Aufregung nimmt nicht ab

Wels-Pilger treffen sich am Weiher

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Wo versteckt er sich nur, der dicke Wels? Vera Böck-Sauer will unbedingt ein Foto vom Fisch schießen.

Offenbach - Die Aufregung um den kükenfressenden Wels im Dreieichpark-Weiher nimmt nicht ab. Täglich schauen Bewohner der Gegend rund um die städtische Grünanlage nach dem Rechten. Von Tamara Schempp 

Die Wels-Pilger wollen schon länger beobachtet haben, wie dort der Wasservogel-Bestand langsam schwindet. Helga Mayer klagt: „Die Stockenten und die Teichhühner werden immer weniger. Der Wels hat die geschluckt!“ Die 77-Jährige fährt täglich mit dem Fahrrad ihre Runden um den Teich. Was mit dem Fisch passiert, sobald er das Wasser verlassen muss, ist ihr ziemlich egal. „Der gehört hier nicht rein. Aber ich würd’ ihn nicht essen aus dem modrigen Wasser“, sagt sie lachend.

Auch Vera Böck-Sauer und ihr Mann Herbert radeln regelmäßig zum Gewässer, um ja nicht den Moment zu verpassen, in dem der Küken-Killer auftaucht und das nächste unschuldige Tier verspeist. Dafür steht die Offenbacherin auch mal eine halbe Stunde mit dem Fotoapparat am Teich: „Ich möchte den Wels sehen und das festhalten!“ In der Offenbach-Post hat sie dann aber gelesen, dass das bis zu 1,50 Meter lange Tier nur nachts aktiv ist. Wenn es nach ihr geht, kann er ruhig weiter im Moder lauern – „auch wenn er sich nicht blicken lässt.“ Ihr Mann Herbert will den Fisch lieber im Main sehen. Die Gattin widerspricht vehement. „Im Main ist es nicht so schön wie hier“, sagt der Fisch-Fan.

Auf der anderen Seite des Teichs sitzen zwei Angler auf der Bank und philosophieren darüber, was mehr wert ist: das Leben eines Fischs oder das eines Kükens? Beides habe schließlich seine Berechtigung, schlussfolgern die beiden nach gründlicher Überlegung.

Der Fisch-Tourismus boomt. Ob die Stadt das fürs Marketing nutzt? „Der Dreieichpark und sein Weiher sollen ja irgendwann saniert werden“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer. „Da wäre es natürlich schön, wenn viele Leute herkämen.“ Vielleicht wird ja bald Eintritt verlangt: 1,50 Euro fürs Wels-Watching.

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