Von wegen Aschenputtel

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Fatma Tosunoglu (links) und Tanja Yesiltas sorgen für Ordnung im Luischen. Der Kinderladen in der Kaiserstraße lockt mit freundlichem Ambiente und unschlagbaren Preisen.

Offenbach ‐ Bei den eisigen Temperaturen wird es im Kleiderladen Luise knapp mit der wärmenden Wintermode. Während andere Bekleidungsgeschäfte einfach beim Lieferanten nachbestellen, müssen die Verkäuferinnen der Luise ihre Kunden schon mal vertrösten. Von Katharina Platt

Warme Jacken, Mäntel und Winterschuhe waren in den vergangenen Wochen heiß begehrt. „Davon könnten wir noch einiges gebrauchen“, sagt Anette Bacher, Bereichsleiterin von Carijob, dem Betreiber des Kleiderladens in der Kaiserstraße 36-38. Wer bei dem Begriff Kleiderkammer an ein dunkles Zimmer mit deckenhohen Regalen, voll gestopft mit Wäsche denkt, liegt falsch.

Betritt der Kunde den Laden, landet er in einem schicken, aufgeräumten Ambiente. Geschmackvolle Lampen tauchen die farbigen Wände, die gut bestückten Kleiderstangen und Regale in sanftes Licht. Alles, was da ordentlich auf den Bügeln hängt, stammt aus Offenbacher Kleiderschränken: Jacken, Blusen, Hosen und Pullover, die aussortiert wurden, um Platz für die neuesten Modetrends zu schaffen.

Menschen, die uns ihre alte Kleidung spenden, müssen vorher nicht sortieren oder bügeln“, so Bacher. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann anrufen. Dann holen die Mitarbreiter von Carijob die Kisten und Säcke ab. Auch Bettwäsche und Handtücher kann der Kleiderladen gebrauchen. Was nicht verkauft wird, verarbeiten die Damen der Schneiderwerkstatt zu Taschen und Dekoartikeln.

Selbst entworfene Taschen neben Herzkisschen

An einem Ast hängen Herzkisschen aus hellblauem Karostoff oder mit rosafarbenen Streifen. Daneben warten selbst entworfene Taschen auf Kundschaft. Ab zehn Euro gibt es ein solches Unikat. Weil das für die Bedürftigen, die mit einem Berechtigungsschein für Klamotten nur die Hälfte zahlen, zu teuer ist, wünschen sich Anette Bacher und die Mitarbeiter Kunden aus allen sozialen Schichten.

Auch deswegen legt die Bereichsleiterin Wert auf Sauberkeit, Ordnung und stimmiges Design. Die Kunden sollen sich wie in einer Boutique fühlen und nicht wie in einem Laden zweiter Klasse. Viel Herzblut stecken alle Angestellten in das Projekt. Auch wenn sie selbst lediglich für etwa zwölf Monate in der Luise arbeiten dürfen. Dann endet nämlich ihr Ein-Euro-Job.

Im April muss sich etwa Monie al Sadat-Hosseini verabschieden. Die 45-Jährige hat in ihrem Heimatland Iran Abendkleider genäht. Weil hier ihre Ausbildung nicht anerkannt wird, jobbt sie für einen Euro die Stunde in der Nähwerkstatt, kürzt Hosen, näht Knöpfe an und fertigt Taschen. Der Kleiderladen ist ein reines Frauenprojekt. „Viele haben schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht“, verrät Anette Bacher. Das Projekt trägt Früchte: Mittlerweile arbeiten nicht nur Ein-Euro-Jobberinnen in der Filiale, sondern auch Auszubildende zur Verkäuferin. Nourd Annouri kümmert sich um sie. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt sie.´

Herzliche Stimmung

Auch im Kinderladen Luischen herrscht eine herzliche Stimmung. Liebevoll haben die Verkäuferinnen das Schaufenster und den Verkaufsraum gestaltet. Das Interieur stammt von der Architektin Heike Hamann, die sonst unter der Marke „Designkleinundfein“ Kinderzimmer einrichtet.

Die professionelle Gestaltung der Räumlichkeiten ist jedoch nicht alles. Bleibt es weiter so kalt, hoffen die Betreiber auf weitere Spenden. „Winterfeste Schuhe, vor allem für Kinder werden dringend benötigt“, sagt die Bereichsleiterin.

Spenden werden montags bis donnerstags von 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr angenommen. Außerdem am Freitag von 9 bis 12 Uhr.

Auch in der Kleiderkammer der Diakonie in der Gerberstraße 15 macht sich der kalte Winter bemerkbar. „Wir können noch gut Handschuhe, Mützen und Schals gebrauchen“, sagt Gabriele Spielmann. Weil es mit Herrenbekleidung eng wurde, hatte die Diakonie einen Aufruf in unserer Zeitung gestartet. Danach waren die Lager wieder voll.

Trotz der Minusgrade haben nicht mehr Menschen die Einrichtung besucht als vorher. Dennoch freuen sich die Mitarbeiter über Kleidung, Spielzeug, Bett- und Tischwäsche. Was immer fehle, seien Herrenschuhe.

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