Um die Welt und noch viel weiter

+
Freuen sich über den Start des Projekts: „Die Kulturentdecker“. Dank einer Spende des Rotary Clubs und mit Hilfe der Bürgerinitiative werden neun Kinder aus der östlichen Innenstadt zu Kulturexperten.

Offenbach ‐ Kein großes Schiff wartet im Hafen. Keine riesigen Rucksäcke stehen gepackt im Foyer des Ledermuseums, ausgerüstet mit Kompass, Proviant und Reisetagebuch. Die erste Entdeckungsreise der neun Jungen und Mädchen aus der Mathildenschule beginnt mit Theorie. An einem großen Tisch im Ledermuseum. Von Katharina Platt

Die so gar nicht nach Abenteuer aussehende Szenerie markiert den Beginn des Projekts „Die Kulturentdecker“. Gestern überreichten Gerd Petermann, Peter Overmann und Roland Walther vom Offenbacher Rotary-Club den Projektleitern Peter Ambros und Paula Kuhn 5.000 Euro für das sozial-kulturelle Format, das Kindern aus einkommensschwachen Familien kulturell auf die Sprünge helfen soll.

Den neun Kindern aus der östlichen Innenstadt stehen spannende Zeiten bevor. Schon in zwei Wochen geht es nach Frankfurt, ins Kindermuseum. Dort wird Papier geschöpft. Auch das Senkenbergmuseum, der Patershäuser Hof, ein Theater und der Palmengarten gehören zu den anvisierten Ziele der kleinen Forscher. Jeder Ausflug wird theoretisch vorbereitet. Die Kinder malen, basteln und lesen in Büchern, was sie in den Museen und bei den Spezialisten, die sie besuchen, erwartet. „Bei den Führungen kann dann auf das gesammelte Wissen eingegangen werden“, sagt Projektleiterin Paula Kuhn. Mit dabei sind die Pädagoginnen Rabia Simsek und Silvia Wotte.

Wichtig, gemeinsame Basis zu schaffen

Auf dem Tisch im Museum liegen Muskatnüsse und Litschis. Ein Einmachglas ist gefüllt mit schwarzen und roten Pfefferkörnern. Paula Kuhn lässt es rumgehen und die Acht- bis Zehnjährigen stecken zum Schnuppern ihre Nasen hinein. Währenddessen lauschen sie den Worten der Projektleiterin, die aus Christoph Kolumbus´ Logbuch liest. Nicht lange müssen die Kinder still sitzen. Mit Jens Lay besuchen sie die Indianerausstellung im zweiten Stock. Von dem Museumspädagogen erfahren sie, dass Kämpfer für ihre Tapferkeit und ihre Stärke Federn als Kopfschmuck bekamen. Im Anschluss darf jedes Kind etwas aus Leder basteln.

Und am Ende des Tages haben die Kinder etwas entdeckt, das sie zuhause wahrscheinlich nicht aufgespürt hätten, denn häufig fehlen den Eltern das Geld für Besuche im Theater oder im Museum. Dass die Aktion hochkulturell sein soll, war Wunsch der Rotarier. Sie erhoffen sich eine möglichst große Wirkung. „Es ist wichtig, eine gemeinsame Basis zu schaffen“, sagt Peter Overmann. „Das sind Kultur und Sprache.“

Peter Ambros, Sprecher der Bürgerinitiative der östlichen Innenstadt, stimmt zu. „Kulturelle Erfahrungen können ein Leben lang prägen.“ Bewusst hat sich der Rotary Club die östliche Innenstadt ausgesucht. Auf engem Raum leben hier viele einkommensschwache und bildungsferne Familien. „Wir haben Kinder ausgesucht, die gefördert werden müssen.“ Alle neun Teilnehmer besuchen die Hausaufgabenhilfe. „Wir wollen diesen Kindern Dinge ermöglichen, zu denen ihnen sonst der Zugang fehlt.“

Kommentare