Weiher sucht Anschluss

+
Aus dem kleinen Weiher ist ein Biotop geworden. Es droht immer wieder auszutrocknen.

Offenbach -„Es geht um die Tiere!“, entrüstet sich Margit Glöckner-Dörr. „Wo sollen die Frösche denn hin, wenn der Teich austrocknet?“ Von Angela Friedrich

Um was es der Dame geht, ist der Naturlehrgarten der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft -kurz: GOAB - auf dem Buchhügel. Dort gibt es einen kleinen Weiher, der wie jeden Sommer mit Wassernot zu kämpfen hat.

Glöckner-Dörr engagiert sich seit langen Jahren für den Tierschutz in Offenbach, hat früher während der Krötenwanderungen die kleinen Hüpfer von der Straße geholt und in die nahegelegenen Teiche und Weiher in Offenbach zurückgebracht. Und jetzt droht hier auch noch Austrocknung.

„Das ist natürlich ein immer wiederkehrendes Problem im Sommer“, sagt Dina Greier, Leiterin der GOAB-Abteilung Landschaftsbau und Naturschutz. „Der Teich hat keinen natürlichen Wasserzufluss. Wenn es nicht regelmäßig stark regnet, muss Wasser von außen eingeleitet werden.“ An einem Wasseranschluss mangele es aber auf dem Gelände. Auch die Offenbacher Berufsfeuerwehr, die früher den Weiher mit Wasser versorgte, habe keinen Tankwagen mehr. „Und ich mit meinem 700-Liter-Kanister bin da ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Greier.

Greiers Vorgänger Peter Hensler legte den Naturlehrgarten 1986 bis 1988 an. Auf dem Gelände zwischen der Buchhügelschule und dem heutigen Wetterpark entwickelte sich im Zuge der Jugend-Beschäftigungsprogramme der GOAB über die Jahre hinweg ein für jeden frei zugängliches Biotop mit vielen geschützten Tier- und Pflanzenarten. Im Teich leben unter anderem Spring- und Grasfrösche, Teichmolche und Schwimmkäfer.

„Ein Kleinod“ ist der Garten für Maik. Der Hobbyfotograf kommt gerne her und fängt Bilder von Libellen ein. „So etwas muss unbedingt erhalten werden, das ist einzigartig in Offenbach“, findet er.

Leider ist das nicht so einfach. Wie jeder gemeinnützige Ort, hat auch der Naturlehrgarten mit Vandalismus und Verschmutzung zu kämpfen. Der öffentliche Grillplatz wurde zerlegt, im Weiher schwimmt eine leere Flasche Jägermeister, Plastiktüten wehen herum. „Aber das kann man eben nicht verhindern, es sei denn, wir zäunen das Gelände ein. Und das ist ja nicht Sinn der Sache“, sagt Greier. Sie und ihr Team tun ihr Bestes, um den Garten für Mensch und Tier attraktiv zu halten. „Zwar hat uns die Mainarbeit Helfer gestrichen. Aber hier wird trotzdem alles getan, damit der Garten nicht verfällt.“

Und seine Natürlichkeit soll ihm ja auch erhalten bleiben. Zum Beispiel verweist die gelernte Landschaftsgärtnerin auf wahllos übereinander getürmte Baumstämme in einem Gebüsch - zumindest sieht es für den Laien so aus. Aber: „Das hier ist kein Haufen altes Brennholz, sondern eine Totholzinsel, die für Eidechsen und andere Kriechtiere angelegt wurde“, erläutert Greier. Ihre Mannschaft sorge dafür, dass der Garten für die Allgemeinheit zugänglich bleibt, schneide Hecken, mähe Gras. Aber nur soweit, dass das Tierleben im Garten nicht gestört wird.

Deswegen sei das Einleiten von Wasser in den Teich gar nicht so unproblematisch, sagt Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Mobilität. Momentan seien die Bewohner des Weihers sehr aktiv, ein Schwung frisches Leitungswasser könne da auch schaden, erklärt sie. „In der Natur gibt es ebenfalls keinen Tankwagen, der einen kleinen Teich mit Wasser versorgt. Langfristig wäre das Gewässer sicherlich auch als Moor- oder Sumpflandschaft schützenswert.“

Margit Glöckner-Dörr ist da ganz anderer Meinung: „Der Weiher darf nicht verschlammen. Er ist das Herzstück dieses Gartens.“ Auch Dina Greier würde einen Wasseranschluss gutheißen. „Dann könnten wir unser Wildblumenbeet richtig pflegen oder Gemüse anbauen.“ Zwar besitze die ESO einen Tankwagen, der der GOAB schonmal zur Verfügung gestellt wurde. Das sei aber mit großem bürokratischen Aufwand verbunden. Vielleicht lasse sich das Problem für die Zukunft durch einen Anschluss an die nahegelegene Buchhügelschule einfacher lösen, spekuliert Greier.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare