zeitalter von Internet und sozialen Medien wie Facebook sei es ihr jedoch ein großes Anliegen, das Projekt auch in Zukunft fortzuführen.

Kulturelle und theologische Themen

Meder und Jahnke verfolgen mit der Wandzeitung eine klare Linie: Veröffentlicht werden sollen kulturelle und theologische Themen sowie Meinungsbeiträge. In der ersten Ausgabe geht es um drei zentrale Fragen: Was ist überhaupt eine Wandzeitung? Wie definiert sich das Projekt selbst? Und was erwarten die Offenbacher von einer Wandzeitung? Gerade bei der letzten Frage hofft Meder auf eine rege Beteiligung des Publikums. „Wir wollen uns mit den Menschen auf der Straße unterhalten und mit den Offenbachern in Kontakt kommen“, erklärt sie. Und aus diesen Gesprächen neue Themen ziehen. So soll bei der Eröffnung am Freitag ein Buch ausliegen, in das die Anwesenden mögliche Ideen und Ansätze für Themen eintragen können.

Zudem sind ein Grußwort sowie eine Diskussion mit dem Publikum angedacht. „Wir haben nur einen groben Plan, weil wir sehen wollen, wie sich der Abend entwickelt“, schildert Jahnke. Zumal den meisten Menschen die Idee einer Wandzeitung ziemlich fremd vorkommen dürfte. Immerhin ist die Informationsverbreitung über Aushänge an einer Wand heute höchstens noch in Firmen, Schulen oder an Universitäten bekannt. Dort wird eine Wandzeitung aber eher als „Schwarzes Brett“ bezeichnet, an dem meist anstehende Termine angekündigt werden.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet

In der Vergangenheit hatten Wandzeitungen dagegen eine größere Bedeutung. So dienten sie früher vornehmlich zur Verbreitung politischer Parolen, im Dritten Reich als Propagandamittel oder im asiatischen Raum, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Meder und ihre Kollegen vom AFIP-Team wollen politische Themen jedoch kaum beachten. „Das ist ein viel zu schwieriges Feld“, begründet die 17-Jährige. „Wir betrachten leichtere Themen aus einem anderen Blickwinkel.“ Und in einem anderen Format. Zum schnellen Lesen im Vorbeigehen.

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