Dem Hauptbahnhof wieder Leben einhauchen

Die Weichen neu stellen

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Leblos und verlassen: So wirkt das Empfangsgebäude des Hauptbahnhofes schon lange, und das sorgt für Unmut bei Passanten und Reisenden. 

Offenbach - Er ist dreckig, unaufgeräumt und es stinkt. Solche Beschreibungen sind nicht selten, wenn es um den Hauptbahnhof geht. Einer Gruppe von acht Offenbachern geht es aber nicht um die Defizite des Gebäudes, sondern um seine Potenziale. Von Melina Bosbach 

Bei einem ersten öffentlichen Treffen will sie das allen Liebhabern des Kulturdenkmals deutlich machen. Angeregtes Geflüster macht sich in dem Räumen des Kunstvereins Offenbach breit. Mindestens 80 Neugierige sind der Einladung der neuen Initiative Hauptbahnhof Offenbach gefolgt und wollen sich ein Bild davon machen, wie die Zukunft des Gebäudes aussehen könnte. Fast jeder Stuhl ist besetzt, und beim Blick durch den Raum fällt auf, dass das Vorhaben der Initiative altersübergreifend auf Interesse stößt.

Sehr viele neugierige Offenbacher sind der Einladung der Initiative am vergangenen Samstag gefolgt.

„Ich finde es schön, wenn der Eingang des Bahnhofs endlich die Kunststadt Offenbach widerspiegelt“, sagt etwa Heike Baumann. Uta Thebi ist Anwohnerin und bemängelt die fehlende Barrierefreiheit. „Rollstuhlfahrer haben große Probleme zu den Bahngleisen zu gelangen.“ Lokführer Alexander Weber meint: „Wenn ich auf dem Weg zu meiner Schicht im Bahnhof Leuten begegne, merke ich oft eine sehr gedrückte Stimmung.“ Nicht zuletzt wegen der fehlenden Sicherheit, gerade abends und nachts.
„Der Bahnhof ist derzeit in keinem besonders guten Zustand“, sagt auch Stefan Harth, Musikwissenschaftler und einer der Gründer der Initiative. Es sei dringend erforderlich, neue Nutzungsmöglichkeiten zu finden. „Wir müssen ein ziemlich gutes Konzept vorlegen und heute geht es erst einmal darum, dafür möglichst viele Mitstreiter zu finden“, so Harth weiter.

Die Gäste hören zunächst viel Wissenswertes zur Geschichte des Gebäudes. Der 1873 eröffnete Bahnhof galt zu Beginn als Dreh- und Angelpunkt für den umliegenden Verkehr. Spätestens seit der Inbetriebnahme der S-Bahn in den 1990er Jahren verlor der Bahnhof aber stetig an Bedeutung.

Marina Kampka, Künstlerin und Mit-Initiatorin, macht deutlich, dass der Bahnhof schon lange die Gemüter erregt. Während Anfang der 1980er Jahre noch die Frage im Raum stand, ob der Hauptbahnhof bald in neuem Glanz erstrahlt, bezeichneten Zeitungen 1989 das Kulturdenkmal als hässlichsten Bahnhof in der Bundesrepublik. Seit 2014 verkommt das Gebäude nun mehr und mehr. Kampka stellt fest, den Bahnhof begleite schon immer ein Duo aus Hoffnung und Perspektivlosigkeit.

Ein weiterer Gründer der Initiative ist der Grünen-Stadtverordnete Kai Schmidt. Er stellt die politische Ausgangslage vor und macht auf einen Punkt aufmerksam: „Unsere oberste Maxime ist es, das Empfangsgebäude für die Öffentlichkeit zu erhalten und nicht vom Rest des Bahnhofes abzukoppeln.“ Bislang ist die Deutsche Bahn Eigentürmer dieses Gebäudeteils. Es müsse verhindert werden, dass private Investoren dem Gebäude die ursprüngliche Funktion entziehen, führt Schmidt weiter aus. Dazu liegen derzeit aber noch keine konkreten Pläne vor. Der zukünftige Oberbürgermeister Felix Schwenke signalisierte zwar seine Unterstützung für die Initiative, so Schmidt, es sei für die Stadt jedoch kaum möglich, die finanziellen Mittel für den Kauf des Hauptgebäudes aufzubringen (wir berichteten).

Dass es kreative Nutzungskonzepte gibt, zeigen die Initiatoren anhand von Beispielen aus Wuppertal, Darmstadt und Wien. Die ehemals stillgelegte Nordbahntrasse in Wuppertal wurde etwa wiederbelebt durch ein Café, einen Fahrradverleih und andere Freizeitaktivitäten. Das Projekt ist eine Kooperation aus Land, Stadt und ehrenamtlichen Unterstützern.

So marode ist der Bieberer Bahnhof

An Ideen mangelt es an diesem Tag nicht. Nach einer Pause wird an jeweils fünf Tischen intensiver über mögliche Unterstützer und Probleme diskutiert. Die finalen Ergebnisse werden in den kommenden Wochen vorgestellt. Am 22. Oktober, 16 Uhr, gibt es im Hafengarten bereits eine Fortsetzung. Nun gilt es die Weichen für den Hauptbahnhof neu zu stellen. Letztlich steht und fällt dieses Vorhaben mit dem Engagement der Bürger und der Politik, sich aktiv einzubringen und neue Impulse zu geben.

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