Miniaturbahn-Club Stellwerk Offenbach

Warten auf den Silberling

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Die Welt im Maßstab 1:87. Der lokale Miniaturbahn-Club Stellwerk hat für seine Modellanlage den Offenbacher Hauptbahnhof zum Vorbild genommen – und der Flugverkehr ist auch dort inklusive.

Offenbach - Eisenbahntechnik hautnah erleben. Das ermöglichte der Miniaturbahn-Club Stellwerk Offenbach. Er führte seine Modellanlage vor und bot einen kleinen Flohmarkt mit Zubehör. Gelegenheit zum Fachsimpeln gab es auch. Von Harald H. Richter

„Da kommt ein Güterzug“, ruft Brandon aufgeregt und deutet Richtung Tunnel, von wo eine Diesellok mit 24 Waggons herannaht und sich auf den Bahnhof von Kleinreinstein zubewegt. Der siebenjährige Blondschopf aus Mühlheim ist mit Papa Adrian Adjinschi zum Miniaturbahn-Club Stellwerk Offenbach gekommen und bestaunt die Anlage im ehemaligen Kohlenkeller der Güterabfertigung. Daheim hat er auch eine Modelleisenbahn, bestückt mit einem ICE und einem Güterzug. Viel kleiner zwar, aber: Für die dritte Lok wird eifrig gespart.

Am Geldwert gar nicht zu messen ist die Clubanlage, die auch deshalb einem interessierten Publikum zugänglich ist, um den einen oder anderen Besucher für ein Mitmachen in der Freizeiteinrichtung der Stiftung Bahn-Sozialwerk (BSW) zu begeistern. Dem 50 Mitglieder zählenden Club mangelt es im inzwischen 56. Jahr seines Bestehens, wie manch anderem Verein auch, an Nachwuchs. Folglich sind solche Tage der offenen Tür für Gruppenleiter Martin Bläß und die übrigen Aktiven willkommene Gelegenheiten, ihr nach wie vor Alt und Jung faszinierendes Hobby der Bevölkerung nahezubringen.

Riesenzug aus Österreich

Wer sich ein wenig umhört, findet bestätigt, dass die meisten Besucher entweder selbst eine Anlage zu Hause stehen oder zumindest in Kindertagen eine Modelleisenbahn besessen haben. Freilich nicht in den Ausmaßen, wie sie der MiBa-Club vorweist: 260 Meter Gleislänge, davon 110 Meter sichtbar, zirka 100 Weichen, etwa 45 Zuggarnituren, 15 davon sichtbar und 35 im Schattenbahnhof – das alles computergesteuert in Digitaltechnik betrieben.

Der Bahnhof Kleinreinstein, in Aussehen und Größe angelehnt an Offenbachs Hauptbahnhof, bildet den Kern auf der großstädtischen Seite der U-förmig errichteten Anlage. Ankünfte und Abfahrten auf sieben Gleisen – vom ICE bis zur Regionalbahn – sorgen für Staunen besonders bei den Kindern. Alles ist mit Liebe zum Detail gestaltet. Sogar die im Ortsbild auszumachenden Fahrräder sind vorschriftsmäßig mit Beleuchtung versehen.

Gerade hat der ellenlange Güterzug den Bahnhof verlassen, da fährt ein Reisezug aus Österreich ein. An einem anderen Gleis macht die S-Bahn Halt. „Das ist die S 1, die fährt weiter bis nach Ober-Roden“, ist der kleine Jan überzeugt. Der vierjährige Steppke kennt sich aus. Auf einem Stuhl stehend beobachtet er das Geschehen. „Da kommt der Silberling-Zug“, freut er sich auf die Vorbeifahrt jenes Klassikers des Personennahverkehrs, der überall in Deutschland unterwegs war, als sein Vater noch ein kleiner Junge war.

100 Häuser, 800 Bäume, 179 Kraftfahrzeuge

Gut 100 Häuser und sonstige Gebäude verleihen der Anlage sowohl großstädtisches Aussehen als auch ländliches Kolorit. 800 Bäume gehören ebenso wie 179 Kraftfahrzeuge zuzüglich diverser Busse, Motor- und Fahrräder sowie 1234 winziger Figuren zur urbanen Ausgestaltung. Ratternd bewegt sich eine Straßenbahn durchs Zentrum, unterwegs an zwei Haltestellen stoppend, um Fahrgäste aufzunehmen. Am Straßenrand signalisiert das Blaulicht eines Streifenwagens: Halt, Verkehrskontrolle!

Auf der gegenüberliegenden Seite der modulartig aufgebauten Anlage der Baugröße H0 geht’s eher beschaulich zu. Auf einem Platz unweit des Bahnhofs von St. Martin locken blinkende Lichter zur Dorfkirmes, wo sich ein Karussell im Kreise dreht und winzige Autoscooter-Modelle umherkurven. Es sind fleißige Bauern bei der Feldarbeit zu beobachten, Wanderer durchqueren die Natur, an einer Steilwand kraxeln mehrere Bergsteiger. Oberhalb der Feldbahn pilgern Ausflügler auf den Berggipfel, um im Hotel zum Schrotturm Einkehr zu halten. Im Mittelteil der Anlage sind freie Flächen, aber nicht mehr lange. „Es gibt immer etwas zu verändern oder zu erweitern“, erklärt Technikleiter Matthias Rein. So entsteht unterhalb der Brauerei demnächst ein neues Betriebswerk.

Keine konkrete Landschaft

Die Landschaft entspricht keinem konkreten Vorbild. Trotzdem sind Parallelen zur Wirklichkeit auszumachen. Wie eben der Bahnhof Kleinreinstein, wobei ihm – anders als in Offenbach – die Anbindung an eine Nebenbahn fehlt. Dafür ist manchem der sogenannte Bananen-Express noch ein Begriff, der zwischen Offenbach und Dietzenbach verkehrte. Er dreht nun zur Freude der Besucher ebenso en miniature seine Runden wie der Rodgau-Express, von einer V100-Diesellokomotive gezogen und sogar in zwei Zuggarnituren unterwegs – eine aus den 1970er Jahren, eine zweite aus der Folgegeneration.

Mehr Bahn und Technik gibt es stets an jedem zweiten Mittwoch im Monat ab 20 Uhr beim Stammtisch im Clubcasino an der Unteren Grenzstraße 12, wo Interessenten sich mit Gleichgesinnten zum Thema austauschen.

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