Warnstreik

Zwei Prozent sind eingeplant

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Stillstand in der Offenbacher Buszentrale an der Hebestraße: Heute wollen die OVB-Mitarbeiter ihre Arbeit im Kampf um mehr Geld noch einmal ruhen lassen.

Offenbach - In Offenbach strapazierten streikende Busfahrer bereits gestern die Nerven vieler. Auch heute ist im Nahverkehr noch einmal Improvisation gefragt. Eine mögliche Tariferhöhung hätte für die Stadt Folgen.

Seit gestern früh um 4 Uhr warten Fahrgäste nicht nur in Offenbach vergeblich auf Stadtbus-Linien. Die Mitarbeiter der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) sind ebenso wie viele Offenbacher Erzieherinnen dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt und bestreiken ihren Betrieb, um den aktuellen Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern des Öffentlichen Dienstes Nachdruck zu verleihen.

Doch während die städtischen Kitas heute wieder in den Normalbetrieb übergegangen sind, dauert der Streik bei den OVB voraussichtlich noch bis heute Abend an. Ab Donnerstag dürften die Stadtbusse wieder planmäßig durch Offenbach rollen. „Bereits gestern gingen zahlreiche Anrufe bei uns ein, die meisten Fahrgäste sind nicht erfreut über die Einschränkungen im Nahverkehr“, berichtet Stadtwerke-Sprecherin Christine Wüst. Betroffen vom Streik sind vor allem Schüler und Pendler.

Sarah Baumanns hatte Glück: Als die 16-jährige Albert-Schweitzer-Schülerin gestern Morgen vergeblich an der Bushaltestelle wartete, nahm eine vorbeifahrende Dame sie in ihrem Auto mit und brachte sie zur Schule. Verständnis hat Sarah für den Warnstreik nicht: „Wir geben so viel Geld für die Monatskarte aus, da ist der Streik echt ärgerlich.“

Tagesablauf hat sich verschoben

Auch den Schülerinnen Melina Euler, Zülal Öztürk und Sonja Gorup haben die streikenden OVB-Mitarbeiter gestern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie hatten kurzfristig vier Freistunden, ohne Stadtbus aber keine Möglichkeit, nach Hause zu kommen. „Unser ganzer Tagesablauf hat sich verschoben, wir kommen nicht heim und müssen in der Schule warten, bis mein Papa uns später mit dem Auto holt“, erzählt Melina.

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Die städtischen Kitas waren von den gestrigen Streiks ebenfalls betroffen, das große Chaos blieb jedoch aus. „In 14 von 26 Einrichtungen haben wir über die Stadt verteilt Notdienste organisiert und damit etwa 590 Kinder versorgt“, bilanziert Hermann Dorenburg, Leiter des Offenbacher Eigenbetriebs für Kindertagesstätten. Möglich gemacht hatten dies vor allem die 126 Erzieherinnen, die gestern im Dienst waren. Bereits Ende vergangener Woche waren Schreiben an die Eltern herausgegangen, um den Betreuungsbedarf abschätzen zu können. „Verdi geht diesbezüglich glücklicherweise sehr verantwortungsvoll mit allen Beteiligten um“, lobt Dorenburg die gute Kommunikation.

Bilder vom Warnstreik

Bilder vom bundesweiten Warnstreik

Doch welche Folgen hätte die von Verdi geforderte Tariferhöhung für eine klamme Stadt wie die hiesige? Offenbachs Haushalt 2014 (wegen Deckungslücken noch nicht genehmigt und nachzuarbeiten) berücksichtigt bereits eine Tariferhöhung im öffentlichen Dienst. Zwei Prozent sind laut Sprecher Matthias Müller eingeplant, das entspricht einem Plus von 500.000 Euro.

Nicht eingeschlossen sind dabei die Gehälter im Eigenbetrieb Kindertagesstätten, im Job-Center Mainarbeit und in städtischen Betrieben. Die Verdi-Forderungen von 3,5 Prozent plus einem Sockelbetrag von 100 Euro hätten zusätzliche Ausgaben von 1,77 Millionen Euro zur Folge. Um die Vorgaben des Schutzschirms zu erfüllen, so Müller, müsste die Stadt mit „personalwirtschaftlichen Maßnahmen“ reagieren.

Was darunter zu verstehen ist, will er nicht konkretisieren. Der Abbau weiterer Stellen in der bereits ausgedünnten Verwaltung wäre eine Möglichkeit. Der aktuelle Offenbacher Personaletat beläuft sich auf zirka 56 Millionen Euro. Am 31. März gehen die Gewerkschaften in die nächste Tarifverhandlungsrunde. „Wir hoffen, dass es bis dahin ruhig bleibt und es bei möglichen neuen Streiks nicht wieder Hessen und Offenbach trifft“, sagt Stadtwerke-Frau Christine Wüst. J vko/mp/jb/tk

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