Wasserhäuschentag auch in Offenbach

Bier lieber aus dem Büdchen

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Offenbar-Vereinsmitglied Julia Çam pinnt noch ein paar Kioske an die Karte: „Mal sehen, wie viele wir zusammenkriegen.“

Offenbach - Der 19. August ist der „1. Frankfurter Wasserhäuschentag“ gewesen. Die Aktion sollte auf die alte Tradition der Budenkommunikation aufmerksam machen. In Offenbach hat sie einen besonderen Teilnehmer. Von Anna Kirschner 

Am Tresen wird gebabbelt, am Schiebefenster kaufen sich Kinder für ihr Taschengeld eine gemischte Tüte mit Süßem – wer kennt sie nicht, die Buden und Kioske der Nachbarschaft. Um die Kultur des Austausches an der Theke zu stärken, haben die Initiatoren um die Vereine Linie 11, allesgude.de und wasserhäuschen.eu den Wasserhäuschentag unter Schirmherrschaft von Frankfurts OB Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig ausgerufen und koordiniert.

Kiosk- und Budenbesitzer konnten mit einem selbstgestalteten Programm mitmachen. Offenbach war auch dabei: Die „Offenbar“ lud wieder in den Kreativ-Kiosk in der Domstraße 57 ein. Erneut stellten Vereinsmitglieder von Offenbar e.V. eigene Kunstprodukte aus und verkauften Schmuck, Kunstdrucke, Postkarten und vieles mehr. Eine Ausstellung zeigte Fotos von europäischen Büdchen, und in vier Porträts wurden Offenbacher Kioske vorgestellt: Morat E.s Kiosk „Eldener“ in der Taunusstraße, der Kiosk „Mahin“ von Mokkleshr R. in der Bieberer Straße, Tonis „Singh Kiosk“ am Goetheplatz und der Fahrradkiosk „OffCourse“ von Jürgen B. in der Haydnstraße.

Die Idee zum Mitmachen kam der „Offenbarerin“ Christina Dirlich, als sie an einer Trinkhallentour in Frankfurt unter der Leitung des Wasserhäuschenexperten und Mitinitiatoren Hubert Gloss teilnahm.

Neben dem Kunsthandwerk gab es auch interaktive Momente: Auf einer Stadtkarte pinnten versierte Offenbacher Büdchenbesucher ihre Lieblingskioske an. Mit Kleber und bunten Drucken von Tania Sívertsen erstellten sie individuelle Kioskprofile – besonders beliebt war das „Ausgeh-Dreamteam“ aus Zigaretten und Bier. Natürlich fehlte es auch nicht an gemischten Tüten, hier sogar mit Linoldruckbeschriftung.

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Außer der „Offenbar“ ergriff kein anderes Offenbacher Wasserhäuschen die Initiative mitzumachen. Das Vorbild für die Frankfurter, der Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet, schaffte es mit einem Kulturprogramm an über 50 Buden sogar in die Tagesthemen. Für einen Offenbacher Wasserhäuschentag wäre also noch Luft nach oben, schließlich ist die Kiosklandschaft auch hier reichhaltig. In Frankfurt beteiligten sich zehn Wasserhäuschen im ganzen Stadtgebiet mit viel musikalischem Programm und sogar einer Städtischen Meisterschaft im Wasserhäuschenquartett.

Bei aller Unterhaltung setzt sich der Verein Linie 11 auch aus ernsten Motiven für den Erhalt der Buden ein. Zwar bedrohen Baumaßnahmen, die sogenannte Gentrifizierung und Leerstand die Wasserhäuschenkultur. Aber die Buden haben das Potenzial, immer schneller werdendem Stadtleben und wachsender Anonymität einen Ort der Gemütlichkeit und Freundschaft entgegenzusetzen.

Das Credo von Linie 11: „Wir möchten das kleine Geschäft des Einzelnen wieder mehr in den Fokus der Frankfurter rücken. So entstand auch unser allererster Slogan ‚Nein Tanke! Ich hol mein Bier am Büdchen!‘“.

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