Webradio aus Offenbach

Süchtig nach Hörern

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Das Wohnzimmer als Tonstudio: Jan Hechler beim Moderieren.

Offenbach - „Hier ist Offenbach, das Hinterhaus der Taunusstraße, Dachgeschosswohnung“: So oder so ähnlich könnte die Anmoderation von Jan Hechler (35) klingen. Sein Wohnzimmer ist gleichzeitig sein Tonstudio. Von Daniel Schmitt

Nicht ganz so professionell wie bei einem Radiosender, aber doch deutlich ordentlicher bestückt als man es von einem Webradio erwartet. Drei Computermonitore, mehrere große Musikboxen, ein Mischpult und ein Mikrofon stehen direkt neben einem Ecksofa und dem Fernseher. Hechler produziert das Webradio „Radio-Party-Time“ (RPT) live von zu Hause.

RPT gibt es schon seit mehr als elf Jahren. Am 1. April 2001 um 18 Uhr ging Hechler das erste Mal auf Sendung. Sechs Stunden dauerte sein erster Auftritt. „Es ist kein Aprilscherz“, gibt er seinen Hörern jedes Jahr beim Radiogeburtstag zu verstehen. Dafür stecke zu viel Leidenschaft dahinter. „Es ist eine Art Sucht“, sagt Hechler.

Das Wohnzimmer als Tonstudio: Jan Hechler beim Moderieren.

Der 35-Jährige ist Gründer und Inhaber von RPT, er eröffnet jeden Tag mit seiner dreistündigen Morningshow das Programm. Nach drei Startliedern, die er selbst auswählt, läuft die Sendung komplett nach den Wünschen der Hörer ab. „Musikwünsche sind unser Trumpf“, beschreibt Hechler das Motto des Radios. So komme es zwar vor, dass Tag für Tag sehr ähnliche Musik gespielt werde, dafür gefalle es den Hörern. Von aktueller Chartsmusik über Ballermann-Hits bis hin zu Oldies ist fast alles dabei. Nach seiner Morningshow kümmert sich Hechler um die Website. Bis zu acht Stunden ist er pro Tag deshalb für RPT im Einsatz.

Moderation aus dem Wohnzimmer

Nachdem das Webradio anfangs kaum Hörer hatte („es war ziemlich mühsam“), nahm die Anhängerschaft mit den Jahren zu. 200 bis 300 Menschen lauschen zu den Stoßzeiten, 18 bis 22 Uhr, vor ihren Computern. „Der Vorteil eines Webradios ist, dass man es überall empfangen kann, wo eine Internetverbindung besteht“, sagt Hechler.

Das Wohnzimmer, in dem auch ein T-Shirt seiner Lieblingsband Scooter hängt, dient dabei als Sendezentrum. Der Offenbacher ist aber nicht alleine: Weitere 17 Moderatoren präsentieren unter anderem die Highnoon-, Late Night- oder After Work-Show. Jeder hat dabei seine eigenen Musiklisten. „Es ist ein Rundumschlag“, meint Hechler. Die DJs senden aus der ganzen Republik: aus Stralsund, Duisburg oder Köln. „Fast alle moderieren aus ihrem Wohnzimmer“, sagt Hechler.

Weitere Informationen zu „Radio-Party-Time“ gibt es im Internet

Ganz so professionell wie bei ihm sei es aber nicht bei jedem. Immerhin beschäftigt sich Hechler schon seit Jahren mit modernster Technik. Er ist freiberuflich im Computer-Service tätig, repariert Ton- oder Lichtanlagen und wird auch hin und wieder als DJ gebucht. Zudem war er rund acht Jahre lang als Veranstaltungstechniker tätig. „Ich bin ein kleiner Perfektionist, gerade wenn etwas nicht funktioniert“, sagt er. So wie im vergangenen August: Hacker legten die RPT-Website lahm. Über drei Tage lang gab es keine Musik. „Ich musste rund um die Uhr basteln“, ärgert sich Hechler immer noch. Das einzig Positive daran sei die Reaktion der Hörer gewesen. Sie blieben dem Webradio treu. „Das war ein gutes Gefühl“, meint der Besitzer. Außer positiven Rückmeldungen bleibt Hechler aber auch nicht viel. Finanziell rentiert sich das Internetradio nicht. „Geld damit zu verdienen, habe ich schon vor Jahren aufgegeben. Es ist ein Hobby“, sagt er. Ab und an gebe es zwar kleinere Sponsoren, über eine lange Zeit blieben sie aber nicht dabei. Trotzdem will Hechler sein Webradio weiter ausbauen. In naher Zukunft ist ein „Night-Talk“ geplant. Mit folgender Begründung: „Unser Webradio lebt vom Dumm-Zeug-babbeln.“

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