Belastungsprobe bestanden

Neues Licht auf dem Stadthof

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Zu den Klängen von eigens komponierter Musik wurden die neuen Wasserspiele in künstlerisches Licht getaucht.

Offenbach - Seine erste Belastungsprobe hat der neue Stadthof bestanden. An die 100 Interessenten kamen am Donnerstagabend zur Einweihung; kleiner Vorgeschmack auf künftige Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt, Bierfest und Offenbacher Woche. Von Markus Terharn 

Oberbürgermeister Horst Schneider erinnerte eingangs daran, wie es zur Neugestaltung gekommen war: „Wir haben das Notwendige mit dem Angenehmen verbunden“, sagte er. Notwendig sei die Sanierung des Tiefgaragen-Deckels gewesen, „da hatte sich eine Tropfsteinhöhle gebildet“. Angenehm war die anschließende Neupflasterung der Oberfläche. Fast zwei Jahre hat die Umsetzung des städtebaulichen Konzepts gedauert, das die Stadtverordneten im Mai 2013 beschlossen hatten. Ziel war in erster Linie, die Aufenthaltsqualität des in die Jahre gekommenen Platzes zu verbessern. Immerhin: Der Kostenrahmen in Höhe von 2,7 Millionen Euro wurde eingehalten.

Ein wichtiger Gesichtspunkt war die „größtmögliche Barrierefreiheit“. Bei der farblichen Gestaltung der entsprechenden Elemente war auch der Blinden- und Sehbehindertenbund Offenbach beteiligt. Einbauten und Stufen sollen dank der kontrastreichen Ausführung gut erkennbar sein. Schneider verhehlte nicht, dass er die beiden Betonpavillons gern abgerissen gesehen hätte. „Aber die Stadtverordneten haben anders entschieden, und das ist auch gut so.“ Den Verzicht auf das einstige Wasserbecken vor der Verwaltungsburg bezeichnete er als Gewinn – ebenso wie die Verbreiterung des Abgangs zur Tiefgarage. „Die Treppe ist nicht nur rutschfest, sie ist auch künstlerisch gestaltet“, so der OB.

Den Künstler hat Dr. Stefan Soltek ausgewählt. „Ich habe bei der Kombination von Beton und Schrift sofort an Peter Malutzki gedacht“, erzählte der Direktor des Klingspormuseums für Buch- und Schriftkunst, in dessen Sammlung Malutzkis Werk vollständig vorhanden ist. So können Nutzer der unterirdischen Parkplätze Zitate aus Johann Wolfgang von Goethes umfänglichem Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ lesen – „eine Drei-Minuten-Version dieses Werkes der Lebensbewältigung“, scherzte Soltek. Wenn er die Treppe rauf oder runter gehe, könne er bereits die Erfahrung machen, dass Passanten stutzten und sich fragten: „Merkwürdig, interessant – was ist das eigentlich?“ Die Landschaftsarchitektin Gisela Stötzer, deren Freiburger Büro den Zuschlag für die Planung erhalten hatte, erinnerte an die zahlreichen Auflagen, die einzuhalten waren. So mussten die Baumreihen erhalten bleiben, was auch gelang. Zu den liebgewonnenen 24 Platanen gesellen sich außerdem fünf neu gesetzte Hainbuchen. Stötzner lobte ausdrücklich die „ungewöhnliche Beteiligung“ der Offenbacher an ihrer Arbeit.

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der „Earth Hour“

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Augenfälligste Neuerung sind die beiden bespielbaren Wassertische vor dem Rathaus, bestückt mit Sitzbänken, die zum Verweilen einladen. Die Wassersprudler erlebten denn auch gleich ihre Premiere, als sie eingeschaltet und in wechselnden Farben illuminiert wurden. Dezent erklang dazu im Hintergrund die sanfte, Ambient-hafte Musik des Sounddesigners und Musikproduzenten Stefan Haag, der an Professor Heiner Blums Institut für Klangforschung in den Zollamt-Studios tätig ist. Eigens auf die Umgebung abgestimmt, hatte der 27-jährige, aus Rostock stammende Künstler eine Musik speziell zur Eröffnung komponiert. Gern ließen sich die Gäste berieseln, während sie sich an kostenlosen Brötchen, Bier und Sekt aus dem Rathaus-Café labten. Betreiber Günter Domogalla und seinen Kellnerinnen war die Erleichterung anzumerken, dass die lange Umbauzeit mit ihren Unannehmlichkeiten ein Ende gefunden hat.

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