Wegweisendes Votum für den Radverkehr

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Wegweiser für Radler finden sich, wie hier am Industriebahnweg, an vielen Masten und Pfählen in Offenbach. Doch von einem Gesamtkonzept kann noch nicht die Rede sein.

Offenbach - Beim Mainuferradweg ist die Sache noch ziemlich einfach: Wer den Fluss nicht mehr sieht, ist irgendwo falsch abgebogen. Von Marcus Reinsch

Und um auch jenen Radlern, die sich nicht parallel zum nassen Leitstrahl durch die Stadt bewegen, die Navigation einfach und Offenbachs Qualitäten für umweltbewusste Selbststrampler schmackhaft zu machen, gibt es Wegweiser. Die alten Dinger allerdings, so ist es im nach den Richtlinien der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen strebenden Radverkehrskonzept sinngemäß nachzulesen, erzeugen bisweilen eher Verwirrung denn Orientierung, decken sich zudem nicht immer mit dem im Verkehrsmanagementplan von 2007 festgelegten Radroutennetz. Also sollen demnächst neue Schilder her - 1060 Stück für 151.000 Euro. So hat’s das Stadtparlament gerade beschlossen.

Das allerdings gegen den Widerstand der CDU. Deren Fraktionschef Peter Freier verkündete, dass ihm angesichts der Pläne „die Worte fehlen“, überwand diesen Zustand jedoch schnell und wütete, die Investition sei überflüssig wie ein Kropf, weil „der gemeine Offenbacher auf dem Rad immer den kürzesten weg von A nach B findet“. Es sei unverständlich, dass weder Oberbürgermeister Horst Schneider noch die Verwaltung im Wissen um die Finanzlage der Stadt und das knappe Budget beispielsweise für die Kulturförderung die Umsetzung des „Nutzlosen“ nicht stoppe. Die 307.000 Euro für den Radverkehr - zu den reinen Schilder-Kosten kommen 156.000 Euro für bauliche Begleitarbeiten wie Bordsteinabsenkungen, Leitplanken, Markierungen, einige neue Pfosten, Umrüstung von Ampeln und Grün-Drückern und anderes - könne sich Offenbach „beileibe nicht leisten“.

Offenbach „in der schwersten Finanzkrise, die es je gab“

So könnte die Kommunalaufsicht vielleicht auch denken. Denn nach dem Griff in zwei Fördertöpfe bleiben an der Stadt fürs Gesamtpaket zwar nur noch 122.000 Euro Eigenanteil (plus 14.400 Euro jährliche Unterhaltungskosten) hängen. Doch auch die muss sie sich von der Bank leihen, was der über die Offenbacher Haushaltsdisziplin wachende Regierungspräsident genehmigen kann oder auch nicht.

Bauchschmerzen bereitet das außer Freier und den Seinen auch der ebenfalls Nein sagenden FDP. Fraktionsvorsitzender Oliver Stirböck ließ der Versicherung, dass Liberale „für alles sind, was positiv für Radfahrer ist“, die Frage folgen, „ob wir das wirklich brauchen oder doch für wichtige Dinge wie die Schulsanierungen sparen“. Offenbach sei ja nun „in der schwersten Finanzkrise, die es je gab“.

Allerdings auch in einer, das verbreiteten die Grünen am Tag nach der Entscheidung nochmal schriftlich, in der es „wenig Sinn“ habe, die Radverkehrsförderung mit der Verweigerung von 122.000 Euro faktisch lahmzulegen, während das städtische Klinikum 220 Millionen Altschulden vor sich her trage und aktuell wiederholt einen Zuschuss von 30 Millionen Euro brauche.

Der Grüne Tarek Al-Wazir rechnete vor, welche Millionenbeträge der Auto- im Vergleich mit dem Radverkehr verschlingt. Neubau Mainzer Ring, Bürgeler Straße, Schlaglochsanierung des Taunusrings, Brunnenwegs, Bischofsheimer Wegs, Umbau des Knotenpunkts Mainstraße/Kaiserstraße.... Er mahnte „Verhältnismäßigkeit“ an. Zumal es sich „immer lohnt, Verkehrsaufkommen vom Autoverkehr zum radverkehr zu verlagern“, sagte der Stadtverordnete Edmund Flößer-Zilz. Mit noch weniger Investitionen lasse sich da „gar nichts Sinnvolles mehr machen“. Kernstück des nun beschlossenen „Alltagsroutennetzes“ ist besagte Beschilderung. Vorgesehen sind 175 Hauptwegweiser-Standorte mit 775 Wegweisern und, um „unklare Streckenverläufe“ zu heilen, 94 Zwischenwegweiser-Standorte mit nochmal 285 Täfelchen. Wo möglich, sollen vorhandene Pfosten als Träger dienen.

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