EVO will Saft abdrehen

Weihnachten ohne Wasser und Wärme?

Offenbach - Großer Schock für mehrere hundert Mieter an der Fritz-Remy-Straße: Wenn ihre Hausverwaltung nicht rechtzeitig erhebliche Zahlungsrückstände begleicht, will ihnen die EVO am Montag Hausstrom, Wasser und Fernwärme abstellen. Von Fabian El Cheikh

Die Energieversorgung Offenbach (EVO) bestätigte gestern, dass allen Mietern die Sperre zum 3. Dezember angekündigt wurde. „Wir sind seit Ende März in schriftlichem und telefonischem Kontakt mit der Hausverwaltung – ohne Erfolg“, so der EVO-Sprecher. Nun müsse der Versorger „trotz intensiver Bemühungen und im Interesse der Mieter“ die Reißleine ziehen, um den Missstand nicht weiter zu vergrößern. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Wiesbadener Hausverwaltung Hexagon Service GmbH mit 150 000 Euro in Zahlungsrückstand sein. Zwar teilte die EVO gestern Nachmittag mit, dass der Schuldner die ausstehende Summe inzwischen angeblich überwiesen habe. „Wir warten aber noch auf den Zahlungseingang.“

Sollte das Geld nicht rechtzeitig eintreffen, droht den Bewohnern von 316 Wohnungen eine äußerst ungemütliche Vorweihnachtszeit im Kalten und Dunklen. Sie müssen dann damit rechnen, dass am Montag die Hauptanschlüsse für die Wasser- und Fernwärmeversorgung für Haus und Wohneinheiten abgeklemmt werden. Zusätzlich wäre der öffentliche Stromanschluss betroffen, so dass Aufzüge und Treppenhausbeleuchtung ausfielen.

Wohnungen sind nicht betroffen

„Die Mieter selbst haben eigene Stromverträge. Ihre Wohnungen sind von unseren Maßnahmen nicht betroffen“, stellte die EVO klar. Für die Betroffenen nur ein kleiner Trost. Sie berichten von jahrelangen Problemen mit ihrem Vermieter, der offenbar in Zahlungsschwierigkeiten steckt. Auskünfte waren von dem Unternehmen bislang nicht zu erhalten.

Bettina Pless ist eine Mieterin an der Fritz-Remy-Straße. Sie wohnt dort seit sieben Jahren und berichtet: „Seit Anfang an sind wir im Streit mit der Hausverwaltung, weil die Umlagenrechnungen ständig falsch sind und Guthaben viel zu spät zurückgezahlt werden.“ Pless hat sich wie viele andere Mieter schon vor längerer Zeit hilfesuchend an den Offenbacher Mieterbund gewandt. Dessen Geschäftsführer Detlev Dieckhöfer ist die angekündigte Sperre bekannt. „Wir sind mit der EVO im Gespräch“, sagte er. Denkbar wäre, dass die Mieter ihre Abschlagszahlungen ab sofort direkt an den Versorger überweisen. „Das ist aber schwierig, weil alle Mieter an einem Strang ziehen müssten und die EVO berechtigterweise auf den Standpunkt beharrt, dass ihr Vertragspartner die Hausverwaltung ist.“ Grundsätzlich habe die EVO das Recht, die Versorgung wie angekündigt einzustellen. „Allerdings bewegen wir uns hier in einer Grauzone“, so Dieckhöfer. „In dieser Größenordnung hatten wir das in Offenbach jedenfalls noch nicht.“

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