Warnung vor „Dach-Haien“

Offenbach - (fp) Die Warnung der Expertin ist eindringlich. „Vor allem Ältere werden derzeit verstärkt Opfer unseriöser Firmen“, sagt Brigitte Götz-Praxl, Obermeisterin der Dachdecker-Innung, und erklärt ihre Einschätzung am Beispiel eines Falles aus Offenbach.

Dabei kann sich Frau S. noch glücklich schätzen, dass ihr Schaden aufgrund des resoluten Auftretens der Obermeisterin und ihres Sohnes auf 3 000 Euro begrenzt werden konnte.

Bester Schutz:

- Keine Auftragsvergabe an der Haustür

- Stets mehrere Angebote einholen 

- Vor Auftragsvergabe Rückfrage bei Handwerkskammer oder der Dachdecker-Innung, Tel: 069 / 98 94 58 32.

Die ältere Frau S. hatte sich von einem Auftragsvermittler mit undefinierbarem Firmensitz zur Erneuerung ihres „schadhaften Daches“ und einer Anzahlung von 3 000 Euro überreden lassen. Letztlich wurden in gerade einmal sechs Stunden eine Dachbahn aufgeschweißt und zwei Kamine eingekleidet - „fehlerhaft“, wie die später zu Hilfe gerufene Obermeisterin Götz-Praxl feststellte. Den Kaminen fehlt ihren Angaben nach darüber hinaus das nach der Feuerstättenverordnung vorgeschriebene Gasrohr. Im Dach fehle außerdem die nach der Wärmeschutzverordnung vorgeschriebene Dämmung. Der Gesetzgeber hat nämlich geregelt, dass bei einer Dachsanierung oder einer umfangreichen Dachreparatur eine Wärmedämmung einzubringen ist, die den spezifischen Anforderungen der Energieeinsparverordnung entspricht. „Das ist eine einzige Pfuscharbeit“, schimpft Götz-Praxl. Sie wurde zu Rate gezogen, als sich die „Dach-Haie“ angekündigt hatten, um die restlichen vertraglich festgelegten 13 000 Euro abzuholen. Den Betrügern empfahl die Obermeisterin, es mit der Anzahlung von 3 000 Euro bewenden zu lassen: „Ich habe klar zu machen versucht, dass sie schon mit dieser Summe überbezahlt sind.“ Ihr Sohn legte dann noch eine Schippe drauf und drohte den windigen Geschäftsleuten ein Gerichtsverfahren mit Sachverständigengutachten an. Daraufhin ließ die Firma von ihrem Opfer ab. „Dach-Haie sind schlecht für den Ruf des Dachdeckergewerbes allgemein, deshalb leisten wir Aufklärungsarbeit“, sagt Ulrike Heuberger, Pressesprecherin des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Zwar gebe es unter den Innungsbetrieben keine solchen Betrüger. Aber viele Bürger würden zwischen eingetragenen und anderen Betrieben nicht unterscheiden. Alarmzeichen für unseriöse Firmen sind laut Dachdeckerverband außerdem: Auswärtige Adresse, fehlende Fahrzeugbeschriftungen, keine Festnetztelefonnummer.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare