Helfende Hände weiter gesucht

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Ingrid Wagner koordiniert in Offenbach die Arbeit des bundesweiten Projekts „wellcome“.

Offenbach - „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben. “ Dieses Zitat von Hermann Hesse schmückt die Rückseite des Faltblatts von „wellcome – Praktische Hilfe für Familien nach der Geburt“. Von Tanja Duda

Seit mehr als zehn Jahren gibt es „wellcome“. Wobei die Einrichtung, die sich bewusst mit doppeltem „l“ schreibt, mittlerweile in ganz Deutschland vertreten ist. Seit Dezember 2010 bietet auch die Evangelische Familien-Bildungsstätte in Offenbach Hilfe für frisch gebackenen Eltern an und unterstützt sie beim Start in den neuen, nicht immer einfachen Alltag. Denn mitunter gesellt sich zur Freude über das Baby auch die Überforderung. Wenn etwa die Großeltern in einer anderen Stadt wohnen, die Freunde im Urlaub sind oder der Partner auf Geschäftsreise ist, kann jungen Eltern dann schon mal die Situation über den Kopf wachsen.

In diesen Fällen kann „wellcome“ helfen. „Die Resonanz ist gut“, verrät Koordinatorin Ingrid Wagner, in Offenbach vor allem als engagierte Fluglärm-Gegnerin bekannt. Sie organisiert, plant und leitet das Projekt. Seit seinem Start hat der Offenbacher wellcome-Ableger 32 Familien geholfen. Zurzeit unterstützen 23 Helfer überforderte Familien, deren Kinder zwischen einem und zwölf Monate alt sind. Zusätzlich stehen immer vier weitere Ehrenamtliche für den Notfall auf Abruf bereit.

Ob alleinerziehende Mamas keine Zeit zum Einkaufen finden, junge Pärchen mit der gesamten Situation belastet sind, Eltern nicht wissen, wann sie mit größeren Geschwistern auf den Spielplatz gehen sollen -- wer Unterstützung benötigt, ruft Ingrid Wagner an und lässt sich einen helfenden Engel vermitteln.

Auf Spenden angewiesen

Das Ganze kostet für Familien nur so viel, wie sie aufbringen können. Null bis fünf Euro die Stunde sind die Regel. Das Geld fließt in die Arbeit der Einrichtung, „Es ist noch kein Minusgeschäft, und so soll das bleiben. Deswegen sind wir auf Spenden angewiesen“, erzählt Ingrid Wagner.

Wer Interesse an ehrenamtlicher Hilfe von „wellcome“ hat oder selbst helfen möchte, meldet sich telefonisch bei Ingrid Wagner (069/885159) oder sendet eine E-Mail an offenbach@wellcome-online.de. Weitere Informationen zu dem Projekt sowie zu Spendenmöglichkeiten gibt es im Internet.

Helfende Hände werden bei „wellcome“ immer benötigt. Doch bevor jemand ehrenamtlich tätig werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. „Ich überprüfe die Personen vorher“, versichert Wagner. Sie schaut sich das Führungszeugnis an, führt ausgiebige Gespräche mit den angehenden Engeln und weiht sie ein in das Wissen über Kinderkrankheiten oder das richtige Tragen der Säuglinge. Erst wenn sich Koordinatorin Wagner sicher ist, nimmt sie die Ehrenamtlichen in ihre Liste auf und vermittelt sie an Familien.

Dabei freuen sich nicht nur Eltern über Hilfe. „Den Ehrenamtlichen selbst bringt das oft viel“, erzählt Wagner. Manchmal entstünden sogar wahre Freundschaften über einen langen Zeitraum. „Die Familien kommen oft ohne Lächeln rein, gehen aber immer mit einem Lächeln aus dem Projekt wieder raus“, sagt sie.

Wagner ermuntert Eltern, sich zu melden, wenn Hilfe benötigt wird. Sie weiß: Angst und Hemmungen sind oft stärker als ein einfacher Griff zum Telefon.

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