Edith-Stein-Schule

Lehrer schreiben Brandbrief: Forderung wird erfüllt

In der Containerschule ist der Unterricht momentan herausfordernd.
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In der Containerschule ist der Unterricht momentan herausfordernd.

Stadt und Kreis Offenbach haben weiterhin hohe Corona-Fallzahlen. Schulen forderten in einem Brandbrief Wechselunterricht. Ab nächster Woche ist es so weit.

Offenbach – Seit sich in Stadt und Kreis Offenbach die Corona-Fallzahlen der 7-Tages-Inzidenz im dreistelligen Bereich befinden, wird an Schulen der Ruf nach dem sogenannten Wechselunterrichtsmodell laut: Tages- oder wochenweise wird der Präsenzunterricht fortgeführt, an den übrigen Tagen lernen die Schüler zuhause. Am Dienstagnachmittag (01.12.2020) hat die Offenbach-Post erfahren, dass sich das Staatliche Schulamt, die Stadt und der Kreis Offenbach auf eine einheitliche Regelung verständigt haben: Von kommendem Montag (7.) an bis zum Ende des Halbjahres gilt an allen Schulen in Stadt und Kreis ab Klassenstufe acht das Wechselmodell. Ausgenommen von der Regelung sind Abschlussklassen.

Vorausgegangen waren zahlreiche Rufe nach einer Abkehr von der durchgängigen Anwesenheitspflicht, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Denn oftmals schränken bauliche Gegebenheiten die Möglichkeiten zur Umsetzung der Abstandsregeln doch deutlich ein. Ein besonders schwerer Fall ist dabei die Integrierte Edith-Stein-Gesamtschule: Unterricht auf engstem Raum, das ist seit Beginn des Schuljahres der Normalzustand. Die Lehrerschaft hat nach zwei Personalversammlungen einen Brandbrief an Schulamt und Stadt geschrieben, es war ein verzweifelter Versuch, auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Nach Brandbrief an Schulamt: Wechselunterricht in Stadt und Kreis Offenbach

Da noch Monate in Containern gelehrt und gelernt wird, drängen sich bis zu 29 Personen auf gerade mal 50 Quadratmetern pro Klassencontainer. Denn aktuell wird die 1978 eröffnete Schule für über 33 Millionen Euro grundlegend saniert: Dafür steht auf dem Sportplatz die größte Containerschule Hessens; das gesamte Schulleben spielt sich in den „Modulen“ ab. Lediglich die siebten Klassen werden in den Räumen der nahen Anne-Frank-Grundschule unterrichtet.

„Für uns bedeutet das, dass wir keine Abstände einhalten können, weder im Klassenraum noch auf den Fluren“, sagt eine Lehrerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Während für Ladengeschäfte großzügige Abstandsregelungen vorgeschrieben seien, herrsche in Schulen dichtes Gedränge – zumal in den Klassenraumcontainern, deren Platz äußerst knapp bemessen sei.

Da auf dem Schulhof keine Lebensmittel verzehrt werden dürften, äßen die Kinder ihre Pausenbrote in den Klassenräumen – ebenfalls ohne jeglichen Abstand. „Auch das Lüften ist ein Problem“, berichtet eine Lehrerin unserer Zeitung: Denn durch die Bauarbeiten herrsche permanent ein hoher Geräuschpegel vor, bei offenem Fenster sei Unterricht kaum möglich, zumal bei den aktuellen Temperaturen.

Schulamt und Stadt Offenbach soll Vorschlag für Wechselunterricht ignoriert haben

Um sich zu schützen, hätten die Lehrer dauerhaft die empfohlenen FFP-2-Masken auf. „Wir tragen die Masken bis zu acht Stunden“, sagt die Lehrerin. Da die Masken die Stimme dämpfen, müsse besonders laut gesprochen werden. Mit der Folge, dass viele Lehrer schon zur Wochenmitte heiser seien.

Versuche der Schulleitung und der Lehrer, sich mit Schulamt und Stadt auf ein Wechselunterrichtsmodell zu einigen, seien ignoriert worden, beklagen die Lehrer – zumindest bis Dienstagnachmittag: Denn hinter den Kulissen wurde, wie Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß unserer Zeitung berichtet, verhandelt – schon seit sich Bund und Länder vergangene Woche auf die neuen Corona-Regeln geeinigt hätten: „Der Bund empfiehlt, dass ab einer Inzidenz von 200 das Wechselmodell eingeführt wird, und dieser Empfehlung sind wir gefolgt. Und da Offenbach keine Insel ist, sind uns einheitliche Regelungen wichtig – wie sie nun für Stadt und Kreis gelten.“

Nach Brandbrief: Schulen müssen Gestaltung für Wechselunterricht mit Schulamt abstimmen

Wie das Wechselmodell jeweils gestaltet werde, liege an den einzelnen Schulen in Abstimmung mit dem Schulamt: So kann die Edith-Stein-Schule etwa das von ihr favorisierte Modell des tageweisen Wechsels umsetzen. „Das liegt fertig ausgearbeitet schon in der Schublade“, sagt Simone Richter, stellvertretende Schulleiterin.

Gute Nachrichten hat Weiß auch in Bezug auf die Pausenräumlichkeiten der Schule: Noch diese Woche werde die Turnhalle so umgestaltet, dass dort auch ein Aufenthalt bei schlechtem Wetter möglich sei.

„Keine Frage, die Edith-Stein-Schule hat durch die Container sicher nicht die glücklichsten Bedingungen in dieser Zeit“, sagt Weiß. Eindringlich appelliert der Stadtrat, weiterhin Mund-Nasenschutz zu tragen. Denn nur durch die frühzeitige Anordnung der Maskenpflicht durch die Stadt seien die Corona-Zahlen an Schulen relativ niedrig. (Frank Sommer)

Wechselunterricht ruft allerdings auch Sorge hervor: Oberstufenschüler haben wegen weniger Präsenzunterricht Angst um ihr Abitur.

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