Von wegen nur feiern

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Tag und Nacht einsatzbereit: In diesem Jahr feiert die Freiwillige Feuerwehr Waldheim ihr 100-jähriges Bestehen.

Offenbach - Was 1912 mit einem selbst angefertigten und mittels Fahrrad transportablen Löschkarren im Geräteschuppen begann, ist heute ein Feuerwehrhaus mit fünf Toren und modernen Einsatzfahrzeugen. Von Jenny Bieniek

Die Freiwillige Feuerwehr Waldheim feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und begeht das Jubiläum mit einem Festwochenende, zu dem alle Offenbacher eingeladen sind.

33 Aktive zählt der aktuelle Trupp der Waldheimer Feuerwache, darunter fünf Frauen. Etwa ein Drittel der Besatzung kommt dabei direkt aus Waldheim, der Rest lebt im umliegenden Raum. „Ich war 22 Jahre alt, als ich rekrutiert wurde“, lacht Herbert Springer, Vereinsvorsitzender und Wehrführer der Waldheimer Floriansjünger. Als gelernter Elektriker sollte er 1982 eigentlich nur die Kabel im damaligen Neubau an der Stadtgrenze zu Mühlheim verlegen – das vorherige Domizil „Im Gartenfeld“ wurde den wachsenden Aufgaben längst nicht mehr gerecht. Doch dann wurde er von seinem Schwager, dem damaligen Stadtbrandinspektor, zum Bleiben überredet. Inzwischen ist Springer 51 und noch immer mit Leidenschaft dabei.

Die Anfänge mit einem provisorischen ersten Feuerwehrhaus.

Pro Jahr gehen an der Mühlheimer Straße zwischen 80 und 100 Alarmierungen ein. „Früher hatten wir weniger Einsätze, aber die Freiwilligen Feuerwehren sind in Offenbach stark in die Berufsfeuerwehr integriert, weshalb wir jetzt oft bei den Kollegen mit dabei sind“, erklärt Springer, der sich seit zwei Jahren Hauptbrandmeister nennen darf. „Leider ist das vorherschende Bild oftmals immer noch: Die einen sind die Profis, die anderen feiern nur.“

Bis zum Einsatz der Sandsackfüllmaschine war es ein langer Weg.

Dabei sind die Aufgaben klar verteilt. Neben Brandschutz und Allgemeiner Hilfe spielen die Kameradinnen und Kameraden aus Waldheim eine große Rolle bei den Sonderaufgaben Kommunikation und Deichschutz im Einsatzkonzept der Feuerwehr. Ihre Aufgabe ist es, im Falle des Falles eine Sandsackfüllmaschine bereitzustellen, um den Hochwasserschutz der Stadt zu gewährleisten.

„Nichts ist mehr dort, wo es mal war“

Am kommenden Festwochenende sind die Waldheimer und Offenbacher eingeladen, mitzufeiern. Die akademische Feier ist bereits am Freitag. Für Samstag haben die Brandschützer eine Oldie Night im Zelt mit den Live-Bands „Oder so!?“ und Stumble Beats sowie einem DJ auf die Beine gestellt. „Und an der Sektbar warten trotz Oldieabend natürlich auch Modegetränke wie Aperol oder Hugo“, verrät Springer schmunzelnd. Karten dafür gibt es im Vorverkauf für acht Euro im Blumenhaus von Dagmar Karl.

Am Sonntag kommt die ganze Familie auf ihre Kosten. Bereits um 9 Uhr findet eine Gedenkandacht im Zelt statt. Anschließend wird ab 10 Uhr zum Festzug mit Frühschoppen und Musik geladen. Zwischen 11 und 17 Uhr erwartet die Besucher ein buntes Programm mit Vorführungen und einer Fahrzeugausstellung – Drehleiter hoch- und runterfahren inklusive.

„Man zehrt von großen Einsätzen, Großschadenslagen sind ja glücklicherweise nicht so häufig“, weiß Springer. Insbesondere bei Unwettereinsätzen seien die Betroffenen meist sehr dankbar für ihre Hilfe. Ärgerlich sei aber das Selbstverständnis, das viele an den Tag legten: „Die sind ja eh da!“ Dabei verlangt ihre Nebentätigkeit den freiwilligen Brandschützern einiges ab. Rund um die Uhr einsatzbereit, Lehrgänge und Übungen am Wochenende. Die Anforderungen steigen, die Mitgliederzahlen aber nicht. Schuld daran ist auch die gestiegene Mobilität.
„Nichts ist mehr dort, wo es mal war. Wohnort und Arbeitsplatz wechseln häufiger, nur noch wenige Menschen arbeiten an ihrem Wohnort. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte sinkt“, so Springer. Die Vermischung der Kulturen, in Offenbach allgegenwärtig, bringt zudem noch ganz andere Probleme mit sich: „In vielen Ländern kennt man keine Feuerwehr, eine Integration ist entsprechend schwierig“, erklärt Springer. Denn vielerorts sei der Brandschutz militärisch organisiert. Die bessere Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund ist deshalb eins der großen Ziele, die sich die Waldheimer Floriansjünger auf die Fahne geschrieben haben.

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