Warum der Schinke das alles macht

+
20 Geschichten für Kinder hat der Bürgeler Hans Schinke in seinem Buch „Anne wird verzaubert“ festgehalten.

Bürgel ‐ Nicht, dass Hans Schinke echte Angst vor Polstern hätte. Doch während andere am Ende ihres Berufslebens den Ausgleich für alle Mühen auf dem Sofa suchen, ist für den pensionierten Bürgeler schon die Vorstellung vom Nichtstun ein Graus. Von Barbara Hoven

„Ich bin ein Arbeitstier und will mit meinem Leben etwas Sinnvolles anfangen“, sagt er, und ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht, als er hinzufügt: „Niemals könnte ich ein Kissen ins Fenster legen und den ganzen Tag rausgucken.“ Was er alles tut, lässt sich nicht auf einer Zeitungsseite unterbringen. Die ehrenamtliche Arbeit. Die beiden Bücher, die er geschrieben hat. Der Unterricht am Computer, den er einer älteren Dame gibt.

Für einige Monate hat er den Wahlkampf des jetzigen Oberbürgermeisters Horst Schneider organisiert, zeitweilig war er Aufsichtsratsmitglied der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Denn „nichts zu tun, dass wäre die größte Strafe für mich.“

Grandke schickte Schinke zum Freiwilligenzentrum

Der wollte er unbedingt entgehen, als 2003 die sogenannte passive Phase seiner Altersteilzeit begann. Mehr als zwei Jahrzehnte hatte er da zuletzt als Leiter der Personalplanung bei den Stadtwerken Mainz hinter sich, knapp 17 Jahre davon war er als Personalprokurist direkt dem Vorstand unterstellt gewesen. Als Schinke dann im Sommer 2003 mit gerade einmal 57 Jahren „so im Garten werkelte und überlegte, wie es weiter gehen soll“, kam über den guten Kontakt zum damaligen OB Gerhard Grandke eine Lösung daher.

Grandke schickte Schinke zum Freiwilligenzentrum. Bald darauf lernte er den Offenbacher Verein „ProFund – Profis für Non Profit“ kennen, unter dessen Dach sich ehemalige Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung engagieren. Als ehrenamtliche Unternehmensberater unterstützen sie Vereine und Organisationen, die kein kommerzielles Interesse haben. Sie helfen vor allem in Sachen Rechnungswesen, Organisation, Marketing und beraten bei Personalfragen.

Das passte, und Schinke stürzte sich in die Arbeit. Als erstes Projekt half er der Hausaufgabenhilfe Lauterborn auf die Beine. Weil dort schnell Geld gebraucht wurde, gestaltete er sein erstes Flugblatt, lernte neue Wege der Werbung kennen. Und seine Passion für „Pro Fund“, die seither nicht mehr nachgelassen hat. Seit Januar 2009 leitet er den Verein, dessen Konzept mehrfach ausgezeichnet wurde.

Vorfreude auf die Grundstein-Legung

Am liebsten erzählt Schinke von seinem „größten und spannendsten Projekt“ für den Frankfurter Verein „Lebens- und Sterbepraxis“. Seit Jahren begleitet er dessen Ansinnen, ein stationäres Hospiz im Rhein-Main-Gebiet zu errichten. Der Bürgeler erstellte Gesprächsleitfäden für Bewerbungsgespräche und einen Geschäftsplan, half bei der Öffentlichkeitsarbeit. Derzeit unterstützt er bei der Standortsuche, nachdem ein erster Anlauf in Bad Soden scheiterte. Sein Antrieb sei die Vorfreude auf den Tag, an dem der Grundstein gelegt wird und er sagen könne „Hans, Du warst dabei“.

Fachleute sind dem Verein „ProFund“, der im Oktober sein zehnjähriges Bestehen feiert, stets willkommen. Infos unter Tel. 069 80106500 oder auf der Internetseite von Profund.

Überhaupt hört der 64-jährige diplomierte Soziologe oft die Frage, „warum der Schinke das alles macht“. Stets antwortet er dann, dass es ihm wichtig ist, neue Menschen, vor allem aus dem sozialen Bereich, zu treffen. Außerdem wolle er mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen sozialen Mehrwert generieren. Das verschaffe ihm Selbstbestätigung, Befriedigung und persönliche Anerkennung, die in Geld nicht aufzuwiegen sei. „Mein Engagement bei ProFund ist das beste und kostenlose Anti-Aging-Programm, das ich mir vorstellen kann.“ Und doch nicht das einzige, denn Schinke ist regelmäßig auf dem Rennrad unterwegs, um nach einer lange zurückliegenden Herzklappenoperation körperlich fit zu bleiben.

Töchter Anne und Ellen haben geholfen

Für die geistige Fitness sorgen neben den Ehrenämtern und den geliebten Reisen nach Frankreich auch schriftstellerische Ambitionen. „Mutter, lebe wohl. Ein Sohn nimmt Abschied“ hieß das erste Werk, das er als „etwas spröde und analytisch, so wie ich selber bin“, umschreibt. Es lese sich nicht für jeden, sei für ihn aber sehr wichtig gewesen, um die teils problematische Beziehung zu den Eltern zu verarbeiten.

Seit wenigen Wochen ist das zweite Buch „Anne wird verzaubert“ (http://www.epubli.de, 11,73 Euro) fertig, ein Kinderbuch mit 20 Geschichten zum Vorlesen und Ausmalen. Und ein Gemeinschaftswerk der Familie Schinke, denn die erwachsenen Töchter Anne und Ellen haben geholfen.

Kommentare