Vom Geschmack undvom guten Schmecken

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Weiß? Rot? Rosé? Der Schwarzglas-Test stellt Geschmacks- und Geruchsnerven auch erfahrener Weintrinker auf eine harte Probe

Offenbach - Der Geschäftsführer der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) ist ein Offenbacher. Also schwingt Lokalpatriotismus mit, wenn Dr. Reinhard Grandke Offenbach, „als eines der Geschmackszentren Deutschlands“ preist. Von Thomas Kirstein

Als er am frühen Donnerstagabend in der Sparkassen-Hauptstelle 20 Teilnehmer einer von DLG und Offenbach-Post angebotenen „Geschmacksschule“ begrüßt, weiß er noch nicht, dass sich die sensorischen Fähigkeiten der Gruppe als überdurchschnittlich herausstellen sollen: Beim so genannten Schwarzglas-Test entlarvt eine Mehrheit korrekt den jeweiligen Inhalt als Rot-, Weiß- oder Roséwein. Ein Versuch, bei dem oft selbst versierte Food-Journalisten versagen sollen.

Ein „DLG-Geschmackszentrum“ ist Offenbach aber auch, weil hier die Prüf- und Qualitätssiegel der Organisation der deutschen Agrar-und Ernährungswirtschaft (Hauptsitz in Frankfurt, 1885 vom Sprendlinger Max Eyth gegründet) gedruckt werden.

Bilder von Wein und Schokolade

Wer kann Rot-, Weiß- oder Roséwein auseinanderhalten?

Jörg Siebert ist der Hersteller der Etiketten, zudem Weinhändler und Vorsitzender des OFC-Aufsichtsrats. Er gehört zu den ausgesuchten Teilnehmern. Unter der Prominenz finden sich auch Reinhard Grandkes Bruder Gerhard, Ex-Oberbürgermeister und jetziger Sparkassenpräsident für Hessen-Thüringen, sowie Sparkassenchef Guido Braun. Zehn Leserinnen und Leser aus Stadt und Kreis haben sich den Abend durch erfolgreiche Teilnahme an einem Gewinnspiel verdient. Zwei Stunden soll das Erlebnis rund um die für viele vielleicht ungewöhnliche Verbindung „Wein und Schokolade“ dauern. Es werden unterhaltsame vier.

Das liegt nicht allein am Verkosteten, sondern besonders am Vermittler. Stephan Schöller, Oenologe und Freizeitwinzer, gilt deutschlandweit als einer der kompetentesten Sensoriker, also jener Fachleute, die aufgrund von Geschmack, Geruch, Tastsinn und Aussehen die Qualität von Lebensmitteln prüfen können.

350 Rezeptoren für eine Million verschiedene Düfte

Den Offenbachern bringt er unterhaltsam die theoretischen Grundlagen näher, wie der Mensch Lebensmittel mit all seinen Sinnen erfährt und dass er etwa 350 Rezeptoren für eine Million verschiedene Düfte besitzt. Maiglöckchen - übrigens der Lockstoff für männliche Spermien - erkennen die meisten Teilnehmer bei einem kleinen Test; sie lernen, dass es unmöglich ist, mit geschlossener Nase Zimt als Bestandteil einer Mischung mit Zucker zu identifizieren. Nach dem erwähnten Schwarzglas-Test führt Schöller ein in die Unterschiede zwischen edler Schokolade und Massenware, bevor die vielfältigen Aromen deutscher Spitzenweine zu erschmecken sind. Man erfährt, warum das in Oechsle gemessene Mostgewicht der Trauben kaum mehr als geeigneter Qualitätsindikator für den späteren Wein gilt und wie schwer es Neuzüchtungen von Reben wie der verkostete Cabernet-Blanc haben, staatliche Anerkennung zu erhalten.

Bei der Kombination von Wein - kredenzt wird eine Vielfalt vom Mosel-Riesling bis zum seltenen Goldmuskateller - und Schokolade dürfen sich die Geister dann gern scheiden. Ob eher Ergänzung oder Kontrast den Gaumen entzücken, bleibt, um was es im Grunde genommen den ganzen Abend gegangen ist: reine Geschmackssache.

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