Ehrenamtspreis der Stadt

Von wegen faule Generation

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Dr. Michael Koch vom Jugendamt (links) übergab die Ehrenamtspreise des Stadtjugendrings an Shahzeb Ahmad, Zeeshan Tariq und Swer Jabeen Adil für ihre Teilnahme am Projekt „Paten für Kindergartenkinder“ sowie an Sebastian Uhlenmeyer und Lisa Waschk. Reinhard Knecht vom Referat Ehrenamt gratulierte.

Offenbach - Gute Taten zahlen sich aus: Für ihr Engagement auf sozialem Gebiet erhielten fünf Jugendliche den Ehrenamtspreis der Stadt Offenbach. Von Stefan Mangold

Jede Epoche kennt ihre „Jugend von heute“. Im Gegensatz zu der von gestern, der man selbst angehörte, verhält sich die aktuelle stets so, wie es auf keinen Fall sein sollte. „Junge Menschen seien hedonistisch und interessierten sich nicht für Politik“, gibt Dr. Michael Koch wieder, was andere behaupten. Eine Einschätzung, die der Mitarbeiter des Jugendamts nicht teilen kann: „Sie sind politisch interessiert. Jedoch an Themen, die näher an ihnen dran sind“.

Für Dienstag lud der Stadtjugendring zum jährlichem Dankeschönfest junge Menschen in die Volkshochschule ein. Die müssen sich ganz sicher nicht den Vorwurf anhören, nur die eigene Gaudi im Blickfeld zu haben. Seit dem Jahr 2.000 verleiht die Stadt den Ehrenamtspreis an „Jugendliche und junge Erwachsene, die sich für soziale, kulturelle, ökologische oder sonstige gesellschaftlich relevanten Belange engagieren“.

„Totaler Quatsch“

Die 1.000 Euro dürfen sich zwei Gruppen teilen. Reinhard Knecht vom Referat Ehrenamt legt trotz der ewig knappen Finanzen noch jeweils 50 Euro drauf. Auch er bestätigt: „Dass die Jugend sich nicht engagieren will, ist totaler Quatsch.“ Womit er bei einem wie Shahzeb Ahmad (16), Gymnasiast der elften Klasse an der Albert-Schweitzer-Schule, ins Schwarze trifft. Als Teil der Lokalen Agenda 21 nimmt der Deutsch-Pakistaner am Projekt „Paten für Kindergartenkinder“ teil. Einmal in der Woche besucht er einen Kindergarten und kümmert sich um einen bestimmten Jungen mit Migrationshintergrund aus der Vorschule.

„Die meisten werden wegen sprachlicher Probleme noch nicht eingeschult“, weiß er. Und die Hälfte derer, die sich als Paten melden, hätten keine deutschen Wurzeln. „Die wenigsten Kinder in Vorschulklassen sind Deutsche. In uns haben sie Vorbilder für ihre eigene Integration“, sagt der junge Mann, der Jugendarbeit bei der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde leistet. Einen Berufswunsch hat er schon von Kindesbeinen an: „Nach dem Abitur will ich auf die Polizeischule.“

Freude über Geld

Die Paten dürfen sich ebenso über 550 Euro freuen wie die Evangelische Jugend Offenbach. Dekanatsjugendreferent Jürgen Ott erzählt von einem Seminar vergangenen Sommer in Thuisbrunn in der Fränkischen Schweiz: „Schwerpunkt war die Vermittlung erlebnispädagogischer Aktionen.“ Die Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren absolvierten einen Kletterkurs. Junge Christen wie Lisa Waschk (20), die seit vier Jahren als Mitglied der Paul-Gerhardt-Gemeinde Jugendfreizeiten leitet, beschäftigen sich nicht nur mit Sicherheitstechniken, sondern auch mit pädagogischen Tricks und Kniffen, wenn es darum geht, Konflikte zu lösen und andere zu motivieren. „Nachhaltigkeit“ lautete ein Stichwort. Ott spricht von „Rücksicht, die sich von selbst erschließt, nicht über den Kopf, sondern übers eigene Handeln“.

Pech haben die beiden Bewerber, die ohne Preis nach Hause gehen müssen. Die Freireligiöse Jugend Offenbach hatte ein Projekt mit dem Titel „Spürnasen und Detektive“ in Dietlingen organisiert. Für die Kinder war es ein aufregendes Wochenende, als es darum ging, einen Entführungsfall mit Entschlüsselung von Geheimschrift und Sicherung von Fingerabdrücken zu lösen. Den Ehrenamtspreis hätte auch die Katholische Jugend verdient. Die hatte mit 30 Kindern mit multinationalen Hintergründen aus wenig begüterten Lauterborner Familien eine zehntägige Ferienfreizeit in einem Selbstversorgerhaus im Hunsrück organisiert.

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