„Welttag der Meteorologie“

Ostwind und kalte Nasen im Wetterpark

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Raimund Schultz hält ein altes Pyrheliometer in die Höhe, mit dem die Dauer des Sonnenscheins gemessen werden kann. Der war am Samstag Mangelware.

Offenbach - „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…“ Von wegen! Nicht Eduard Mörikes „süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land“, sondern ein scharfer Ostwind pfeift über den Buchhügel und verursacht kalte Nasen. Von Harald H. Richter

Er lässt die unerschrockene Schar, die sich am späten Samstagnachmittag zur Saisoneröffnung beim Stationscontainer des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eingefunden hat, angesichts dürftiger 3,3 Grad Celsius ziemlich frösteln und den Schal noch etwas enger um den Hals schlingen.

Raimund Schultz hat einen Tisch mit diversen technischen Instrumenten aufgebaut, um dem Publikum einen Querschnitt jener Geräte vorzuführen, mit denen früher Temperatur und Niederschlag gemessen, die Wolkenbildung berechnet und Wetterprognosen erstellt worden sind. Auch einige Alben mit Dokumenten und Fotografien hat er griffbereit, wobei er aufpassen muss, dass gelegentliche Böen die mitgebrachten Aufnahmen nicht verpusten.

Beim Deutschen Wetterdienst beschäftigt

44 Jahre war der Diplom-Verwaltungsbetriebswirt aus Rödermark beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach beschäftigt. Inzwischen ist er im Ruhestand, der Meteorologie aber weiterhin verbunden. „Solch einen kalten März hatten wir zuletzt 1986“, erinnert sich Schultz. „Nicht ungewöhnlich“, nennt er das, was dennoch wenig tröstet, und geht in die Geschichte.

Führung durch den Wetterpark Offenbach

Führung durch den WetterparkOffenbach

Mit Führungen wurde am „Welttag der Meteorologie" die neue Saison im Offenbacher Wetterpark am Buchhügel eröffnet. Ein Frühlingsspaziergang war die Veranstaltung nicht.

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„Zwar gibt es in Deutschland Wetteraufzeichnungen bereits seit über 100 Jahren, doch erst durch die Zusammenführung der Dienste in den verschiedenen westalliierten Zonen entstand der DWD 1952 als nationaler meteorologischer Dienst.“ Zwei Jahre später trat die Bundesrepublik der Weltorganisation für Meteorologie mit Sitz in Genf bei. Der Internationale Tag der Meteorologie geht auf den Gründungstag dieser UNO-Unterorganisation zurück. Vor genau 50 Jahren wurde das World-Weather-Watch-Programm gestartet, das die meteorologischen Messungen, den schnellen, weltweiten Austausch der Daten und deren Nutzung regelt. Der DWD nimmt dabei nicht nur als drittgrößter Beitragszahler eine herausragende Stellung ein, sondern ist federführend für zahlreiche weltweite Aktivitäten, beispielsweise zum Nutzen des Weltzentrums für Niederschlagsklimatologie.

179 besetzte Wetterstationen und Warten

Bundesweit gibt es 179 hauptamtlich betriebene und besetzte Wetterstationen und Warten. Die 180. auf dem Wendelstein wurde kürzlich geschlossen – „aus Kostengründen“, so DWD-Mitarbeiter Denny Karran, der später die Gruppe auf dem Erlebnispfad durch den Themenpark führen wird. Das nebenamtliche Messnetz des DWD wird von bundesweit fast 2000 Wetterbeobachtern betreut. Kein privater Dienstleister kann mit einer solchen Dichte aufwarten. Insofern dürften die Aufgaben auch langfristig bei dieser Anstalt des öffentlichen Rechts verbleiben.

Raimund Schultz hält ein altes Pyrheliometer in die Höhe und lässt die fröstelnde Zuhörergruppe an milde Temperaturen und Sonnenschein denken. „In der Brennfläche der gläsernen Kugel ist ein Papierstreifen mit einer Zeitmarkierung angebracht“, erläutert er. „Die Sonne brennt einen schmalen Strich in den Streifen, so dass nachher genau bestimmt werden kann, zu welcher Zeit und wie lange die Sonne geschienen hat.“ Heutzutage werden auch photoelektrische Sensoren für die Feststellung der Sonnenscheindauer eingesetzt.

Wichtige Daten zur Wetterbestimmung und Prognose

Auf dem umzäunten Messfeld des DWD ermitteln die hochmodernen Pendants jener Anno-Dazumal-Geräte, die Schultz vorführt, permanent wichtige Daten zur Wetterbestimmung und Prognose. Nur zu Anschauungszwecken steht dort auch eine der gemeinhin bekannten Messhütten, „korrekterweise mit der Öffnungsseite nach Norden, um eine präzise Datenerfassung nicht negativ zu beeinflussen“, so Schultz. Sie ist allerdings leer. Die gewöhnlich darin befindlichen Geräte, wie Thermo- und Hydrograph, präsentiert der Experte als Modelle zum Anfassen.

Unterdessen zeigt am Containerfenster nebenan ein Großbildmonitor im Minutenwechsel die neuesten deutschland- und weltweiten Daten über Temperatur, Wind und Niederschlag an. Beim Blick auf die Temperaturkarte entfährt einer Zuhörerin gedankenvoll ein Seufzer: „Las Palmas 23 Grad!“

Endlich Sonne! Wetter-Impressionen aus Deutschland

Endlich Sonne! Wetter-Impressionen aus Deutschland

Karran erläutert Hintergründe von Wetterbeobachtung und satellitengestützter Prognose, die sich beim Gang durch den 20.000 Quadratmeter großen Themenpark an den insgesamt 13 Stationen den Zuhörern erschließen – von der Veranschaulichung der Luftdruckmessung bis zu Einflüssen des Wetters und des Klimawandels auf die Pflanzenwelt.

Bei den 20 roten Windfahnen am Buchhügel angelangt, wecken die Ausführungen des DWD-Manns bei der Gruppe – ganz nach Mörike – erneut die Hoffnung auf laue Lüfte und baldiges Veilchenblühen. Eine Prognose dafür wagt freilich auch der Experte nicht.

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