Warteschlange beim Messen

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Krankenschwester Conny Ritter und Gertrud Müller aus der Medizinischen Klinik I des Klinikums Offenbach demonstrierten Apparaturen aus dem Labor, hier einen Ballonkatheder.

Offenbach ‐ Täglich erleiden etwa 745 Menschen in Deutschland laut Augsburger Herzinfarktregister einen Herzinfarkt. Eine Zahl, die Angst macht. Von Veronika Szeherova

Wie wichtig eine schnelle Behandlung ist, wie der Herzinfarkt zu erkennen ist und welche Therapiemöglichkeiten es bei Herzschwäche gibt, darüber informierten am Samstag im Rathaus mehr als 20 Spezialisten aus Stadt und Kreis Offenbach.

Der Patienteninfotag, der seit 2004 von der Deutschen Herzstiftung angeboten wird, stieß wieder auf großes Interesse bei der Bevölkerung. Die Vorträge füllten den Stadtverordnetensitzungssaal nahezu bis auf den letzten Platz.

Das Publikum bestand zumeist aus älteren Menschen, die schon eigene Erfahrungen mit Herzschwäche gemacht haben. Sie nahmen das Angebot, sich intensiv aus erster Hand beraten zu lassen, dankbar an.

Der Veranstaltungsleiter Professor Dr. Harald Klepzig, Chefarzt der Herzklinik am Klinikum Offenbach und wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Herzstiftung, weiß um die Vorzüge eines solchen Infotags: „Patienten, die gut aufgeklärt und informiert sind, fühlen sich bei der Behandlung sicherer, nehmen diese besser an. Dadurch wird letztlich auch uns Ärzten die Arbeit erleichtert.“

Neben fünf Fachvorträgen, von allgemeinen Informationen bis hin zu konkreten Behandlungsmethoden, gab es in einem weiteren Raum die Möglichkeit, sich bei den Ärztinnen und Ärzten persönlich zum Thema Herz und Kreislauf beraten zu lassen. Publikumsmagnet war die Blutdruck- und Blutsauerstoffmessung, es bildete sich gar eine Warteschlange.

Viele nahmen die Gelegenheit wahr, echte Apparaturen aus dem Herzkatheterlabor anzuschauen und in die Hand zu nehmen oder sich Schrittmacher, Ballons und Stents genau erklären zu lassen.

Bei starken Brustschmerzen sofort Notarzt rufen

Immer wieder hervorgehoben wurde bei den Vorträgen die Notwendigkeit schnellen Handelns. „Je später der Herzinfarkt erkannt wird, umso schwieriger wird auch die Behandlung“, erklärte Dr. Ernst Girth, Kardiologe am Klinikum. Doch viele Menschen würden trotz typischer Symptome wie Enge- und Schweregefühl in der Brust zögern, einen Notarzt zu rufen. „Grundsätzlich gilt“, so Dr. Girth, „lieber einmal zu oft den Notarzt rufen, als es beim einen entscheidenden Mal nicht zu tun.“ Er empfahl, aufs eigene Gefühl zu hören: „Wenn Sie die Schmerzen wirklich als bedrohlich, drückend und Angst machend empfinden, zögern Sie nicht. Und sagen Sie am Telefon, dass Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht. Dann wird der Notarztwagen besonders schnell unterwegs sein.“ Zu viel wertvolle Zeit dürfe nicht verstreichen. „50 Prozent der Patienten mit akutem Herzinfarkt versterben, ohne die Klinik erreicht zu haben, durch Herzstillstand bei Kammerflimmern“, warnte Dr. Girth.

Professor Klepzig erklärte „Ursachen und Symptome der Herzschwäche“ und zeigte dabei Aufnahmen eines gesunden und eines geschwächten Herzens. Der gewaltige Unterschied in der Pumpkraft des Hochleistungsmuskels (Leistung täglich zwischen 7500 und 20 000 Liter Blut) war selbst von Laien sofort zu erkennen.

Müde Beine können ein Zeichen für Herzschwäche sein

Wenn der Blut- und somit der Nährstofftransport vermindert ist, macht sich das durch allgemeine Kraftlosigkeit, Abgeschlagenheit und müde Beine bemerkbar“, erklärte der Chefarzt. „Wenn es zu einem Rückstau vor dem Herzen kommt, kann sich das durch Luftnot und Husten bemerkbar machen, durch nächtliches Erwachen mit Atemnot, Appetitlosigkeit sowie Wassereinlagerung in den Beinen.“

Daraus resultiere eine rasche Gewichtszunahme. „Wenn Sie in drei Tagen zwei Kilogramm zunehmen, ist das ein eindeutiger Warnhinweis. So schnell und so viel kann man auch durch sehr viel Essen nicht zunehmen, es handelt sich also eindeutig um Wassereinlagerungen“, so Professor Klepzig weiter. Die Faustregel für gesunde Menschen, jeden Tag möglichst viel zu trinken, gelte bei Menschen mit Herzinsuffizienz nicht mehr. „Sie sollten täglich nur etwa 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, um ihr Herz nicht noch zusätzlich zu belasten.“ Die Besucher nutzten nach jedem Vortrag die Möglichkeit, Fragen zu stellen. So war es ein erfolgreicher Infotag sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte.

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