Welt-Roboter-Olympiade

Triumph und Tränen bei den Tüftlern

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Galaktische Konstruktionen entwickelten die Schüler am Samstag in der vorgegebenen Zeit. Nicht immer lief dabei alles reibungslos.

Offenbach - „Wahnsinnig schwer“ und „sehr anspruchsvoll“ – die ersten Reaktionen der Tüftler, Denker und Konstrukteure sind eindeutig. Einen derart hohen Schwierigkeitsgrad haben sie nicht erwartet. Von Harald H. Richter

Aber sie wollen ihr Bestes geben und machen sich an den Arbeitstischen ans Werk. Die 16- bis 19-jährigen Schüler bauen Lego Mind-storms-Roboter, die auf der Erdumlaufbahn ausgefallene Satelliten und Trümmerteile finden und zum Recyceln in die Weltraumfabrik schaffen sollen. Die Altersklasse 13 bis 15 konstruiert aus derselben Produktserie elektronisch gesteuerte Geräte, mit deren Hilfe beschädigte Solarmodule ausgetauscht und Wartungsarbeiten erledigt werden können. Und selbst den Acht- bis Zwölfjährigen wird einiges abverlangt. Die Jüngsten sollen Apparate programmieren, die Elemente einer Rakete zur Abschusszone bringen, die Geschosse zusammenbauen, zum Start positionieren und selbstständig in die Sicherheitszone fahren.

Die Albert-Schweitzer-Schüler Nabil, Fabio und Arber starteten bei den „Seniors“, erwiesen sich wie ihre Schulkameraden aber als gute Gastgeber und ließen anderen den Vortritt.

Knapp zwei Dutzend Teams sind in der Volker-Heim-Sporthalle der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) angetreten, um sich fürs Deutschland-Finale der Welt-Roboter-Olympiade (WRO) nächsten Monat in Dortmund zu qualifizieren. Die ASS als Gastgeber des offenen hessischen Landesentscheids ist in jeder Altersklasse mit einer Mannschaft vertreten. „Daneben stellen sich weitere Teams aus dem Rhein-Main-Gebiet sowie Gießen und Limburg der Herausforderung“, freut sich Informatiklehrerin Eva Segeritz, in deren Händen die Organisation des Wettstreits liegt. Sogar aus Baden-Württemberg, dem Saarland und Bayern messen sich Informatikbegeisterte mit gleichaltrigen Tüftlern.

In Deutschland gibt es die WRO seit 2009. Vor drei Jahren übernahm der Verein „Technik Begeistert“ aus Fröndenberg/Ruhr offiziell die Organisation der von IBM unterstützten Veranstaltungsreihe, an der 2014 bundesweit mehr als 800 Kinder und Jugendliche in mehr als 270 Teams teilnehmen. „An 14 Standorten im Bundesgebiet werden in diesen Wochen Entscheide ausgetragen“, verrät Diplom-Mathematikerin Käthe Engler, die auf IBM-Seite die Fäden zusammenhält. Das IT-Unternehmen stellt bei den Qualifikationsturnieren die Schiedsrichter.

Der Anblick aufgeklappter Laptops, Konstruktionsblätter und hunderter Bauteilchen auf den Tischen mutet für Außenstehende chaotisch an. In Wahrheit aber wird methodisch und hoch konzentriert vorgegangen. 150 Minuten haben die Mädchen und Jungen zunächst in der ersten Bauphase Zeit. Sie können den Arbeitsfortschritt auf den Präsentationsflächen in der Hallenmitte testen, bevor sie vor der Jury einen Leistungsnachweis erbringen müssen. Die besten zwei von vier Durchgängen werden gewertet.

Roboter traut in Japan ein Ehepaar

Roboter traut in Japan ein Ehepaar

Obwohl es Coaches gibt, sind die Teilnehmer für die Dauer des Wettbewerbs größtenteils auf sich gestellt. Hilfen von außen nicht erlaubt. Während es beim Team „AllInMini“ aus Erlenbach richtig gut läuft, klappt es bei Ben, Max und Jannik, die sich „Rodgau Monobots“ nennen, nicht so richtig. Die acht- und neunjährigen Jungs sind als Privatteam angetreten und nicht etwa von ihrer Dudenhofener Grundschule entsandt. Doch da passiert es: Im entscheidenden Moment will ihr Roboter einfach nicht starten. Sie sind untröstlich. „Die ganze Programmierung ist auf einmal weg gewesen“, jammert Ben mit hochrotem Kopf und drückt eine Träne aus dem Augenwinkel. Niedergeschlagen sucht er Blickkontakt zum Papa. Der signalisiert: „Kopf hoch, beim nächsten Durchgang läuft’s besser!“

Die Teams der Schweitzer-Schule müssen den Wettbewerb unter dem Gesichtspunkt des Erfahrungsammelns verbuchen, denn sie haben mit dem Ausgang nichts zu tun. „Spaß gemacht hat es trotzdem“, nimmt der 18-jährige Fabio vom Team „Senior-ASSe“ den letzten Platz nicht tragisch. Anders Jonathan. Verdrossen stapft er nach der Siegerehrung aus der Halle, die Urkunde, die ihn und sein Team als Zweitplatzierte ausweist, in der Hand. „Ich wollte doch einen Pokal“, mault er. Auch mütterlicher Zuspruch besänftigt nicht über den verpassten Sprung aufs oberste Podest.

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