Am Rande läuft nicht viel

Offenbach - Der Offenbacher Weihnachtsmarkt neigt sich dem Ende zu. Seine Beschicker ziehen erste Bilanz. Und dabei bestimmt eindeutig der Standort über den Grad der Zufriedenheit. Eine Grenze zwischen Lust und Frust verläuft am Rathaus-Café. Von Bettina Link

Östlich davon herrschen finstere Mienen vor. Von der Frankfurter Straße aus betrachtet, steigen sowohl Andrang als auch die Stimmung der Beschicker immer stärker an, je weiter man Richtung Einkaufszentrum KOMM geht. Hier macht höchstens das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

So ist Siggi Scham von der Holzofen-Bäckerei zufrieden mit dem Umsatz. Er hat seinen Platz schließlich auch in der „prominenten Gasse“, wie Roswitha Wenzel von Alfred Bertschs Glühweinstand die Hauptachse nennt, die zwischen Aliceplatz und Stadthof verläuft. Sie hat sich verbessert: Ihr Glühweinstand war vergangenes Jahr noch auf dem Hugenottenplatz. Da hat sie ganz andere Erfahrungen gesammelt. Wie sie fühlten sich die dort untergebrachten Marktleute ausgeschlossen.

Raum hinter der Stadtkirche fast leer

Dieses Jahr bleibt der Raum hinter der Stadtkirche fast leer. Nur einen einzigen Standplatz ganz am Rand der Veranstaltung hat die organisierende Firma Pro OF dort zugewiesen. Und das nicht freiwillig, wie Geschäftsführer Klaus Kohlweyer einräumt. Der Hanauer Schausteller Dominik Weingärtner hat sich mit „Nancy’s Grillhütte“ einen Platz in Offenbach eingeklagt: Es ist dies der vorläufige Schlusspunkt des 2004 ausgebrochenen „Brafwurstkrieges“. Dieser hatte dank übergeordneter Gerichtsentscheidungen zur Privatisierung von Märkten bundesweite Bedeutung erlangt.

Das Wetter ist für die Beschicker, die ihre Stände in der Gasse seitlich des Stadthofs haben, das kleinste Problem. Sie grummeln, sie seinen dorthin verbannt worden, sprechen gar von einer Strafmaßnahme, weil sie sich im vergangenen Jahr über ihre schlechten Plätze am Hugenottenplatz öffentlich beklagt hatten. Darum äußern sie sich nun nur zögerlich über den Weihnachtsmarkt. Ihren Namen wollen sie schon gar nicht nennen, „Kritik kommt bei den Veranstaltern nicht gut an“, erzählt ein Beschicker. Offiziell, aber ironisch, schließen sie sich der Meinung des Weihnachtsmarktchefs an: „Wenn Herr Kohlweyer mit der Veranstaltung zufrieden ist, dann sind wir es auch.“

Dabei hatte er’s, wie er sagt, doch gut gemeint: Die neue Anordnung der Stände war als Rundlauf geplant, der vom Stadthof vorbei an der Krippe Richtung Stadtkirche geht und um das Café wieder zurück. „Ein gescheiterter Versuch“, findet eine Beschickerin.

„Wie es bei uns läuft, interessiert keinen“

„Wie es bei uns läuft, interessiert keinen“, macht ein anderer „Verbannter“ seinem Ärger über den schlechten Stellplatz Luft. Lief es in den vergangenen Jahren schon auf dem Hugenottenplatz nicht so, wie es sich die Beschicker gewünscht hätten, ist es in diesem Jahr noch schlimmer. „Der Umzug hat uns vom Regen in die Traufe gebracht“, erzählt eine Frau, die in den ersten drei Wochen weniger als die Hälfte vom Vorjahr eingenommen hat. Der Besitzer des Süßwarenstands sagt, er sei fast den ganzen Tag alleine an seinem Wagen. Mit einem dicken Rätselbuch in der Hand – er hat bereits das fünfte angefangen – steht er vor seinem Stand. „Ich wollte nach der ersten Woche schon wieder abbauen, so schlecht lief es.“ Doch wegen der Stammkunden sei er geblieben.

Auch bei den benachbarten Ständen läuft es nur dank der Stammkundschaft. „Wir sind total abgeschnitten, die Ecke wird nicht belebt“, beklagen sie sich. Nichtsdestotrotz sind sie sich einig, dass sie nächstes Jahr wiederkommen. „Der Offenbacher Weihnachtsmarkt hat Potenzial, nur müsste mehr passieren“, lautet das Fazit der „Verbannten“. Eine Verlängerung des Markts ist für sie folglich unvorstellbar. An dem Neujahrsmarkt, der direkt nach Weihnachten bis zum 8. Januar geht, beteiligen sich nur die Beschicker, die ihre Stände auf dem Aliceplatz und im Stadthof haben.

Das sagen die Beschicker

Siggi Scham

Siggi Scham (Holzofenbäckerei): „Wir haben seit elf Jahren immer unseren Stand auf dem Aliceplatz und sind sehr zufrieden. Für uns lohnt sich der Weihnachtsmarkt jedes Jahr. Obwohl in der vergangen Woche deutlich weniger Besucher kamen.“

Andreas Bohn

Andreas Bohn (Kinderkarussell): „Am ersten und dritten Adventswochenende hatten wir viele Besucher, und das Karussell fuhr nie alleine. Bei dem schlechten Wetter kommen aber nur wenige Eltern mit ihren Kindern auf den Markt.“

Marion Bertsch

Marion Bertsch (Knoblauchbrot): „Bis der große Regen kam, lief für uns alles bestens auf dem Weihnachtsmarkt. Aber das Wetter können wir nicht beeinflussen. Bis zum Ende werden wir wohl das gleiche Ergebnis wie 2010 einfahren.“

Sandra Eberhardt

Sandra Eberhardt (Süßwaren): „Das Geschäft lief leider nicht so, wie wir es uns gewünscht hatten. Zwar war das erste Wochenende gut, aber das reicht nicht. Denn danach war unser Stand nicht mehr so gut besucht. Jetzt hoffen wir auf die letzte Woche.“

Roswitha Wenzel

Roswitha Wenzel (Glühwein): „Im letzten Jahr standen wir auf dem Hugenottenplatz. Der Stadthof, wo wir jetzt sind, ist zwar besser, wir sind mittendrin, aber unsere Stammkunden mussten uns erst suchen. Sie haben uns aber gefunden.“

Rubriklistenbild: © Georg

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