Warum weite Wege drohen

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Sehen die Basisversorgung gefährdet: Hausärzte gestern in der Innenstadt im Gespräch mit Passanten.

Offenbach - „Wo muss ich unterschreiben?“ Die Offenbacher stehen gestern Vormittag zwar nicht Schlange vor dem Info-Stand an der Löwenapotheke. Doch etwa 300 Unterschriften in drei Stunden zeugen von einer gewissen Solidarität. Von Matthias Dahmer

Mit dem Anliegen der Hausärzte, die auch in Offenbach ihre Praxen dicht gemacht haben und vor den Folgen der Sparpolitik von Gesundheitsminister Rösler warnen, die darauf aufmerksam machen, dass die wohnortnahe Basisversorgung gefährdet ist.

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Die, die unterschrieben haben, sind sich einig: Die Ärzte sind nicht verantwortlich für die Misere. Die Politik ist schuld. „Da wird zu viel Geld hin und her geschoben“, meint eine Passantin. Sie betreut eine 95-Jährige, kommt mit ihr gerade vom Augenarzt, wie sie berichtet. Eine Verschlechterung des Hausarztangebots in Offenbach hat sie und die anderen Umstehenden - die meisten im Seniorenalter - bislang noch nicht bemerkt.

Tatsächlich ist die Lage in den Städten noch nicht so prekär wie auf dem Land, wo man teilweise bis zu 50 Kilometer zum Hausarzt fahren muss, räumen die Allgemeinmediziner Rainer Gareis und Claus-Michael Reimers ein. Doch wenn es so weitergeht wie bisher, sagen die Hausärzte, wird es in fünf, spätestens zehn Jahren auch in Offenbach Engpässe geben. Der Trend ist eindeutig: Praktizierten vor Jahren noch 102 Hausärzte in der Stadt, sind es derzeit nur noch 68. Wer seine Praxis aus Altersgründen aufgibt, findet kaum noch Nachfolger. Entschieden wehren sich die protestierenden Ärzte gegen den Vorwurf, ihnen gehe es doch nur darum, noch mehr Geld zu verdienen. „Wir Älteren können auch unter den jetzigen Bedingungen noch einige Jahre arbeiten“, sagt der 51-jährige Reimers. Es gehe um die Perspektive für die Patienten und dabei vor allem um die Alten und Einkommensschwachen. „Wir lösen das Problem auf dem Rücken der Schwächsten. Künftig werden sich nur noch die Reichen medizinische Versorgung leisten können“, befürchtet Rainer Gareis.

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