Berufsfischer sollen Wels fangen

Jagd auf den Küken-Killer

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So hätte es der Fotograf gestern gern gehabt: Kaum ist die Kamera im Anschlag, taucht wie der Weiße Hai im Film der Westend-Wels auf aus den bescheidenen Tiefen des Dreieichweihers. Leider macht’s nur Photoshop so möglich.

Offenbach - Nachdem der ursprünglich mit der Wels-Jagd beauftragte Angelsportverein Neptun sich von Tierschützern unter Druck gesetzt gefühlt hatte und deshalb von seiner Aufgabe zurückgetreten ist, will die Stadt dem Küken-Killer vom Dreieichweiher nun mit Berufsfischern zu Leibe rücken. Von Marian Meidel

Die Aufregung um den Problem-Wels im Dreieichweiher nimmt einfach kein Ende. Wie berichtet, hat das Tier seit seiner ersten Sichtung 2017 sämtliche Fische des Weihers gefressen und sich unlängst – vom Hunger getrieben – sogar Entenküken einverleibt. Doch der Angelsportverein Neptun, den die Stadt daraufhin mit dem Fang des Fisches beauftragte, machte am Donnerstag kurzfristig einen Rückzieher, nachdem er sich von Tierschützern unter Druck gesetzt fühlte. Nun sollen sich Berufsfischer der Wels-Jagd annehmen.

„Möglich wären eine Elektrobefischung oder die Entnahme mit dem Netz“, meint Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer die zur Verfügung stehenden Optionen. Bei der Elektrobefischung wird, wie der Name bereits impliziert, im Wasser ein elektrisches Feld erzeugt. Der Stromschlag betäubt die Fische.

Offenbachs Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach und ihre Mitarbeiter müssen sich nach dem Rückzug der Neptun-Angler überlegen, wie der Küken-Killer unschädlich gemacht wird.

Vor kommendem Montag, 9. Juli, wird laut Stadt damit jedoch niemand beauftragt – und die Zeit wird knapp. Der Wels hat bereits alle bis auf zwei Küken im Weiher vertilgt. „Danach wird er verhungern oder sich als Raubfisch die nächste mögliche Beute suchen“, so Holzheimer. Und genau hier liegt der Knackpunkt bei den Forderungen der Tierschützer, die sich unlängst zum Thema äußerten. Von der Organisation Peta hieß es unserer Redaktion gegenüber: „Wir möchten, dass der Wels aus dem Weiher in den Main umgesetzt wird.“ Dass dies geschieht, ist nicht nur unwahrscheinlich – die Obere Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Kassel hat sich explizit gegen diese Variante ausgesprochen – sondern wäre auch unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes unsinnig.

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Bei den vom Wels bedrohten Stockenten und Teichhühnern handelt es sich nämlich um nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten (Kategorie: Vorwarnliste). „Der Wels unterliegt hingegen keiner Schonzeit und darf ganzjährig gejagt werden“, erklärt Heike Hollerbach, Chefin des Umweltamtes.

Darüber, dass der Fisch aus dem Weiher an der Parkstraße muss, sind sich indes alle einig. Dort würde er nämlich langfristig in jedem Fall verhungern.

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