„Webinale Visions“ im Capitol

Nachrichten aus der digitalen Zukunft

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Jürgen Amberger (Wirtschaftsförderung, von links), Professor Wolfgang Henseler und Sebastian Meyen.

Offenbach - Auf der „Webinale Visions“ haben in diesem Jahr Experten aus ganz Deutschland über die Datennutzung diskutiert. Zum ersten Mal war das Offenbacher Capitol Austragungsort für die Plattform. Von Jakob Sänger

Es geht dabei um die digitale Zukunft des Menschen, um das Datensammeln und seinen Missbrauch. Die „Webinale“ soll Brücken bauen zwischen Skeptikern und Befürwortern der Digitalisierung. Die Redner sind zwar keine Entscheidungsträger, die über die Zukunft bestimmen, doch die geladenen Professoren, Autoren, Journalisten, Unternehmer und Nutzer verstehen von Digitalisierung, Big Data und Vernetzung oft weit mehr als die meisten Politiker.

Welche Bedeutung Daten in unserem Leben überhaupt haben, zeigt gleich zu Beginn Professor Wolfgang Henseler mit einer beeindruckenden Zahl: Unglaubliche 250 Trillionen Bytes Daten produziert jede einzelne Person pro Tag. Alle zwei Jahre verdoppelt sich diese Zahl. Gerade Smartphones entwickeln sich zu wahren Datenschleudern. „Legen Sie es doch einmal für einen Tag weg, dann wissen Sie, was Ihnen fehlt, und wie viele Daten Sie dort preisgegeben haben“, sagt Henseler zum Publikum.

Ausschlaggebend ist nicht die bloße Anzahl an Daten, sondern das, was mit ihnen alles gemacht wird. Eine Versicherung wirbt beispielsweise mit einem GPS-Sender im Auto, der die Eltern von Fahranfängern jederzeit über Standort und Geschwindigkeit informiert. „Für viele sind solche Dinge noch Visionen. Aber es ist längst zur Realität geworden“, sagt Henseler.

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Wenig später betritt der Unternehmer Harald Schöning die Bühne. Er warnt vor allem die mittelständischen Unternehmen, die Digitalisierung nicht zu verschlafen. „Wer an seinem derzeitigen Geschäftsmodell festhält, den wird es in zehn Jahren nicht mehr geben“, sagt der Inhaber und Mitinhaber von über 30 Patenten. Dabei nennt er Unternehmen wie Nokia, Kodak und Quelle, die den Sprung verpasst und deshalb auf der Strecke geblieben sind. Dem Publikum verdeutlicht Schöning ohne Umschweife: „Wer an Ihre Daten will, der kommt auch dran!“

Professor Henseler erwartet als Nächstes die Ablösung des Computers durch intelligente Gegenstände. Dann erfassen nicht mehr nur Smartphone und Applewatch Daten über uns, sondern Kleidungsstücke sammeln rund um die Uhr Daten aus unserem Körper. „Das geht bis zu intelligenten Medikamenten, die jetzt schon getestet werden. Diese Minipillen senden aus dem Körper Signale auf unser Handy“, erklärt Henseler – und überspitzt: „Bis du irgendwann einen Anruf von deinem Körper bekommst: In einer Stunde bist du tot.“

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