Die Welt besser machen

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Auch das gehört für Jennifer Jung zur Betriebsratsarbeit: Am Internationalen Frauentag verteilt sie im Betrieb rote Rosen an ihre Kolleginnen wie hier an Constanze Erhardt und Hannelore Faul.

Offenbach ‐ Gehört das Anziehen von Schutzkleidung zur Arbeitszeit? Kann mir wegen einer Meinungsverschiedenheit mit dem Chef gekündigt werden? Ist einmaliges Zuspätkommen ein Grund für eine Abmahnung? Es sind solche und ähnliche Fragen, mit denen sich Arbeitnehmer an ihren Betriebsrat wenden. Information und Beratung der Kollegen zählen zu den wichtigsten Aufgaben. Von Simone Weil

Demokratie im Betrieb schützt die Arbeitnehmer vor unternehmerischer Willkür und sichert den Betriebsfrieden. Das jedenfalls meint Jennifer Jung, die gerade für eine zweite Amtszeit in das Gremium der betrieblichen Mitbestimmung bei Dematic gewählt wurde. Die Wahlen finden seit 1. März noch bis Ende Mai in den meisten deutschen Betrieben statt. „Unbedingt wählen gehen“, lautet deswegen auch die Devise der Ehrenamtlerin.

Bei ihrer ersten Kandidatur vor vier Jahren machte die Industriekauffrau mit 22 Jahren ihrem Nachnamen alle Ehre. Doch Angst vor den alten Hasen hatte sie trotzdem nicht. Weil sie sich zuvor in der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Dematic engagiert hatte, kannte sie bereits einige Spielregeln. Und vor allem brachte sie ein „starkes Ungerechtigkeitsempfinden“ mit.

Die Angestellte lernte bereits während ihrer Ausbildung, dass sie alleine wenig ausrichten kann: Die Lehrwerkstatt sollte geschlossen werden. Das konnten die Lehrlinge zwar auch gemeinsam nicht verhindern, aber sie erreichten immerhin, dass es Fahrkostenzuschüsse und andere Erleichterungen gab, die den Nachteil des weiteren Wegs nach Frankfurt ein wenig ausglichen. „Das ging nur mit der Gemeinschaft im Rücken“, lautete die Erkenntnis der jungen Frau.

Offen für Gespräche mit den Kollegen

„Ich kann nur etwas verändern, wenn ich es selber tue“, heißt das Credo der 26-Jährigen. Deswegen ist ihr Engagement im Betriebsrat für sie eine absolute Selbstverständlichkeit. „Ich muss auch eine gute Arbeit gemacht haben, sonst hätte ich nicht das zweitbeste Ergebnis bekommen“, nimmt sie an.

Was sie anstrebt, ist, ihr Engagement transparent zu machen und offen für Gespräche mit den Kollegen zu sein. „Ich sage auch unbequeme Sachen, das fällt mir auch nicht immer leicht“, gesteht Jennifer Jung. Ihr ist klar, dass sie sich mit ihrer Betriebsratsarbeit nicht nur Freunde macht. Doch das hält sie aus. Wenn es ihr nicht auch Spaß machen würde, sich für die Belange der Beschäftigten einzusetzen, könnte sie sich wohl kaum so einbringen, glaubt die junge Frau. Doch es gab auch Stimmen, die sie mahnten, auf sich gut aufzupassen, um nicht hinten runterzufallen.

Ziel: Die Welt ein bisschen besser machen

Vor allem die gewerkschaftliche Arbeit in der IG Metall habe sie sehr gefestigt, meint die Dematic-Mitarbeiterin. Engagement in der Gewerkschaft und im Betriebsrat gehört für sie unbedingt zusammen. Denn die Interessensvertretung sei das eine, die politische Ebene, auf der etwas bewegt werde, eben eine andere. Jennifer Jung: „Man muss sich organisieren, alles andere hilft nicht.“

Deswegen hat die Aktivistin auch innerhalb der IG Metall einige Ämter übernommen: Sie mischt im Ortsvorstand mit, im Ortsjugendausschuss und der Delegiertenversammlung. Da ist es fast ein wenig verwunderlich, dass trotz alledem noch Zeit bleibt für ihren Freund, den Freundeskreis, die Familie und Hobbys wie Schwimmen und Ausgehen.

Das erklärte Ziel der jungen Frau aber ist und bleibt, „die Welt ein bisschen besser zu machen“. Deswegen ist sie gedanklich und praktisch längst dabei, die Gewerkschaftsveranstaltung zum Tag der Arbeit am 1. Mai in Offenbach mitzuorganisieren.

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