Heißluft treibt Temperaturen hoch

Warum der Sommer nerven kann

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Andrang am Ostseestrand in Rostock-Warnemünde: Den Sommer findet eigentlich jeder gut - oder vielleicht doch nicht?

Offenbach - Die Woche wird schweißtreibend. Schon wieder Sahara-Luft. Und schon wieder klettern die Temperaturen Richtung 40 Grad. Unterbrochen wird die Hitze nur kurz - Gewitter drohen ab heute. Und die Schattenseiten der Hitze werden immer spürbarer.

Der Sommer dreht wieder auf. Bis zum Freitag klettern die Temperaturen in Deutschland auf bis zu 38 Grad. Der Rekord von 40,3 Grad, gemessen am 5. Juli im bayerischen Kitzingen, werde aber wohl nicht erreicht, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst. Zwischen Hoch „Finchen“, das gestern über Osteuropa lag, und Tief „Bonimir“ westlich von Irland dringt heiße Luft aus der Sahara wieder weit nach Norden vor. Schon gestern stiegen die Temperaturen fast überall auf 30 Grad oder darüber. An Nord- und Ostsee freuten sich Urlauber und Tourismusbetriebe über blauen Himmel und viel Sonnenschein. Nach dem schlechten Wetter der vergangenen Woche waren die Strände wieder gut besucht. „Angenehm voll“ sei es am Strand des Sylter Nobelortes Kampen, sagte Strandchef Greg Baber. Auch im Ostseebad Lübeck-Travemünde herrschte Hochbetrieb. „Die Menschen strömen ans Wasser“, sagte der Leiter des Travemünder Kurbetriebs, Uwe Kirchhoff.

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Eine kurze Unterbrechung gibt es heute, wenn von Westen her Ausläufer von „Bonimir“ dem Norden und Westen Schauer bringen, die sich lokal zu Gewittergüssen auswachsen können. Damit sei nördlich der Linie zwischen Ruhrgebiet und Berlin zu rechnen, sagte Meteorologe Kirchhübel. Vorübergehend werde es in den betroffenen Gebieten unter 30 Grad warm werden, im Osten aber bis 36 Grad. In der Nacht zum Mittwoch ziehen die Gewitter nach Osten ab. Tagsüber ist es überall sommerlich, im Südwesten heiß bei 32 Grad. Nur an den Küsten bleibt es bei etwa 20 Grad deutlich frischer. Am Donnerstag zeigt das Thermometer regional wieder Werte über 30 Grad, und am Freitag erwarten die Meteorologen den Höhepunkt der aktuellen Hitze. Eigentlich freuen wir uns über die warmen Tage. Ganz ohne Nörgeln geht es aber nicht. Den Deutschen wird ja gerne nachgesagt, dass sie immer gegen das Wetter wettern. Gründe zum Meckern und Jammern gibt es tatsächlich genug. Eine Auswahl:

UNWETTER: Mal ist es warm, mal schwül, dann kommt ein Sturmtief oder Gewitter mit Blitz und Donner. Der Sommer ist wirr. Schon einige Großveranstaltungen mussten abgebrochen oder abgesagt werden.

VERKEHRSMITTEL: Weil Klimaanlagen in Bus und Bahn oft Mangelware oder aber kaputt sind, wird es im Sommer eklig stickig (Stichwort: Achselschweißgeruch). Bei geöffnetem Fenster zieht es aber auch mal.

NACHBARN: Weil alle gern im Sommer die Fenster öffnen oder im Garten oder auf dem Balkon sitzen, ist es oft laut in der Nachbarschaft und man bekommt womöglich mehr (Intimes) mit als einem lieb ist.

FERNSEHEN: Die Einschaltquoten deuten im Sommer auf TV-Abstinenz bei vielen hin. Oft hat die meistgesehene Sendung nur um die 3 Millionen Zuschauer. Kein Wunder: viele Wiederholungen, keine Fußball-WM!

BADESEEN UND FREIBÄDER: Ein freier Quadratmeter Rasen oder Strand? Oft Fehlanzeige beim Baden im Freien. Stattdessen liegt man Handtuch an Handtuch - wie die Sardinen in der Büchse.

EISDIELEN: Jetzt schnell ein leckeres Eis vom Italiener? Von wegen! Selbst nach Einbruch der Dunkelheit muss man sich oft in meterlange Schlangen einreihen. Viele regen sich dann auch gern noch über den Preis pro Kugel auf.

INSEKTEN: Gerade schön entspannt, schon ertönt ein Summkonzert. Dem Naturschutzbund zufolge ist zwar dieses Jahr kein schlimmes Plagejahr, abgesehen von der Westenplage in einigen Regionen. Aber wenn ein Insekt zusticht, wen juckt das dann? Genau!

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TROCKENHEIT: Brauner Rasen, steinharte Böden, vertrocknetes Gemüse. Um Tomaten, Kräuter oder Blumen durchzubringen, müssen auch Hobbygärtner in einigen Regionen ganz schön auf der Hut sein.

BAUSTELLEN: Die verkehrsärmere Zeit im Sommer wird vielerorts für Sanierungsarbeiten genutzt. Das trifft auf Autobahnen zu, aber zum Beispiel auch auf den zentralen S-Bahntunnel unter Frankfurts City.

STRASSEN: Aufgeplatzter Beton (Blow-ups) ist auf einigen Autobahnen ein echtes Problem geworden. Ansonsten sind natürlich die vielen Baustellen Nervfaktor und Ausbremser.

POSER: Im Sommer zeigen viele ihre Tattoos, Muskeln oder tollen Körper oder aber sie geben mit ihrem Motorrad oder schicken Auto an (Aufheulen an der Ampel). Das ist purer Sozialstress für die anderen.

URLAUB: Das Sommerreiseziel wählen kann 2015 schwerfallen, wie etwa eine Tageszeitung meinte: „Tote am Strand von Tunesien, Krise in Griechenland und ein starker Dollar ... Verdirbt das die Ferienstimmung?“

ZEITRAFFER: Was am deutschen Sommer vielleicht am meisten nervt, ist in Wahrheit vor allem eines: Dass er irgendwie immer viel zu kurz und zu schnell vorbei ist. Plötzlich ist schon wieder Herbst.

dpa

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