Weihnachtsfreude geht auf die Reise

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Selber packen, selbst abliefern. So stehen auch ganz junge Zeitgenossen mitten in den Vorbereitungen für die Hilfslieferung an arme Kinder in Rumänien.

Offenbach ‐ Silberne Päckchen, goldene Päckchen, Päckchen mit Rentieren, Nikoläusen, Schneemännern, zusammengehalten mit bunten Bändern, an denen Weihnachtsgrüße flattern oder Schilder mit Aufschriften wie „For Boy 4-6 Years“ oder „Baby, Girl, 1-2 Years“. Von Michael Eschenauer

Der Werkshof der Offenbach-Post ist an diesem Freitagmorgen Verladestation für Weihnachtsfreude, denn die Lastwagen der Aktion „Weihnachtspäckchen für Kinder in Not“ werden beladen. Die Stiftung „Kinderzukunft“, die karikative Organisation „Round Table Deutschland“ und der Stadtelternbeirat Offenbach hatten Kinder aus Stadt und Kreis Offenbach aufgerufen, für Altersgenossen in Rumänien Weihnachtspäckchen zu schnüren. Das Ersuchen blieb nicht ungehört. Gegen 11 Uhr rollt sogar ein Linienbus auf den Hof. Die Sonderfahrt findet für Kinder der Kita „Bieberbau“ aus Offenbach-Bieber statt, die auch ihre Päckchen abgeben wollen.

Gegen 14 Uhr muss Martina Kessler vom Stadtelternbeirat dennoch eine eher gedämpfte Bilanz ziehen: ,,Wir liegen etwa bei drei Viertel vom vergangenen Jahr. Aus Offenbach und dem Kreis stammen regelmäßig zwischen 3 000 und 4 000 Päckchen. Gleichzeitig kam bei dem Fahrtkostenzuschuss, um den die Spender außerdem gebeten werden, mehr als früher zusammen.“ Am Geld kann es also nicht gelegen haben, dass die Zahl der Päckchen geringer ausfiel.

Damit die Kinder dort auch glücklich sind

Wir wollen, dass die Kinder dort auch glücklich sind“, sagen Lea und Louise von der Buchhügelschule in Offenbach wie aus der Pistole geschossen auf die Frage, warum sie ein Päckchen vorbeibringen. Klassenlehrerin Kathrin Diebold hat mit ihrer Klasse besprochen, um was es geht. „Ich halte es für sehr wichtig, dass die Kinder sehen, sie können selbst helfen.“ Jetzt machen sich Matchboxautos, Puppen, Kleidung - teilweise sogar neu gekaufte Sachen - auf die Reise ins westliche Rumänien nach Timisoara. Auch die siebenjährige Jasdip ist dabei und spendiert von sich und ihrem Bruder Dinos und anderes Spielzeug.

Kim (5) ist sichtlich überfordert, genau aufzulisten, was denn nun in ihrem Päckchen für Kostbarkeiten zu finden sind. Also hilft Oma Elisabeth Erk mit: „Na, was hatten wir genommen? Einen Pullover, Waschlotion, Babycreme, Zahnpasta, Zahnbürste, Malsachen, Wasserfarbe, Filzstifte, Malblock, Kuscheltiere und Süßigkeiten.“ Damit umreißt sie so ziemlich das Sortiment, das im Laufe des Tages in den Lastwagen verschwindet. Hinzu kommt das „Spritzfeuerwehrauto“, das Louis vom Kindergarten der Evangelischen Erlösergemeinde einpackt. Richtig andächtig, so die Elternbeirätinnen Marie-Cecile Koch und Manuela Plapp seien die Kinder zuletzt immer wieder vor den Geschenkeberg gepilgert, um festzustellen: „Das ist für die Kinder, die sonst nichts geschenkt kriegen.“

Bilder von der Hilfsaktion

Päckchen für rumänische Kinder

Heute macht der Anhänger halt mal was Sinnvolles“, redet Dominik Ohlig seinen Beitrag klein. Der Bauunternehmer und Vater einer Ernst-Reuter-Schülerin hat sein Gespann zur Verfügung gestellt, damit die Geschenke nach Gründau-Lieblos zur zentralen Sammelstelle der Weihnachtspäckchenaktion gebracht werden können. Des Weiteren sind noch der 7,5-Tonner des Buchbinderservices von Engelbert Rill aus Offenbach und ein Sprinter eingespannt. „Man ist der Sache näher, wenn sie so abläuft wie bei dieser Aktion“, sagt er. „Uns in Deutschland geht es doch gut. Und die Kinder geben gerne.“

Allzu lange werden die Beschenkten nicht warten müssen. „Der bundesweit zusammengestellte Konvoi besteht aus 70 Helfern. Start ist am 5. Dezember, am 12. Dezember hoffen wir wieder zurück zu sein“, so Martina Kessler. Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen rechnet man mit einer Fahrtzeit von rund 24 Stunden.

Trotz EU-Mitgliedschaft ist das Leben in Rumänien extrem hart für Kinder

Erstes Ziel, so Kessler, ist das Kinderheim in Timisoara. Von dort werden fünf Routen abgefahren, an denen die Kinderheime, Grundschulen Kindergärten, Klosterschulen, Kliniken und Obdachlosenheime liegen. Seit 2001 machen sich alljährlich Laster auf die 1200 Kilometer lange Strecke. „Die Geschenke mal ausgenommen würde die Aktion ohne ehrenamtliche Helfer 1,5 Millionen Euro kosten“, schätzt Kessler. Trotz der Mitgliedschaft Rumäniens in der EU sei dort das Leben für Kinder extrem hart. Auch jetzt würden wegen der Wirtschaftskrise wieder viele Projekte gestrichen. Viele Eltern gingen als Saisonarbeiter ins Ausland. „Die Kinder bleiben oft alleine zurück. Deshalb sind die Kuscheltiere extrem wichtig“, so Kessler.

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