Wege aus der Düsternis

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Park-Idylle mit neuen Wege-Beziehungen: Im neu gestalteten Lilipark lässt es sich auch bei hochsommerlichen Temperaturen aushalten.

Offenbach -  Oft wird Offenbach auf den Wilhelmsplatz reduziert, vor allem wenn’s um seine durchweg positiven Attribute geht: buntes Schmuckstück, illustrer Treffpunkt, kulinarischer Entdeckungsort. Von Martin Kuhn

Beim Rundgang bringt Oberbürgermeister Horst Schneider Journalisten ein zweites Schmuckstück näher - den umgestalteten Lilipark. In Verbindung mit dem benachbarten Kulturcarrée und dem gestern eröffneten Stadtcafé sieht er ein „kleines Gegengewicht“ am Main. „Das bringt unsere Stadt nach vorne“, ist der Verwaltungschef überzeugt.

420 000 Euro hat die Umgestaltung des Liliparks und des Sophie-von-La-Roche-Platz gekostet. Angesichts dieser Kosten nimmt Schneider kritischen Stimmen schon einmal etwas an Gewicht: „Es können sich alle freuen, die Interesse an der Entwicklung Offenbachs haben.“ Die Zweifler und Skeptiker sind sozusagen eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen. Und tatsächlich: Wer den Lilipark noch als dunkle Schmuddelecke für ebensolche Gestalten vor Augen hat, dürfte vom Ergebnis angenehm überrascht sein.

Mit teils radikalen Schnitt entfernten die Gärtner die Düsternis. Mitten in der Großstadt ist eine Oase der Ruhe entstanden, wo hohe Laubbäume Schatten spenden und junges Gras einen zarten Teppich bildet. Die Planer ordneten die Wegebeziehungen neu, die Ruhezonen nehmen Sichtachsen auf. Damit das alles so bleibt, wurden Pflanzen mit „ruhigen, naturnahen Charakter“ gesetzt, sagt Fachreferentin Christina Türk, „Grün in Grün.“ Gepflanzt sind Gräser wie Schneesimse und Pfeifengras, Sträucher wie Kornelkirsche und Stechpalme, Farne wie Wurmfarn und Trichterfarn.

Ein zentraler Punkt ist die Verlegung des Spielplatzes; er liegt nun vor dem neuen Café der Arbeiterwohlfahrt. Von der Terrasse aus haben Eltern das hohe Piratenschiff im Blick, das Kinder bis zehn Jahre zum Klettern und Rutschen einlädt. Für die Jüngeren gibt es eine Nest-Schaukel, ein Karussell und ein Wipp auto. Die ovalen Spielinseln werden von Hainbuchenhecken eingefasst. Auf den Bänken ringsum können Erwachsene in der Nähe ihrer Kinder sein. Eine weitere Attraktion sind zwei Pump-Stationen auf dem Sophie-von-La-Roche-Platz, wo Kinder Wasser in Becken einlassen und stauen können. Dabei griffen die Planer teils auf vorhandene Spielgeräte zurück.

Das Projekt ist freilich nicht isoliert zu betrachten; dahinter steht eine lokale Vision. In Abwandlung des beliebten Schreib- und Wissensspiels „Stadt, Land, Fluss“ heißt es in Offenbach „Stadt, Park, Fluss“. Eine lauschige Parklandschaft als sanfter Übergang von der turbulenten City hin zum beschaulichen Mainufer. Mit dieser Vision begann die Stadt vor gut zehn Jahren eine gestalterische Offensive, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Es fehlt ein entscheidender Baustein - der Übergang zum Wasser.

Die Stadt ist weiter in der Pflicht, die in ihrem Besitz befindlichen Abschnitte des Maindamm so zu ertüchtigen, dass er einem rechnerisch alle 200 Jahre auftretenden Hochwasser standhält. Bei der technischen Umsetzung spielen wohl auch gestalterische Gesichtspunkte eine Rolle; denkbar ist beispielsweise im Abschnitt der Herrnstraße ein mobiles Schutzsystem. Damit gäbe es Möglichkeiten, eine unter anderem vom Oberbürgermeister gewünschte Anbindung zum Mainufer zu schaffen.

Es wäre ein Schritt zurück zur Offenbacher Lokalgeschichte, als dieses Gebiet als „Maingärten“ bekannt war. Im ältesten Stadtviertel, das eingefasst wird von Main, Berliner Straße, Kaiserstraße und Karlstraße, reichten die Parks und Gärten ursprünglich bis ans Mainufer. Und Schneider träumt bereits von einer modernen Variante von „Schlössers Garten“, einem seinerzeit sehr beliebten und gut frequentierten Ausflugslokal am Main.

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