Weiter die Historie bewahren

Offenbach - Ein Leben lang rot und weiß! Das ist das Motto der OFC-Fans. Neben dem Fußballstadion gibt es für sie eine weitere Pilgerstätte: Das Kickers-Fan-Museum. Zu diesem haben sie es jetzt nicht mehr ganz so weit. Von Martin Kuhn

In Stadionnähe hat das „einzige privat geführte Vereinsmuseum europaweit“ eine neue Heimat gefunden. Annähernd 500 Anhänger kamen bei bestem Pfingstwetter am Sonntag zur offiziellen Eröffnung. „Eine imposante Menge“, so Oberbürgermeister Horst Schneider. Neben vielen Reden und Anekdoten gibt’s natürlich die obligatorische Stadionswurst, Gerstensaft aus Plastikbechern und eine rot-weiße Botschaft: die Offenbacher Fankultur lebt.

Die Bremer-Arbeiter haben frei, am Stadion stehen Fans. Sie lunzen durch den Zaun, begutachten den Fortschritt. An diesem Morgen ist’s für die Rot-Weißen nur ein Zwischenstopp. Es zieht sie nach Bieber, genauer: zum neuen Kickers-Fan-Museum. Das öffnet nach elf Wochen und gut 3000 Stunden Arbeit in der Aschaffenburger Straße 105. Wo sich Menschen bräunten, dominiert nur noch ein Farbton: rot. Aus dem Sonnenstudio ist ein Fußballmuseum entwachsen. Zur Begrüßung rocken vom Band Prollhead! „Die Bild hätte Erwin fast gekillt“ vom legendären Sampler „Hier spricht der Bieberer Berg“, erwartungsfroh rücken die Treuen zur Eingangstür, die zunächst verschlossen bleibt.

Bilder von der Eröffnung

Eröffnung des Kickers-Fan-Museums

„Während des Umbaus waren Tugenden gefragt, die Fans auch auf dem Platz erwarten: Kampf und Leidenschaft“, sagt Darrin Oliphant. Dafür spenden Gäste viel Applaus. Der Vorsitzende des Fördervereins erinnert an die Anfänge im März 2007, als in der Goethestraße das Fan-Museums öffnet und rasch zum Treffpunkt wird – zum plauschen, staunen, recherchieren. Am Ziel hat sich mit dem Umzug nichts geändert: „Wir wollen die Historie bewahren; von Fans für Fans.“

Asse von einst: Herrmann Nuber gehört zu den ersten Besuchern des neuen Kickers-Fan-Museums.

Das würdigt viel Prominenz – etwa die stellvertretende Parlamentschefin Grete Steiner, Landtagsabgeordnete Heike Habermann, Bürgermeisterin Birgit Simon, Sportkreis-Vorsitzender Peter Dinkel, OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt, OFC-Ehrenspielführer Herrmann Nuber und Barbara Klein, Gattin des verstorbenen Ehrenpräsidenten, „der das Museum viel, viel lieber eröffnet hätte als ich und auch die passenderen Worte gefunden hätte“. So obliegt es Barbara Klein, das rote Band zu durchtrennen. Für den ewigen Sammler und Museumswart Thorsten Franke hat sie freilich etwas dabei: ein paar OFC-Sandalen. Unikate, die Fred „Itzer“ Johl 1996 für Klein entworfen hatte, um das Sortiment im Fan-Shop zu erweitern.

Zahlreiche traditionsbehaftete Mitbringsel

Es gibt weitere Mitbringsel fürs Museum: Mike Grünewald hat ein Trikot von Sigi Held dabei, das der Nationalspieler der damaligen Nachwuchskraft überlässt. Der ehrenamtliche Stadtrat Jürgen Lassig überreicht ein Portraitkarte der 59-er Endspielteilnehmer mit Autogrammen, die er als junger Bursche in den Messehallen ergattert. Aus der heimischen Schublade wandert sie ins Museum.

Und Frank Schwarzhaupt überbringt Unterlagen, die das Spiel der Offenbacher Kickers gegen Hessen Kassel am 23. Oktober 1966 dokumentieren. Eine denkwürdige Begegnung. Herrmann Nuber wird vor dem Match für 500 Spiele im OFC-Trikot geehrt und im Verlauf der Partie des Feldes verwiesen – die einzige rote Karte in seiner langen Karriere. Bericht des Schiedsrichters, Stellungnahme der Linienrichter und des OFC-Vorstandes sowie Urteil des süddeutschen Fußballverbandes sind nun nachzulesen. Kommentar des Idols: „Es waren nur vier Wochen Sperre. Danke schön.“

Danach geht’s ins rot-weiße Reich, das – ohne große bauliche Veränderungen – in „Kabinen“ die einzelnen OFC-Epochen aufleben lässt. Wie lange? Das ist ungewiss. Fans und Verein bekunden als gemeinsames Ziel: „Wir wollen das Museum endgültig nach Hause holen. An den Berg.“

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