50 Weihnachtsgeschichte in der Markuskirche

Spuren ins Herz gelegt

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Für insgesamt 20 Kinder wurde an Heiligabend der Altarraum der Markuskirche zur Bühne. Sie führten die Weihnachtsgeschichte auf.

Offenbach - Der Komplettdurchlauf ist geschafft. „Was hat denn gut geklappt?“, fragt Pfarrerin Ursula Trippel anschließend in die Runde. „Gar nix“, antwortet Finn Wäber lakonisch, der den Josef spielt. Von Harald H. Richter

Und Benedikt Metternich, einer der heiligen drei Könige, nickt zustimmend, während die Mädchen der Laienschar das Pauschalurteil so nicht stehen lassen wollen und entschieden widersprechen. Noch haben die rund 20 Kinder Zeit, kleine Texthänger auszubügeln und die eine oder andere darstellerische Unebenheit zu glätten. Aber rechtzeitig zur mit Spannung und ein wenig Lampenfieber erwarteten Aufführung des Krippenspiels an Heiligabend vor versammelter Gemeinde in der evangelischen Markuskirche am Buchhügel sind alle Holperer und Stolperer vergessen. Im Schein der Kerzen des mit Strohsternen geschmückten Weihnachtsbaumes wird der Altarraum zu ihrer Bühne.

Die jungen Mimen erzählen zur Freude ihrer Familien und vor den Augen der übrigen Kirchengemeinde mit erfrischender Kindlichkeit die Geschichte von Jesu Christi Geburt im Stall zu Bethlehem. Anerkennender Applaus belohnt ihre Mühen und macht manche Lästigkeit vergessen, die während der Proben noch zu Tage getreten war. In den vergangenen Wochen haben die Kinder unter Anleitung von Pfarrerin Trippel und sechs Müttern, die ihnen als Trainerinnen zur Seite standen, sowie musikalisch begleitet von Jens Wolter, alles einstudiert. Die jüngsten Mitwirkenden fünf Jahre alt, die ältesten zwölf.

Maria und Josef, gespielt von der neunjährigen Helene Borries und dem zwei Jahre älteren Finn Wäber, machen sich wie viele andere auf den beschwerlichen Weg, um sich schätzen zu lassen, erreichen müde und erschöpft eine Herberge. „Guten Abend, Frau Wirtin, haben Sie noch einen Platz für mich und meine Frau?“, fragt Josef die Gastwirtin. Da dort kein Platz mehr zu bekommen ist, man sie aber nicht gänzlich abweisen möchte, findet das junge Paar im Stall Unterschlupf, wo Maria niederkommt. „Es ist schön zu sehen, wie die Kinder immer mehr in die Geschichte hineinwachsen“, sagt Pfarrerin Trippel. Egal, ob sie Textrollen haben oder – wie die Kleinsten – einfach nur dabei sind. „Auch das ist etwas Besonderes: dabei sein, wahrnehmen, der Weihnachtsgeschichte teilhaftig werden. Sie legt uns viele Spuren ins Herz, auch unbewusst.“

Traditionelle Weihnachtslieder

Auf den Stufen des Altars, auf Heu und auf Stroh, betrachten Maria und Josef das Kind. Über ihnen erleuchtet ein ungewöhnlich heller Stern den Nachthimmel, auf den einige in der Ferne lagernde Hirten aufmerksam werden. Zunächst ungläubig ob des Phänomens, machen sie sich schließlich auf den Weg nach Bethlehem, zumal ihnen die beiden großen Engel (Alina Sophie Lotz und Hanna Maßmann) bibelgetreu verkünden: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Honig, Brot, ein wärmendes Fell für das Jesuskind und ein Pfeifchen für Josef haben die Hirten als Geschenke dabei. Auch die heiligen drei Könige, die vom Mittelgang des Gotteshauses aus dem Stern folgen, bringen ihre Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Im Wechsel mit der Gemeinde erklingen traditionelle Weihnachtslieder, wie das böhmische „Kommet ihr Hirten“ von 1605, aber auch Alfred Hans Zollers geistliches Lied „Stern über Bethlehem“, das erst in unseren Tagen Eingang ins evangelische Gesangbuch gefunden hat. Zum Schlussbild stimmen die jungen Krippenspieler zusammen mit der Gemeinde „Ihr Kinderlein kommet“ an. Die neun Engel in ihren weißen Gewändern mit goldenen Glitzereffekten und Heiligenscheinen geben ein besonders schönes Bild ab, was manche Eltern dazu ermuntert, den Fotoapparat zu zücken und die Szenerie bildlich für alle Zeiten festzuhalten.

Alle Kinder haben ihr Bestes gegeben während der in den knapp einstündigen Gottesdienst eingebetteten Aufführung und empfangen daher freudig und dankbar den Beifall. Selbst die mit fünf Jahren jüngsten Engelskinder Alina Dehelean und Jan Hrivula haben bis zum Ende unverzagt durchgehalten. Und so gibt es bei ihrer aller Auszug aus der Kirche so manches bestätigende Kopfnicken von Eltern und Geschwistern.

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