Warnstreik der IG Metall

Solidarisch durch die Stadt

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Mitarbeiter des Offenbacher Unternehmens manroland demonstrieren für eine attraktivere Altersteilzeit. Viele Metaller sind der Meinung, dass sie nicht bis 67 Jahre arbeiten können und fordern eine bessere Möglichkeit, um früher in Rente zu gehen. Bisher legten die Arbeitgeber die Richtlinien für die Altersteilzeit fest.

Offenbach - „Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen, vorwärts und nie vergessen: die Solidarität!“ So lautet der Refrain von Bertolt Brechts Solidaritätslied. Von Steffen Müller

Solidarisch zeigen sich neun hessische Betriebe beim Warnstreik der IG Metall gestern in der Offenbacher Innenstadt. Vor der heute beginnenden dritten Verhandlungsrunde der Metall- und Elektroindustrie für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland mit dem Arbeitgeberverband rief die Gewerkschaft gestern zu einem Warnstreik in Offenbach auf, um ihren Forderungen nach 5,5 Prozent mehr Gehalt, einer besseren Alters- und Bildungsteilzeit Nachdruck zu verleihen. Rund 1200 Metaller aus Offenbach und Frankfurt folgten dem Aufruf und übernahmen für drei Stunden die Kontrolle über die Innenstadt.

Dass Brecht mit seinen Ansichten den Streikenden aus der Seele spricht, wurde von den Veranstaltern bei der Planung berücksichtigt. Das Duo Manfred Pohlmann und Dirko Juchem gaben nicht nur das Solidaritätslied zum besten, sondern sangen auch eine abgewandelte Version von der Moritat von Mackie Messer aus Brechts Dreigroschenoper. Und wie die Dreigroschenoper lässt sich auch der Warnstreik in ein Vorspiel und drei Akte teilen.

Das Vorspiel ist um 9.42 Uhr schon in vollem Gange. Auf dem Willy-Brandt-Platz werden die letzten Vorbereitungen für die mittags stattfindende Kundgebung getroffen, auf dem Platz zwischen Berliner Straße und Schloßstraße treffen die ersten Streikenden von Siemens, manroland oder GKN Driveline ein. Ein extra eingerichteter Busservice bringt die Metallarbeiter zum Treffpunkt. Aus den Lautsprechern klingt von der Band Bots die Textzeile „Jetzt müssen wir streiken, keiner weiß wie lang.“

Im ersten Akt nimmt der Streik Fahrt auf. Der Demonstrationszug setzt sich mit der Samba-Gruppe „Bab ane zame“ an der Spitze um 10.21 Uhr in Bewegung und blockiert die Berliner Straße in Richtung Kaiserstraße. Die Blockade sorgt bei den Autofahrern für gemischte Gefühle. Ein Taxifahrer grinst den Metallern entgegen, auf der Rückbank verschränkt sein Fahrgast genervt die Arme. Auch der öffentliche Verkehrsbetrieb wird beeinträchtigt. Von Kaiserstraße bis zur Kreuzung Mainstraße schleicht ein gut besetzter Bus hinter den Streikenden her. Bis zu 40 Minuten verspäten sich gestern die Busse der OVB, allerdings auch bedingt durch das Verkehrschaos, das der Wasserrohrbruch auf der Hanauer Landstraße in Frankfurt verursacht. Dieses Chaos hat zur Folge, dass die ursprünglich geplante Streikroute durch die Schloßstraße über die Mainstraße bis zur Kaiserstraße abgeändert werden muss und der direkte Weg über die Berliner Straße Richtung Carl-Ulrich-Brücke eingeschlagen wird. „Der Aufwand ist so schon groß genug“, meint ein Polizist und sieht den Vorteil, dass durch die Umleitung weniger Seitenstraßen abgesichert werden müssen. So sind weniger Ordnungshüter als geplant im Einsatz.

Warnstreik der IG Metall

Warnstreik der IG Metall

Kurz hinter der Carl-Ulrich-Brücke beginnt der zweite Akt. Aus Fechenheim gesellen sich Arbeiter von Siemens zu dem Zug, der auf gut 200 Meter Länge anwächst. Mit einer Laola-Welle werden die Mitstreiter von der anderen Mainseite begrüßt. „Ich finde es erwähnenswert, dass so viele Kollegen mit Migrationshintergrund gekommen sind“, bekräftigt ein Streikender das Solidaritätsgefühl unter allen Metallern. Und ein Siemensmitarbeiter ergänzt: „Nur gemeinsam können wir bei den Verhandlungen erfolgreich sein.“

Durch die Geleitsstraße, vorbei an der Ausfahrt des KOMM-Parkhauses, in der sich die Autos meterweit stauen, marschieren die Arbeiter mit Trillerpfeifen, Tröten und Trommeln zurück auf die Berliner Straße und zum Willy-Brandt-Platz. Dort beginnt um 11.30 Uhr mit der Kundgebung der dritte Akt, auf der neben Marita Weber, der ersten Bevollmächtigten von IG Metall Offenbach, und Uwe Zabel von der IG Metall-Bezirksleitung Mitte auch Marcello D’Ambrogio, Betriebsratsvorsitzender von Siemens Fechenheim, und Lars Becker, Jugend- und Auszubildenden-Vertreter bei der GKN Driveline, auftreten und zur Geschlossenheit aufrufen. Solidarität zeigen sich auch die DGB-Regionsvorsitzende Ulrike Eifler und Emma Gros von ver.di, die von einer „Familie der Gewerkschaftsbünde“ spricht und keine Zweifel an den Worten von Weber lässt: „Wir können noch eine Schippe drauflegen, wenn das Angebot nicht ausreicht.“

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