Wegen guter Noten gibt’s kein Geld

Offenbach - Offenbach ist arm, die Schulden wachsen, alles Sparen verlangsamt lediglich die Abwärtsspirale. „Am eigenen Zopf kann sich nur Münchhausen aus dem Sumpf ziehen“, meint die Landtagsabgeordnete Heike Habermann (SPD). Von Stefan Mangold

Niemand will ihr widersprechen. Deshalb können sich auch Paul-Gerhard Weiß, Schuldezernent der Stadt und Mitglied der FDP, sowie Barbara Cárdenas, Landtagsabgeordnete der Linkspartei, nicht über die richtige Strategie bei der Schulpolitik in die Wolle kriegen.

„Demografische Entwicklung in ‘jungen’ Städten - Herausforderung für schulische Bildung“ lautete am Montag das Thema im Büsingpalais, zu dem die Stadt und die Bundesinitiative „Lernen vor Ort“ geladen hatten, um Experten zum Thema zu hören.

Wie etwa Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund. Der referiert, was Sozialindizes für die Planung von Bildung im Schulbereich leisten können. Am Ende seines Vortrages stellt Bos fest: Hätte man ihn beauftragt, ein Schulsystem zu entwickeln, das die Chancen für Kinder aus unteren Schichten niedrig hält, „hätte ich unseres konzipiert“.

Parteipolitischer Geist

Nur wenige Male weht parteipolitischer Geist übers Podium: So etwa als der liberale Paul-Gerhard Weiß den Verkauf öffentlichen Eigentums ins Gespräch bringt, um an Gelder zu kommen. Er nennt es einen „Umtausch“. Der Erlös wandele sich schließlich in den Wert der Bildung. Auch über weitere Verschuldung müsse man nachdenken, „wenn der Regierungspräsident das genehmigt“.

Barbara Cárdenas (Linke) streift ebenfalls ein Kernthema ihrer Partei. Bei der bestehenden Struktur sehe sie weder für Offenbach, noch für Hessen Ansätze zu einer Lösung. Der Bund sei gefragt, „der muss seine Steuerpolitik verändern“. Aus ihrer Sicht leisten Städte wie Frankfurt und Offenbach „enorm viel in der Schulpolitik, gerade was die Ganztagsschulen betrifft“.

Offenbachs schulische Ergebnisse passabel

Schuldezernent Weiß widerspricht nicht. Paradoxerweise liege darin aber die Crux. Vertreter des Landes meinten nämlich, Offenbachs schulische Ergebnisse seien unter den bestehenden Umständen passabel, weshalb die Stadt keiner weiteren Zuschüsse bedürfe. Die Ressourcen müssten sich „an Zahl und Bedarf orientieren. Schließlich bringen wir dem Land neue Kinder“, nimmt Weiß darauf Bezug, dass die Bevölkerung, im Gegensatz zu anderen Städten, hier wächst.

Heike Habermann erwähnt, nach dem bisherigen Schlüssel sollen 300 hessische Lehrerstellen wegfallen, weil die Schülerzahl im Land zurückgehe. Die Planstellen dürften nicht gestrichen werden. Der Bedarf sei besonders in Offenbach deutlich.

Rubriklistenbild: © dpa

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