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Weltgrößter Bembel und der passende Faulenzer

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Da muss er rein: Donato Romanazzi und John Lohrmann nehmen in der Offenbacher Schlosserei genau Maß. Der Faulenzer wurde für den offiziellen Pressetermin zu guter Letzt lackiert und mit einer Schicht Patina versehen.

Offenbach - Was für ein Auftrieb fürs Stöffche: Weltrekordbembel, Weltrekordexpress, Weltrekordfaulenzer. Alles beginnt bei einem Gerippte und endet morgen auf dem Frankfurter Rossmarkt. Da unter Stadtrat Markus Frank findet zusammen, was zusammengehört – Bembel und Faulenzer. Von Martin Kuhn

Zur Erklärung für alle, die nicht im schönsten Bundesland geboren sind: Ein Faulenzer ist nicht allein einer, der der Arbeit lieber aus dem Weg geht, sondern in heimischen Ebbelwoiwirtschaften eine Vorrichtung, mit dessen Hilfe die Zecher das einzig wahre Lebenselexier wohldosiert aus einem größeren Bembel ausschenken können.

Rekordverdächtig ist gestern Nachmittag jedenfalls der Auftrieb in der Schlosserei von John Lohrmann, Obermeister und Vorsitzender der Metall-Innung Frankfurt-Offenbach. Da stehen nun Bembel in Transportkiste („Handle with care“) und Faulenzer auf Sockel – und nichts passiert. Die Pressevertreter sind bisschen enttäuscht.  „Kommt schon; hängt ihn rein für die Fotografen...“ John Lohrmann winkt ab: „Nichts gibt’s. Der offizielle Termin ist am Mittwoch.“ Jörg Stier, Vorsitzender des Apfelwein-Centrums Hessen (ach ja: endlich mal eine passende Abkürzung – ACH), und Donato Romanazzi, Manager des Bembel-Projekts, nicken zustimmend.

Steinkrug steht für rekordverdächtige Zahlen

Die Flacheisen wurden kalt gewalzt (oben). Erhebliches Gewicht lastet auf dem Faulenzer, wenn der gefüllte Bembel erst einmal eingehängt ist. Daher wird vorher mit diesem Gerät genau gemessen.

Der Steinkrug steht für rekordverdächtige Zahlen: In Höhr-Grenzhausen, berühmt für seine Tonwaren, formten die Experten einen etwa 1,70 Meter hohen, 300 Kilogramm schweren Bembel, der 690 Liter fasst, die wiederum in 2760 Gerippte – das traditionelle Apfelweinglas – ausgeschenkt werden können. Da klotzen auch die Metallbauer: 400 Kilogramm Stahl, die in verschiedenen Arbeitsgängen zum Faulenzer wurden. Einige Komponenten wurden warm verformt, heißt: Der Stahl wurde mit einer 1300º heißen Flamme auf etwa 800º erhitzt und über einer extra angefertigten Schablone gebogen. Gefragt sind dabei Kraft und Gefühl.

Geselle Steffen Pusch hat mitangepackt und findet’s klasse: „Das Projekt war mal was ganz anderes; Abwechslung von der täglichen Arbeit.“ Hans Joachim Trabold, Innungs-Vorstand, widerspricht keineswegs, hebt allerdings die Vielfältigkeit der täglichen Schlosser-Arbeit heraus und verweist auf den Hausherrn. John Lohrmann steht bereits am nächsten Gerät („Baujahr 1966, jünger als ich...“) und demonstriert, wie Gestell und Ringe des Faulenzers kalt gewalzt wurden. Und etwas Tüftelei gehört wie ein Fitzelchen Wasser zum Apfelwein dazu. Der gewichtige Faulenzer sitzt auf einem Kugeldrehkranz (gut hundert Kugeln). Alles voll beweglich und funktionstüchtig.

Wer’s nicht glaubt, den überzeugt der Obermeister. Wenn schon nicht der Tonkrug eingehängt werden kann, kennt Lohrmann nichts und macht den Bembel-Ersatz. Und wie wird morgen der Bembel eingehängt? Gibt’s einen Plan? „Ich hoffe doch“, ist Jörg Stier zuversichtlich und gibt die Beantwortung der Frage an die Metall-Innung weiter. Deren Chef hat die Sorge, dass der Bembel das nicht übersteht und ein unauslöschbarer Makel an den Offenbachern hängen bleibt.

Der größte Bembel der Welt

Der größte Bembel der Welt

Vom 9. bis 19. August findet das Apfelweinfestival auf dem Rossmarkt statt. Die feierliche Enthüllung des Bembels durch Hessens Wirtschaftsminister ist am Freitag um 18 Uhr.

Die Feinabstimmung folgt, wenn die Pressevertreter weg sind. Lohrmann lässt indes durchblicken: „Stapler, Gurte und Gehänge – das ist mir alles zu viel Risiko. Wir packen das in Handarbeit. Da haben wir viel mehr Möglichkeiten, können alles auf den Millimeter steuern.“ Am Ende dürften sich die 150 Stunden lohnen, die die Metall-Innung in den Faulenzer gesteckt hat. Für die Organisatoren ist das entscheidend: „Einfach toll, wie alle bei diesem Weltrekord-Bembel mitgezogen haben“, so Donato Romanazzi.

Und für Jörg Stier steht der „Krug aus Stein mit ner Zott und en Henkel“ als Symbol für ein Stück hessische Wertschätzung und -schöpfung: „Der Apfelwein ist wesentlicher Bestandteil unserer regionalen Genusskultur. Das ist zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Jeder Hesse würde ihn beipflichten mit einem „Ach, was...“

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