Vertretung organisiert Protestaktion

Wegen Kürzungen an Gymnasien: Schüler auf den Barrikaden

Offenbach - Die Kürzungspläne der Landesregierung bei der gymnasialen Oberstufe schlagen weiter Wellen. Nachdem bereits die Lehrer heftige Kritik geübt hatten, haben sich nun die Schülervertretungen im Stadtschülerrat zu einer Protestaktion entschlossen.

Stadtschulsprecher Yusef Muhammad erläutert den Hintergrund des Protestes: Die Kürzung der Stundenzuweisung für die Oberstufe bedeutet konkret, dass die von der Landesregierung zugewiesenen Stunden in der Einführungsphase um 8 Prozent und in der Qualifikationsphase um 4,5 Prozent gekürzt werden sollen. Begründet werden diese Kürzungen mit einem hohen Ressourcenbedarf für Ganztagsangebote und Inklusion und damit, dass die Kursgrößen in der Oberstufe „im Vergleich auf niedrigem Niveau“ lägen.

Befragt nach den Auswirkungen, so Muhammad, hätten die Oberstufenkoordinatoren der Offenbacher Gymnasien ein düsteres Szenario aufgezeigt: So bedeuten die Kürzungspläne für die etwa 450 Schüler der Einführungsphase des kommenden Schuljahrs, die zuerst betroffen sein werden, dass insgesamt etwa 29 zweistündige Kurse weniger angeboten werden können. Gestrichen wird vor allem bei Grundkursen, so dass die Größe auf bis zu 30 Schüler wachsen könnte. Bei den Leistungskursen werden ab dem Schuljahr 2016/2017 vor allem solche gestrichen, die traditionell seltener gewählt werden, wie Latein, Musik oder Physik.

Die Kürzungspläne sind für die Schülervertretungen nicht nachvollziehbar. Bedeuteten sie doch, dass man Ressourcen aus einem Teil der Bildungskette abziehe, um andere zu fördern. Ein besseres Endergebnis sei so nicht zu erzielen. Auch die Erhöhung der Kursgrößen in der Oberstufe sei kontraproduktiv, da diese Kurse auf das Abitur vorbereiteten und mit einem wesentlich intensiveren und anspruchsvolleren Arbeitspensum verbunden seien als Mittelstufenkurse. Für die Offenbacher Oberstufenschüler seien die Streichungen besonders bitter, da dadurch möglicherweise auch dringend benötigte Förderkurse wegfallen könnten. „Angesichts der Tatsache, dass an Offenbacher Gymnasien die Nichtversetzungsquote in die Qualifikationsphase über 20 Prozent liegt im Vergleich zu acht Prozent landesweit, kann man davon ausgehen das sich die Erfolgschancen eher noch verschlechtern“, fürchtet Muhammad.

Bilder: Schuldemo an Dreieichschule

Auf diesen drohenden Missstand wollen die Schülervertretungen nun durch eine öffentlichkeitswirksame Aktion aufmerksam machen und für die Rücknahme der Kürzungen protestieren. Am Dienstag, 7. Juli, ist um 9 Uhr ein Sternmarsch von den Schulen zum Rathaus geplant, wo eine Kundgebung stattfinden soll. Zugleich wollen die Schülervertreter dort Unterschriftenlisten an den Schuldezernenten und Bürgermeister Peter Schneider sowie den Leiter des Staatlichen Schulamts Dr. Peter Bieniussa übergeben. „Wir haben 800 Unterschriften gegen die Kürzung gesammelt. Uns ist bewusst, dass die Entscheidungen in Wiesbaden getroffen werden, aber wir möchten Schneider und Bieniussa bitten, unser Anliegen in Wiesbaden vorzutragen“, so die stellvertretende Schulsprecherin der Leibnizschule, Hibba Kauser.

In ihrem Protest unterstützt werden die Schüler von Eltern- und Lehrervertretungen der drei Gymnasien, die ihrerseits schon Petitionen gegen die Kürzungspläne an die Landesregierung geschickt haben.

mad

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