Singen und Tanzen

Weltmusik-Festival: Noten als Universalsprache

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Voll besetzte Stuhlreihen im Büsingpark: Bei Klängen etwa von Musikerin Dijle Yükselir verbrachten die Besucher einen Abend voller internationaler Eindrücke.

Offenbach - Zum zweiten Mal lud der deutsch-türkische Künstlerverein Su Arts zum Main-Weltmusik-Festival. Von Ramona Poltrock

Internationale Musiker, Politiker und Besucher feierten am Samstag im Büsingpark kulturelle Vielfalt und bedienten sich dabei einer Universalsprache, die Menschen überall miteinander verbindet. „Unsere Stadt hat eine unglaubliche Vielfalt an Kulturen, deren gemeinsame Sprache die Musik ist.“ Mit diesen Worten beginnt der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir seine Ansprache im Innenhof des Büsingpalais. Langsam lässt er seinen Blick über das Publikum schweifen und stellt beruhigt fest, „dass wir heute Abend eine Offenbacher Mischung sind“. Diese, so Al-Wazir, sei zwar täglich in der Stadt und auf den Straßen zu finden, weniger häufig aber auf Veranstaltungen.

Mit einer Ausnahme: das Main-Weltmusik-Festival. So musste der gebürtige Offenbacher nicht lange überlegen, als Grüne-Stadtverordneter Mehmet Harmanc ihn nebst OB Horst Schneider vergangenes Jahr bat, die Schirmherrschaft fürs Festival zu übernehmen. Bereits zum zweiten Mal in Folge hatte der deutsch-türkische Künstlerverein Su Arts in Zusammenarbeit mit dem Freundschaftsverein Türkei in Offenbach und Umgebung zum Open-Air-Konzert gebeten. Wie bereits im vergangenen Sommer feierten auch dieses Jahr wieder viele hundert Menschen unter strahlendem Himmel ein fröhliches Fest. Ziel der Veranstaltung ist es, „Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenzuführen und das gemeinsame kulturelle und geistige Erbe zu feiern, zu teilen und weiterzuentwickeln“, so Organisatorin Hülya Güler. Das passende Medium dafür war schnell gefunden: Musik – schließlich sind Noten universell.

Sechs ausgewählte Künstler sprachen an diesem Abend die wohl schönste Sprache der Welt in Perfektion. Neben den lokal bekannten Musikern Vural Güler und Jorge Palomo begeisterten ebenfalls die türkische Sopranistin Dijle Yükselir, die Gruppe Klezmers Techter mit ihrer israelischen Tanzmusik und das persische Ensemble Razbar das Publikum.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Dem politischen Leser dürfte bei der Aufzählung vielleicht aufgefallen sein, was für Konzertbesucher Aykut Tahtali sinnbildlich für die Veranstaltung steht. „Denn wo sonst folgt auf eine israelische problemlos eine iranische Band?“, fragt Tahtali und stellt fest: „Das gibt es nur beim Weltmusik-Festival in Offenbach.“

Bereits vergangenes Jahr gefesselt von der einzigartigen Atmosphäre und der Örtlichkeit, wollten Tahtali und seine Frau Damla sich den multikulturellen Abend auch dieses Jahr nicht entgehen lassen. „Außerdem tritt dieses Jahr wieder Kardes Türküler auf“, fügt er hinzu.

Das weltweit gefeierte Ensemble, dessen Name übersetzt „Lieder der Brüderlichkeit“ bedeutet und unter anderem bei den Grammys 2012 für das beste World Music Album nominiert war, war am Wochenende Anziehungspunkt für viele Konzertbesucher. Als die Gruppe schließlich gegen 22 Uhr auftritt, wird jedem Besucher klar, warum. Die Combo heizt dem Publikum richtig ein. Haben die vorherigen Bands die Menschen zuvor schon von den Stühlen gerissen und zum Mitklatschen und -wippen animiert, gibt’s nun kein Halten mehr.

Fans versammeln sich vor der Bühne, singen und tanzen ausgelassen zu anatolischen Volksliedern. Spätestens jetzt dürfte jedem Skeptiker klar geworden sein, dass das Konzept der Organisatoren aufgeht und kulturellen Grenzen an diesem Abend überwunden sind.

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