Mietermangel

City Tower: Extremer Leerstand bei den Büroflächen - Mehrere Interessenten vorhanden

Hier ist er im Hintergrund zu sehen, und doch überragt er sie alle: Der City Tower an der Berliner Straße.
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Hier ist er im Hintergrund zu sehen, und doch überragt er sie alle: Der City Tower an der Berliner Straße.

Wenn die Wirtschaftsförderung in Offenbach in ihren Jahresbilanzen Erfolge bei der Belegung von Gewerbeimmobilien verkündet, gehört er regelmäßig nicht dazu: der City Tower.

Offenbach - Das mit 140 Metern höchste Gebäude der Stadt, das in seinen oberen Geschossen eine beeindruckende Aussicht etwa auf Frankfurt und den Taunus bietet, verzeichnet seit Jahren schon auch einen der höchsten Leerstände. Nach den jüngsten der Stadt vorliegenden Daten sind von rund 24 500 Quadratmetern Bürofläche fast 20 000 Quadratmeter frei. Bis 2017 sorgten die mittlerweile nach Frankfurt umgezogene Dependance der Unternehmensberatung Capgemini und der Ingenieursdienstleisters Brunel dafür, dass der Offenbacher Tower zumindest zur Hälfte gefüllt war. Derzeit ist der Reifenhersteller Falken Tyre Europe Hauptmieter in dem Hochhaus an der Berliner Straße.

Eigentümer der Immobilie ist seit 2016 die Comer Group Europe mit Sitz in Berlin, Tochter der in Irland gegründeten Comer Group London. Sie hatte das Gebäude seinerzeit von der Leipziger Publity AG erworben. Zum Vermietungsstand äußerten sich die Beteiligten damals ebenso wenig wie – in der Branche üblich – zum Verkaufspreis.

Leerstand im City Tower Offenbach: Hoffen auf den Brexit

Wenn erst einmal der Brexit vollzogen sei, werde es für den City Tower genügend Interessenten geben, lautet seit dieser Zeit das Mantra von Comer, welches die städtische Wirtschaftsförderung regelmäßig übermittelte.

Laut Bozica Niermann, die seit Anfang des Jahres die Wirtschaftsförderung leitet und die Problemimmobilie von ihrem Vorgänger Jürgen Amberger geerbt hat, verfolgt der Eigentümer nach wie vor die Strategie, einen Großmieter zu finden. „Der Brexit ist ja noch nicht so lange her, da ist noch alles in Bewegung“, hofft sie. Von Comer habe sie die Mitteilung bekommen, dass man derzeit mit Mietinteressenten verhandele. Die Aussagen belegen das, was bei Vermietung von privaten Gewerbeimmobilien schon immer gilt: Die Stadt hat begrenzten bis gar keinen Einfluss auf die Entwicklung. Dabei wäre gerade ein gut gefüllter City Tower mit vielen dort Beschäftigten, das betont auch Bozica Niermann, wichtig für die Belebung der Innenstadt.

Ein Sprecher der Comer Group bestätigt unterdessen, es gebe mehrere Mietinteressten für das Objekt. Details dazu könnten möglicherweise im nächsten Monat genannt werden.

Ziel Vollvermietung: City Tower in Offenbach sucht Großmieter

Dass es mit der Vollvermietung des City Towers doch noch etwas werden könnte, darauf deuten Trends in der Branche hin: So werden laut einem Bericht des Nachrichtensenders n-tv britische Unternehmen, die Handel mit dem Festland treiben, offenbar von Handelsberatern der Regierung ermutigt, separate Unternehmen innerhalb der EU zu gründen. Damit ließen sich Gebühren, bürokratischer Aufwand und Steuern vermeiden, die mit dem Brexit verbunden seien, heißt es.

Und eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter rund 1200 Unternehmen im vierten Quartal 2020 hat ergeben, dass trotz Corona-Krise und Homeoffice nur 6,4 % der Befragten in den kommenden zwölf Monaten ihre Bürofläche reduzieren wollen.

Bürofläche im City Tower Offenbach: Unternehemen setzen nur selten auf mehr Homeoffice

Die stärkste Tendenz zum Flächenabbau haben demnach große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sowie Kanzleien, Beratungen und Wirtschaftsprüfer, doch auch hier seien es nur 9,7 %. Allerdings wollten knapp 17 % ihre Büros umbauen, etwa Gruppenbüros auflösen oder Kommunikationsflächen schaffen.

Bei den großen Unternehmen seien es sogar 41 %. Zwei Drittel der Betriebe hätten nicht vor, ihren Beschäftigten nach der Pandemie mehr Homeoffice als vor der Krise zu ermöglichen. Daher rechnet das IW damit, dass der Büromarkt auch in naher Zukunft nicht einbrechen wird. (Matthias Dahmer)

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