Tradition wiederbelebt: Wein aus Offenbacher Anbau 

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Eine offene Tür mit vielen Köstlichkeiten dahinter: Claudia Gibbert empfängt im hauseigenen Verkaufsraum gern Kunden.:

Offenbach - Offenbach ist viel: Lederstadt, Kreativstadt, Wetterstadt. Aber eine Weinstadt ganz sicher nicht. Oder? Und ob! Im Rumpenheimer Maingau wächst und gedeiht er, Offenbacher Wein der Sorte Müller-Thurgau. Von Veronika Schade 

Knapp 300 Liter davon produziert Familie Gibbert auf ihrem Weingut im Jahr. Ein Leben ohne Wein ist für Gibberts nicht vorstellbar. Obwohl Wolfgang Gibbert, Spross einer Winzerfamilie aus Zell an der Mosel, eigentlich gar keinen Wein herstellen wollte. Er lernte den Beruf des Maschinenbauingenieurs, ließ sich vor mehr als 20 Jahren mit seiner Familie in Offenbach nieder. Doch der Wein holte ihn an unvermuteter Stelle wieder ein. Als er und seine Frau Claudia einen Garten in Rumpenheim erwarben, erregte die Bezeichnung des Flurstücks ihre Aufmerksamkeit: An den Weingärten. „Wir haben den damaligen Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel kontaktiert, um herauszufinden, was es damit auf sich hat“, erinnert sich Claudia Gibbert. Recherchen ergaben, dass sich dort im Mittelalter zur Zeit Karls des Großen Weinstöcke befanden, bewirtschaftet von Mönchen des Klosters Lorsch. Urkundlich erwähnt ist dies im Lorscher Kodex von 770, dessen Abdruck Gibberts den Käufern zum Wein dazugeben.

Der Winzersohn entschied sich, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. „So ganz ohne Wein geht es doch nicht, und es ist für ihn der beste Ausgleich zur Arbeit im Büro“, erzählt seine Frau lächelnd. An der Mainschleife herrscht ein besonders mildes Klima mit viel Sonne. Der Boden enthält viel Lehm. „Proben ergaben, dass die Rebsorte Müller-Thurgau sich am besten eignet“, so die 58-Jährige. 99 Weinstöcke besitzt die Familie in Rumpenheim. Zum ersten Mal dort gelesen hat sie im Jahr 1998.

„In drei bis vier Stunden Teamarbeit mit Familie und Freunden ist die Weinlese geschafft. Das hat sich toll eingespielt“, berichtet Claudia Gibbert. Anschließend fährt ihr Mann mit den geernteten Trauben zum Keltern an die Mosel. Dort reift der gute Tropfen im Eichenfass. So entstehen bis zu 300 Liter Offenbacher Wein. Nur in einem Jahr hatten Gibberts richtig Pech: „Wir mussten damals die Trauben hängen lassen, weil sie von Ungeziefer angestochen waren. Der Wein daraus wäre wie Essig.“ Zum Glück die Ausnahme.

Ob als Fimengeschenk, auf Wunsch mit individuellem Etikett, als Getränk für Lokalpatrioten oder besonderes Mitbringsel – die Nachfrage nach Wein aus Rumpenheim ist groß. Gerade in der Vorweihnachtszeit hat der kleine Familienbetrieb gut zu tun. „Da sitze ich schon mal bis spät abends und klebe Etiketten“, sagt Gibbert. Aber die Arbeit macht ihr sichtlich Freude, wie auch das Verkaufen im hauseigenen Lädchen in der Straße Am Pfortengraben in Rumpenheim. Ein netter Plausch mit den Kunden gehört dazu. Der Weinanbau beherrscht den Jahresablauf. Zu tun ist immer etwas. „Unsere Kinder und deren Ehepartner interessieren sich auch dafür“, freut sich Gibbert. So geht es in der Freizeit nicht nur in den kleinen Weingarten am Main, sondern regelmäßig an die Mosel, wo die Familie mittlerweile weitaus mehr Weinstöcke besitzt und Riesling anbaut. Aus diesem entsteht Wein, Sekt sowie Secco. Oder leckere Marmelade.

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