Blaue Stunde: „Unsere Erde“ im Freiluft-Kino lockt mehr als 550 Menschen in den Wetterpark

Weltreise in der Holzklasse

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Wer sich an der Schwelle vom Tag zur Nacht in den Wetterpark begibt, weiß, warum es „Blaue Stunde“ heißt. Zum Freiluft-Film „Unsere Erde“ drängten weit mehr als 500 Menschen in den illuminierten Park, wo Enrico Corsano und sein 59-Jahre alter Projektor gute Dienste leisteten.

Offenbach - (mcr) Holzklasse! Zehntausende Kilometer auf etwas, das nicht mal eine verstellbare Rückenlehne hat, das dem Nacken Stiche und dem Hinterteil Pein verspricht? Ein Klappstuhl ist sicherlich erstmal ein denkbar unsympathisches Möbel für eine Weltreise.

Wenn es sich allerdings um eine filmische Umrundung des Planeten von jener Qualität handelt, wie sie Stadt und Deutscher Wetterdienst am Mittwochabend mit mehr als 550 „Passagieren“ beim Freiluft-Kino im Wetterpark zelebrierten, sind die Attribute der Sitzgelegenheit rasch ausgeblendet und die von den Bildern beglückte Seele triumphiert über den Körper.

Im Bordprogramm der „Blauen Stunde“, wie die Initiatoren ihre atmosphärisch stets wertvolle Veranstaltungsreihe an der Schwelle vom Tag zur Nacht überschrieben haben: „Unsere Erde“. Der aufwändig produzierten Naturdokumentation von Alastair Fothergill und Mark Linflied eilt ein dermaßen großartiger Ruf voraus, dass die 400 von der Kulturverwaltung angelieferten Klappstühle schnell vergeben waren. Da rückte Offenbach ohne großes Gehabe zusammen, machte Platz auf selbst mitgebrachten Decken und Liegestühlen, entkorkte ein paar Flaschen und ergötzte sich an den unendlichen Weiten eines Films, der sich seinen Kultstatus verdient hat.

Ihre Reise um den Erdball, für die sie fünf Jahre arbeiteten, führte die Filmemacher Fothergill und Linflied von der Arktis über den Himalaya durch Steppen und Wüsten, die Tropen und Urwälder in das ewige Eis am Südpol. Die Dokumentation zeigt nicht nur seltene Tiere und Pflanzen; sie macht auch deutlich, wie verletzlich Natur ist und welche Schäden unsere Erde nimmt, wenn der Umweltzerstörung nicht Einhalt geboten wird.

Eine Botschaft, der Musiker der Neuen Philharmonie Frankfurt vor dem Film im illuminierten Park mit psychedelischen Klängen den Weg geebnet und für die Wetterparkführer bei Rundgängen entlang der Stationen eine faktenreiche Grundlage beim Publikum geschaffen hatten. In der Pause beleuchtete Ralph Ziegler, Leiter des Offenbacher „Forum Kultur und Sport“, das Problem im Interview mit Gerhard Lux, dem Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Er nannte den ungewöhnlich warmen April ein Warnzeichen für unser Klima. Dem Freiluft-Kino dienten zumindest anfangs milde Temperaturen natürlich eher. Fast alle Besucher blieben bis zum Schluss.

Der verschob sich ein wenig nach hinten, als trotz eines zuvor reibungslosen Probelaufs der Filmton aussetzte. Doch Vorführer Enrico Corsano hatte den Schaden nach zehn Minuten routiniert behoben. Nicht der 59 Jahre alte Projektor war die Ursache gewesen, sondern ein ganz modernes Stromkabel, das nicht entstört war.

So erfolgreich darf es gerne weitergehen. Stadt-Sprecher Matthias Müller: „Die Resonanz macht Mut, dieses Projekt fortzusetzen, auch wenn wir zu Beginn der Veranstaltung alle Blut und Wasser geschwitzt haben“.

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