Ein warmes Plätzchen muss jede Stadt bereithalten

Offenbach ‐ Wer dieser Tage vom Spaziergang zurückkommt oder auch nur die Mülltonne rausgestellt hat, freut sich auf die warme Wohnung. Die Obdachlosen in der Region haben kein behagliches Zuhause. Einige lehnen Hilfe kategorisch ab und „machen Platte“. Andere dagegen suchen in der eisigen Kälte ein warmes Plätzchen. Von Ralf Enders

Für die sind die Städte und Gemeinden gesetzlich verpflichtet, eine Unterkunft bereitzuhalten - weil Obdachlosigkeit laut Gesetz als „Ordnungswidrigkeit“ gilt. Meist handelt es sich um Männer.

Prinzipiell müssen die Verantwortlichen unterscheiden zwischen denen, die etwa durch Scheidung oder Arbeitslosigkeit auf der Straße zu landen drohen und denen, die quasi traditionell auf der Straße leben. Erstere versuchen die Sozialämter in günstigen städtischen Wohnungen oder Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände unterzubringen und ihnen Hilfe beim Sesshaftwerden anzubieten. Nicht selten müssen auch kurzfristig Hotelzimmer gemietet werden. Aber auch für die Gruppe, die prinzipiell auf Wanderschaft bleiben will und nur für ein paar Nächte Unterschlupf sucht, müssen Betten da sein. Diese Nichtsesshaften sind vorwiegend in Frankfurt, Offenbach oder Darmstadt anzutreffen, seltener in kleineren Städten.

In Offenbach verweist Sozialamtsleiter Hans-Günter Neidel auf die 13 sogenannten Kurzübernachter-Plätze in der gerade erst bezogenen neuen Unterkunft in der Gerberstraße, die „zu 60 bis 80 Prozent“ belegt seien.

Auch Mainhausen muss Notunterkunft bereithalten

Eine mittelgroße Stadt wie Langen hat es dagegen kaum mit „durchreisenden“ Obdachlosen zu tun. Die 25 Plätze im alten Gefängnis an der Sehretstraße sind Stadtsprecherin Sabine Dexheimer zufolge fast ausschließlich mit Männern belegt, die durch Trennungen, Mietschulden oder Zwangsräumungen in Not geraten sind. Sozialarbeiter Thilo Dechert-Vack kümmert sich um die Bewohner, hilft beim Hartz IV-Antrag oder macht Termine mit Schuldnerberatern.

Lesen Sie außerdem:

Streusalzlage noch im Griff

Auch eine kleine Gemeinde wie Mainhausen mit ihren 9100 Einwohnern muss eine Notunterkunft für Obdachlose bereithalten. Bürgermeisterin Ruth Disser (SPD) zufolge steht das entsprechende gemeindeeigene Gebäude derzeit leer, bis Oktober waren dort noch drei Männer untergebracht. Das Haus sei „dringend sanierungsbedürftig“. „Die finanzielle Situation vieler Bürger hat sich verändert“, sagt Disser und verweist auf die steigende Zahl von Zwangsräumungen. Die Kosten für Mainhausen lassen sich nicht exakt beziffern. 600 Euro etwa könnte man an Miete für das Obdachlosengebäude erhalten - würde es vermietet. Zudem musste zu Zeiten, in denen es noch bewohnt war, immer mal wieder ein Reinigungstrupp hingeschickt werden. „Das war menschlich nicht mehr tragbar“, sagt Disser.

Einige wollen im Freien schlafen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in Bielefeld schätzt, dass es bundesweit etwa 230.000 Wohnungslose gibt. Die meisten, nämlich 200.000, leben im Westen. Das liegt daran, dass es im Osten einen deutlich höheren Wohnungsleerstand gibt. Die Kommunen können somit leichter billigen Wohnraum bereitstellen.

Mindestens neun obdachlose Männer sind in diesem Winter in Deutschland bereits erfroren. In Frankfurt, so schätzen Experten, schlafen etwa 40 der rund 1800 Obdachlosen aus freien Stücken trotz klirrender Kälte im Freien. Sie werden vom „Kältebus“ an den bekannten Plätzen aufgesucht und mit warmen Getränken, Schlafsäcken und Isomatten versorgt. Nur wenn einer offensichtlich psychisch erkrankt ist oder durch Trunkenheit nicht mehr Herr seiner Sinne - wenn er also etwa halbnackt im Schnee umherläuft - kommt es zu einer Zwangseinweisung in eine warme Unterkunft.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare