Durchstarten wegen Wildsau

Warum Flugzeuge den Landeanflug auf Frankfurt abbrechen

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Kurz vorm Landen nochmal durchgestartet: Flug CCA 431 der Air China (links auf der gelben Spur) dreht am Dienstagmorgen nach Norden ab, um eine zusätzliche Runde zu fliegen. Kein ungewöhnliches Manöver, wie die Flugsicherung beruhigt.

Offenbach - Wenn Flugzeuge ihren Landeanflug auf Frankfurt abbrechen und noch einmal durchstarten, um Runden über der Region zu drehen, kann das potenziell gefährliche Ursachen haben. Muss es aber nicht, wie die Flugsicherung betont. Von Matthias Dahmer

Und: Dies kommt öfter vor, als der lärmgeplagte Bürger annimmt. Frank Weber ist einer der Initiatoren der Offenbacher Petition „Laut gegen Fluglärm“ und deshalb mitunter ein aufmerksamer Beobachter dessen, was sich am Himmel über Offenbach abspielt.

Unterstützt von INAA (Inspect Noise Assess Announce), einem Internet-Service des Umwelthauses in Kelsterbach, der den Flugverkehr am Frankfurter Flughafen visuell darstellt, hat er am vergangenen Dienstag Folgendes beobachtet: Gegen 8.18 Uhr ist ein Airbus A 330-300 der Air China (Flug: CCA 431), der von Chengdu nach Frankfurt unterwegs war, über Offenbach durchgestartet. Das bedeutet, der Landeanflug wurde abgebrochen.

Möglicherweise eine Gefahrensituation ? Bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen stuft man die Beobachtung des Offenbachers als „kein besonderes Vorkommnis“ ein. Der Flugsicherung liege keine Meldung über ein außergewöhnliches Ereignis vor, sagt DFS-Sprecherin Ute Otterbein. Das habe die Rücksprache mit den Kollegen vom Sicherheitsmanagement ergeben. Der Flieger aus China sei um 8.32 Uhr in Frankfurt gelandet. Er habe westlich von Offenbach den Landeanflug abgebrochen und sei nochmals eine Schleife über Frankfurt geflogen, bis ihn der Lotse wieder in den Endanflug geführt habe.

„Für einen solchen Abbruch des Landevorgangs gibt es sehr viele mögliche Gründe“, kommt Ute Otterbein zum Grundsätzlichen. Das könne zum Beispiel eine technische Indikation sein, wie ein noch nicht ausgefahrenes Fahrwerk oder eine unklare Anzeige im Cockpit. Es könne aber auch sein, dass die Piste nicht frei sei, weil sich Fahrzeuge oder andere Flugzeuge auf der Bahn befänden. „Mitunter kommt es sogar vor, dass ein Wildschwein auf der Piste die Ursache ist“, erklärt die DFS-Sprecherin.

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Schließlich gebe es einige ganz banale Erklärungen. Zum Beispiel noch nicht abgeschlossene Getränkeausgabe, einen Fluggast, der sich noch auf der Toilette befinde, oder Sitze, die noch nicht alle hochgeklappt seien. Der Pilot des jeweiligen Flugzeugs melde mittels Sprechfunk, dass er einen sogenannten „Go around“ fliegen werde. Der Fluglotse führe ihn danach erneut zum Endanflug.

Ute Otterbein: „Es gibt keine Verpflichtung des Piloten, den Grund für sein Durchstarten anzugeben. Und wir können auch nicht feststellen, was der Pilot gesagt hat.“ Das könne die DFS nur im Zuge einer „Untersuchung besonderer Vorkommnisse“. Das liege aber nicht vor, wenn keine Sicherheitsregeln verletzt würden. Ein Durchstarten, sagt die Sprecherin, komme in Frankfurt statistisch gesehen 1,8 Mal täglich vor. Die Sicherheit des Flugverkehrs habe dabei oberste Priorität. Wenn der Pilot sich beim ersten Landeanflug nicht sicher sei oder eine unklare Situation herrsche, werde eben noch eine Runde geflogen.

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